Norbert regt sich auf vom 18.4.2005
über
Unverdiente Punkte
Guten Abend, geliebte Leser, ich muss mal jemanden aus Eurer Mitte loben. Ein NTI-Mitglied sprach mich Freitag an, weil ihm Passagen in meinen Berichten nicht gefielen. Fand ich gut, auch wenn man nicht vollständig einer Meinung nach dem Gespräch war...
Kommen wir zu den Themen des heutigen NRSA. Da wären ein Spiel der 1. Mannschaft, ein Spiel der 2. Mannschaft und das endlose Thema "Stadionneubau".
Die üblichen Rituale vor dem Spiel muss ich nicht weiter beschreiben. Fanladen, Hähnchen futtern, zum Stadion gehen, reingehen. Die einzige Abwandlung von der üblichen Routine bestand darin, dass der Fanclub, dem diese Seite gehört, an diesem Abend den AFM-Ausschank machte. Soll allen Beteiligten Spass gemacht haben und muss auch insgesamt erfolgreich gewesen sein, hatte man doch am Ende des Abends immerhin nur einen Kasten Holsten übrig.
Im Stadion nahm man die üblichen Plätze ein und konnte erstmal die Abendsonne bewundern. Oder auch nicht, regnete es doch, was insofern etwas unglücklich war, hatte ich doch zum ersten Mal seit Jahren keine Jacke mit beim Fussball. So stand man kurz noch bei den Vagabunden unterm Dach bevor man seinen eigentlichen Platz einnahm.
Zum Intro gab es Gedenken an Heinz Weisener. Schöne Choreo von USP, die aus meiner Sicht ein würdiges Andenken war ohne sich einzuschleimen. Denn man bedenke: Bei allen Problemen zu Lebzeiten war Heinz Weisener diesem Verein über viele Jahre verbunden.
Die Schweigeminute hingegen war ein kompletter Reinfall, denn es war viel zu laut. Leute nehmt euch mal ein Vorbild an Liverpool. Da habe ich eine Schweigeminute vor einem Spiel wegen eines Jahrestages von Hillsborough gesehen und da konnte man eine Stecknadel fallen hören.
Zum Spiel: Wenn ich der Trainer von Lübeck wäre, dann hätte ich Burgri nach dem Abpfiff 10 mal nackt ums Stadion laufen lassen, weil er die eine Chance so dämlich verballert hat. Und den Rest der Mannschaft hätte ich zum Straftraining antreten lassen. Soviele Chancen, vollkommen überlegen und man spielt nur 1-1, weil man alle Chancen verdaddelt und sich nach einer Standardsituation einen Ball reinmarmeln lässt.
Unsere Mannschaft spielte schwach. In unserem Mittelfeld kann kein Spieler einen Gegner umspielen oder einen tötlichen Pass spielen. Warum Dinzey noch bei uns auf dem Platz stehen darf, erschliesst sich mir nicht mehr. Einen Spieler, der nicht mitspielen will, sollte man auch nicht mitspielen lassen. Ganz ehrlich, als die Blödzeitung schrieb, er werde von irgendwelchen Zweitligisten gejagt, da habe ich nur gedacht "na, hoffentlich ist jemand so doof und kauft den".
Ein Wort zur Schiedsrichterin. Habe ich sie das letzte Mal, wo sie bei uns gepfiffen hat, wirklich stark gelobt, denn da hat sie klasse gepfiffen, so hatte sie Freitag einen gebrauchten Tag erwischt. Viel zu kleinlich und viel zu hektisch pfiff sie. Dies jedoch konsequent, so dass man ihr keine Benachteiligung eines Teams vorwerfen kann. Und der Elfmeter war ein ziemlich klarer, auch wenn ich im Stadion was anderes behauptet habe.
h
Die Stimmung auf St. Pauliseite war eher durchwachsen, was aber auch an einer wirklich schwachen Mannschaftsleistung lag.
Auf Lübecker Seite nun auch nicht gerade der absolute Punk, dafür aber eine nette Bengalo- und Rauchshow, die aufgrund der Windrichtung nicht nur gut aussah, sondern auch noch die Lübecker selbst einräucherte. Sehr schön, die ganze Nasen sterben bald an Asthma und man hat was zu gucken. Sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe :-)
Nach dem Spiel musste man sich mal wieder kollektiv über die Hamburger Polizei wundern. Bei jedem albernen Spiel machen die Viertel-Trennung, ziehen sozusagen Mauern hoch und man sieht nix von irgendwelchen gegnerischen Fans. Bei diesem Spiel, wo wirklich Potential da ist, da laufen alle Gruppen fröhlich durcheinander und bereits direkt hinter der Südkurve stehen die gesamten Hauer von Lübeck in einer Gruppe von St. Paulianern. Knuffi und Mathes liefen auch direkt gegen die ganzen Lübecker und es kam zu bizarren Szenen, weil bei diesem Aufeinandertreffen von generischen Fans und Polizei nahezu kein Wort gesprochen wurde und nur die Schuhe auf dem Asphalt zu hören waren. Passieren tat aber zumindest vor dem Stadion nix, was jedoch auch sehr mit starker Zurückhaltung auf St. Pauliseite zusammenhing.
BTW: Erstaunlich ist, dass von diesen Lübecker Kanten grosse Teile in Frontside-Pullis rumlief.
Danach zeigte die Polizei Hamburg mal wieder, wie unfähig sie ist. Originalzitat von einer Gruppe Polizisten, die am Jolly postiert waren "Hier nur St. Paulifans, keine Bremer". Die mit mir gehenden Vagabunden und ich konnten uns erst nach einigen Minuten wieder einbekommen.
Warum die Polizei auch eine Hundertschaft vor dem Fanladen postieren musste, obwohl dort nur einige Leute zum trinken draussen standen, wird auch immer ihr Geheimnis bleiben.
So dachte man sich beim fröhlichen Feiern des unverdienten Punktes Taktiken aus, wie man die Polizei durchs Viertel schicken könnte. Etwa in drei Gruppen teilen und dann im grossen Bogen durchs Viertel gehen und wieder zum Fanladen kommen und so ähnlich.
Aufgrund meiner immer noch angeschlagenen Lunge endete dann mein Abend, da ich dieser doch keine verrauchten Räume zumuten wollte. Noch etwas über die Leistung der Mannschaft gemeckert und dann glücklich ins Bett gefallen.
Nein, ganz und gar nicht, und der Aufstieg in die Eheliga von unserem Paupi und seiner reizenden Frau wurde gebührend und bis in die späte Nacht gefeiert. Mann, können einige Leute seriös in Anzügen aussehen. Super nette Party mit super netten Leuten!
Nicht wirklich, denn unsere 2. Mannschaft spielte gegen Meppen wirklich engagiert und schön, auch wenn der 1-0 Sieg am Ende glücklich war. Etwas erstaunlich war, dass dieses Spiel an der Sternschanze angepfiffen wurde. Damals wegen 10 böse guckenden Lübeckern musste man ans Millerntor ausweichen und hier kommen 150 Meppener, von denen mindestens 70 super bedenklich aussahen und man spielt an der Sternschanze.
Zwar zeigt der Aufkleber der Meppener Ultras nur das Meppener Stadtwappen, aber wer dieses in schwarz/weiss so abbildet, der sollte auch sehen, dass dieses Zeichen dann einem eisernen Kreuz sehr ähnlich sieht. Und der sollte sich nicht wundern, wenn er sich auf St. Pauli unangenehme Fragen beantworten muss.
Geknallt hat es nicht, was schon beinah zu bedauern war, denn diese Vollposten hatten jede Abreibung verdient. Aber zu dem Zeitpunkt, als die Polizei noch meinte, dies mit fünf Polizisten fahren zu können, hat sich keiner so richtig getraut. Und später hatte auch die Polizei ihren anfänglichen Fehler gemerkt.
Vollkommen pannig war die Taktik der Polizei nach dem Spiel. Anstatt die Meppener schnell aus dem Stadion zu bringen, zögerte sie dieses heraus, liess noch die Knüppeltruppe aufziehen, drängte Leute vor dem Sportplatz vollkommen grundlos ab, schuf so Hektik und erreichte doch nix. Immerhin sollen von vielen Meppenern Personalien aufgenommen worden sein.
Vollkommen unnötig war jedoch die Straßensperre, die einige jugendliche Heissporne aufzubauen meinten. Blockiert wurden weder die böse Polizei noch der Meppener Bus, sondern meine Wenigkeit und vier Spieler unserer 2. Mannschaft. Und: jam ich rege mich darüber sehr auf, auch wenn es nur 5 Minuten waren, denn selbst als man erkannte, dass ich dort als erster in der Reihe stand, baute man seelenruhig weiter. Und mal ganz ehrlich: Wenn Ärger mit Polizei riskieren, dann bitte für sinnvolle Sachen und nicht für so etwas.
Der MiniÜbersteiger hat mal wieder das Thema Stadionbau aufgegriffen. Fakt ist: Es gibt eine Gruppe, die das Stadion mit aller Macht plant. Fakt ist auch, dass diese Gruppe als seriös zu bezeichnen ist und dass es sich nicht wirklich um Spinner handelt. Fakt ist aber auch, dass diese Gruppe ausserhalb von Vereinsgremien agiert und von diesen auch nicht kontrolliert wird.
Im Übersteiger zeigt sich zweierlei: 1. Die Finanzierung ist absolut nicht gesichert. Aus meiner Sicht sind weder Genussscheine ein geeignetes Mittel die notwendigen Summen aufzutreiben, noch ist von der Stadt viel Hilfe zu erwarten. Und ein geschlossener Immofond erscheint mir als Finanzierung vollkommen ausgeschlossen, denn dies hat bereits bei Borussia Dortmund nicht geklappt und die haben eine deutlich bessere Einnahmensituation als wir.
2. Sollte die Finanzierung jedoch entgegen meiner Prognose klappen bekommen wir ohne grossen Vorlauf ein Stadion hingestellt, dessen Aussehen wir nicht beeinflussen können. Das kann auch heissen, dass die uns eine 28.000 Mann-Sitzplatzwüste da hinstellen. Es ist zumindest sehr verdächtig, dass bisher anscheinend keine Worte an die Öffentlichkeit gedrungen sind. Und man bedenke, dass diese Leute an Versprechungen des Präsidiums nicht gebunden sind. Mein Tip an die Investorengruppe: Dringend das Gespräch mit den Fans suchen, sonst endet das ganze in einer Zerstörung der Fankultur bei St. Pauli und dann sind die erhofften Einnahmen ganz schnell weg. Denn die Fans sind das einzige Kapital, das der Verein noch hat.
Ein Traum wären natürlich Stehplätze auf einer Gegengrade, aber eine schöne Stehplatzkurve würde für mich auch ausreichen. Auch wenn ich meinem GG-Platz ordentlich nachweinen würde. Denn klar ist für mich folgendes: Ich habe Stehplatz, egal wo. Und sollte es keine Stehplätze geben, dann bleib ich zu Hause.
Fakt ist natürlich auch folgendes: Es sind soviele Leute von dieser Never-Ending-Story so genervt, dass niemand sich dem Thema mehr ernsthaft widmet. Auch bei mir gilt immer noch folgende Version: Ich glaube an ein Stadion, wenn die Bagger rollen.
Letzte Anmerkung: Erstaunlich würde ich finden, wenn es wirklich einen Vorvertrag zwischen Investoren und Vorstand gäbe. Bei einem solchen Projekt hätte es aus meiner Sicht eine Information der Mitglieder geben müssen. Dies zumindest dann, wenn dieser Vorvertrag über einen unverbindlichen Letter of Intent hinaus geht. Denn der Übersteiger merkt zurecht an, dass das Millerntor