Norbert regt sich auf vom 19.5.2005
über
Feiert ruhig…
… und glaubt an die grosse Zukunft des FC St. Pauli von 1910. Ich glaube es nicht. Nur weil wir mal ein gutes Spiel gemacht haben, glaube ich noch nicht daran, dass ab nun alles besser und toll wird.
Viel zu berichten gibt es über ein Heimspiel eigentlich nie und diesmal war das Spiel noch ereignisloser. Zumindest hatte ich das Gefühl. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass es für uns einfach um nix mehr geht. Eigentlich hatte dieses Spiel ja noch seinen Reiz, da man dem Roten Löwen persönlich den Aufstieg hätte vermasseln können.
Trotzdem wollte bei mir nicht so wirklich Stimmung aufkommen. Das Hähnchen war noch nicht fertig, die Pommes zwar lecker, aber irgendwie doch nicht toll und das Geld knapp. Etwas mehr Stimmung sollte da erst vor dem Container der AFM aufkommen, wo der Rote Löwe wenigstens erstmal ein Bier ausgab. Die Freibeuterin wollte den Bruder des Roten Löwen erstmal aus seinem „Löwenstadt“ Pullover raushauen, aber irgendwie wollte dieser nicht.
Im Stadion dann kamen komische Leute in hässlichen rosa Rettershirts (und ich dachte immer, die sind verboten) und machten Umfragen, wie denn die Werbepartner zu St. Pauli passen würden. Fragen a la „Wie passt Ihrer Meinung Bommerlunder zu Fussball“ sollten wohl die Wirkung von Werbung testen. Tja, da trafen sie auf Knuffi und diese erklärt dann, dass Bommerlunder definitiv nicht zu Fussball passt und Astra auch nicht zu St. Pauli. Ist schon doof, wenn man nahezu den einzigen Nichtalkoholiker in diesem Stadion fragt.
Zum Intro gab es bei Braunschweig eine grosse Choreo, die ich nicht gesehen habe, auf St. Pauliseite einige Tapeten, welche sich mit den Stadionverboten aus letzter Zeit beschäftigen. Ganz ehrlich, hier wäre anstatt von Parolen mal Aufklärungsarbeit gefragt, denn von diesen neuen Stadionverboten und ihren Hintergründen wissen bisher nur die absolut innersten Personen der St. Paulifanszene. Und Transparenz und Information gewinnt mehr Anhänger als platte Parolen. Nur ganz ehrlich: Meine Zeit ist mir langsam zu kostbar um auf diesem Platz gewissen Gruppen ihre Unfähigkeit zu informieren abzunehmen.
In der Meckerecke fanden sich heute nicht nur die üblichen Fotografen ein, sondern auch noch unzählige Gäste. Zum Weltkapeikentag waren Fuksi und PW angereist, zum Antirassistischen Fussballturnier Menschen aus nahezu aller Herren Länder. Glücklicherweise erkannten die Norweger nicht, dass ich ein Shirt von einem norwegischen Verein anhatte, denn mein Spontannorwegisch ist nicht gerade berühmt.
Zum Spiel. Eigentlich ist es erschütternd, dass die Mannschaft erst jetzt und in dieser Besetzung so gut spielt. Da kämpfte jeder für jeden, da wurde kein Zentimeter verloren gegeben und wenn mal jemand einen Fehler machte, dann wurde er gleich ausgebügelt. Ich bedauere jetzt schon die Einkaufswelle zur nächsten Saison, denn Leute wie Brückner hätten nach einem solchen Spiel auch mal die Chance auf Stammspieler verdient. Aber stattdessen werden wir mal wieder irgendwelche 30jährigen kaufen, die kommen weil bei uns mehr Geld zu verdienen ist (und ich meine ausdrücklich nicht Meggle). Nur warum jetzt und sonst nicht? Ganz einfach, weil Hollerieth, Dinzey und Taljevic zur Zeit oder auf immer nicht im Kader sind. Bei den beiden ersten sind ihre sportlichen Qualitäten unbestritten, aber ich glaube, dass sie durch ihre Art jeden Verein daran hindern werden, grossen sportlichen Erfolg zu haben. Traurig ist auch, dass nun plötzlich Bounoua eine absolut zweitligataugliche Leistung abruft, wirklich als Leader auftritt. Warum jetzt? Warum nicht die ganze Saison? Schade, schade, schade. Gleiches gilt nebenbei auch für Uilacan und Hanke. Gut spielten auch Marc Nielsen in seinen 30 Minuten Einsatzzeit. Auch bei ihm hoffe ich, dass er nächste Saison einen guten Platz im Kader findet.
Aber wahrscheinlich werden sich diese Hoffnungen nicht erfüllen und wir werden Hauke und Marc weiterhin an der Sternschanze bewundern können.
Die Stimmung war gut, insbesondere hatte ich zum ersten Mal seit langem das Gefühl, dass Leute auch wirklich auf das Spiel achten. Da wurden Grätschen mit einem lauten „Jaaa“ und klatschen gefeiert und sehr sensibel auf das Spielgeschehen reagiert. Das finde ich allemal besser als 90 Minuten Gesinge oder 90 Minuten Unterhaltung. Grossartig auch die Dame im besten Alter (ca. Mitte 50), welche bei uns am Wellenbrecher stand und die nahezu jedes Lied fröhlich mitsang.
Nach dem Spiel ging es nur noch zum Fanladen und dann nach Hause. Richtig Stimmung wollte bei mir nicht aufkommen, so dass nur der Heimweg blieb. Eigentlich gäbe es nichts zu berichten, hätte man nicht zum ersten – und gleichzeitig zum letzten Mal – an dem Marsch von USP Richtung Fanladen teilgenommen.
Dieser startete am AFM-Container und ging dann Richtung Miller um dann Richtung Fanladen abzubiegen. Im Verlaufe dieses Zuges wurden unzählige Bengalen gezündet und immer wieder Böller geworfen. Nicht nur dass ich beides in einer bewegenden Masse super gefährlich finde, denn es wurden insbesondere die Böller nicht zwingend dort hingeworfen, wo sich keine Leute befinden, nein ich frage mich auch, was damit bezweckt werden sollte. Um mal Justin Visible sinngemäss zu zitieren: „Ging es etwa darum den anwesenden Gästen zu zeigen, was für böse Buben man ist?“ Ganz ehrlich: Wenn wir so einen Schwanzvergleich nötig haben, dann mal gute Nacht. Ganz mal davon ab, dass das bewusste Stören von Leuten und das bewusste Gefährden von Leuten nicht meine Art ist. Nichts gegen Gesang und Freude auf dem Weg zum Fanladen, aber wenn man Toleranz und Rücksichtnahme fordert, dann sollte man sie selber auch leben.
Die mitlaufende Knuffi hat nebenbei so einen Schreck von den ersten Böllern bekommen, dass sie erstmal wieder zur Ruhe kommen musste. Aber mit so etwas rechnet man ja nicht und warum soll man sich auch die Folgen des eigenen Handelns vor Augen führen?
Ja, keine Kritik im Internet, persönlich ansprechen etc. Ganz ehrlich: Vergesst es. Und zwar aus folgenden Gründen: 1. Ist das Internet kein schlechterer Platz als ein Fanzine oder anderswo. Nur weil es bequem ist, so für sich unbequeme Meinungen als minderwertig darzustellen, heisst es noch lange nicht, dass dem so ist. 2. Wen soll man denn ansprechen? USP? „Das waren wir nicht“ oder „Das war ich nicht“ wird eine – wahrscheinlich selbst stimmende – Ausrede sein. Mal ganz davon ab, dass ich der Gruppe kollektiv eigentlich nur den Vorwurf machen kann solchen Unfug in ihrer Mitte zu dulden. 3. Selbst wenn man USP als „Veranstalter“ ansprechen würde, warum sollte man es machen, wenn sie es doch selber nicht machen? Nein, Leute, diese Chance hattet ihr im Zuge gewisser Liebschaften, aber es ist ja viel bequemer zu sagen, man setze sich mit gewissen Leuten nicht mehr an einen Tisch und diese zu schneiden, als vielleicht mal das eigene Dogma „wenn man Probleme hat, dann spricht man sie persönlich an“ zu leben. Selbst bei eigenen Mitgliedern schafft man es ja nicht auf Emails zu antworten oder persönliche Fragen wirklich zu beantworten.
Womit wir bei der Gazetta wären. Dieses Blatt ist sooo nicht die Bereicherung, die es sein könnte, vielmehr muss man über viele Artikel stark den Kopf schütteln. Die Demoberichte strotzen nur so von pubertärer Gewaltverherrlichung und politischen Ansichten, die so etwas von Intolerant sind, dass man erneut nur mit dem Kopf schütteln kann. Was da über Gruppen wie den Jusos geschrieben wird, das kann nur von jemanden verfasst sein, der schlichtweg überhaupt keine Ahnung hat. Und wer alle Leute, die Gewalt als politisches Mittel ablehnen, als Spiesser und ähnliches verunglimpft, der sollte sein Menschen und Politikbild mal überprüfen.
Eine wirklich inhaltliche Diskussion zu diesen Themen, die hier bewusst nur angerissen sind, erspar ich mir und euch, denn unter www.stpauli-forum.de kann man nachlesen, dass auf inhaltliche Argumente sowieso nicht eingegangen wird, sondern viel lieber die paar Pöbler genutzt werden um die gesamte Kritik als „Albern“ oder so hinzustellen. Und auf einem solchen Niveau zu diskutieren, brauch ich echt nicht haben. Daher nur diese paar Sätze um meinen Frust herauszulassen.
Das schlimme an der Gazetta ist, dass sie abgesehen von diesen peinlichen Ausrutschern, die immer mal wieder das Gesamtbild vollkommen zerstören, eigentlich eine Zeitung wäre, die sehr viele gute Seiten hat und die eigentlich zu ihrem 50. Geburtstag eine fette Würdigung verdient hätte. Daher hoffe ich auf 50 weitere Ausgaben, darauf, dass einige Leute merken, was für schriftlichen Mist sie da verzapfen und das wir die Nr. 100 gebührend feiern können.
Warum ich keinen Leserbrief geschrieben habe? Weil die anscheinend sowieso nicht abgedruckt werden, wie letztens ein anderes Passantenmitglied erfahren musste.
… Thomas Meggle, welcher sich mal wieder für drei Jahre bei uns verpflichtet hat. Abzocker? Gralsbringer? Ich glaube weder noch. Sehen wir es mal so. Unsere Topverdiener zur Zeit sind (wahrscheinlich) Bounoua, Taljevic, Dinzey, Mayer, Hollerieth. Bounoua geben wir definitiv ab, Taljevic ist bereits weg. Besser als die beide sollte ein Spieler mit Bundesligaerfahrung und in relativ jungen Jahren sein. Und ich schätze Meggle so ein, dass er nicht nur zum Abkassieren zurückkehrt. Dafür denke ich, dass der Junge doch zu stark ein gutes Herz hat. Albern finde ich es auch, ihn zu verdammen, weil er bei Hansa gespielt hat. Er ist damals zu seinem Jugendtrainer (Armin Veh) zurückgekehrt und hat sich aus diesem Grund erhofft bei einem mittelmässigen Bundesligaklub Fuss zu fassen. Das ist aus meiner Sicht mit 27 Jahren eine vollständig nachzuvollziehende Idee. Dass es so nicht geklappt hat, kann man im Nachhinein immer leicht feststellen, aber war damals nicht wirklich erkennbar.
Genausowenig ist er aber der Held, welcher uns alleine in die zweite Liga schiesst. Zum einen ist er kein echter Spielmacher, zum anderen ist er zu leise, als dass er wirklich ein Kopf des Teams wäre.
Insgesamt aber eine gute Verpflichtung und garantiert besser als irgendein Namenloser, welcher bisher nix mit dem Verein zu tun gehabt hätte.
Was aber jedem klar sein sollte: Entweder nächstes Jahr klappt das mit dem Aufstieg oder das war es. Denn dann sind unsere finanziellen Ressourcen erschöpft.
… die Lebenslange Dauerkarte, die ein nettes Investment mit einigen Risiken ist. Aber der freie Eintritt zu Spielen der ersten und zweiten Mannschaft reizt mich doch schon sehr. Risiko? Naja zum einen das relativ auf der Hand liegende Insolvenzrisiko. Zum anderen natürlich das Risiko, dass unser Superverein in ca. 5 Jahren beschliesst, dass die AOL Arena ein ganz tolles Stadion ist und das die Rauten nicht stören…
… die Kapitalismuskritik, die inhaltlich vollkommen richtig ist, aber die falschen benennt. Nicht Fonds, die Risiko eingehen und damit selber die Gefahr des Bankrottes eingehen sind die echten Heuschrecken, nein Manager, die absolut kein Risiko tragen, die viele Millionen verdienen ohne für Fehler zur Rechenschaft gezogen zu werden und die sich daran aufgeilen Leute rauszuschmeissen. So gesehen be