Norbert regt sich auf vom 13.8.2005

 

über

Unzufrieden

Ich bin unzufrieden mit dem heutigen Tag. Irgendwie war das nicht das, was ich wollte. Eigentlich hätte man sehr zufrieden sein sollen mit einem 1-1 gegen den Tabellenersten, aber irgendwie bin ich es nicht.

Es ging bereits morgens kurz vor 10 aus dem Haus, galt es doch erstmal die Karte des ärmsten kranken Schädels abzuholen. An dieser Stelle gute Besserung!

Nun lebt dieser Mensch in der Nähe des Horner Kreisels und aufgrund dieser komischen Baustelle ist es ziemlich schwer, dorthin zu kommen. So musste ich einmal nach Jenfeld und zurück, bis ich dann endlich bei Schädel angekommen war.

Heute galt es allen Aberglauben zu aktivieren den man so aktiveren kann. So hatte ich das Trikot aus dem Schrank gekramt, welches ich gegen Oberhausen 2000 und in Nürnberg 2001 getragen hatte. Das wird immer nur zu absolut wichtigen Spielen rausgekramt. So hatte ich es drei Jahre nicht an, weil es halt kein wichtiges Spiel gab. Das Trikot ist ein weisses „Jack Daniels“-Trikot, welches mir etwas zu eng ist und das ziemlich deutliche Flecken hat. Die Flecken sind Currywurstsauce von einer Currywurst aus dem „Heissen Eck“ welche ich gegessen habe, nachdem ich nach unserer Last-Minute-Rettung gegen Oberhausen gepflegt in die Blumen vor „Cats“ gespuckt hatte. Fragt mich jetzt nicht, welcher Teufel mich geritten hatte, danach eine Currywurst essen zu gehen.

Der nächste Aberglaube betraf die CDs auf dem Weg zum Fanladen. Hier wurden ziemlich genau die Lieder gehört, welche ich vor ca. 10 Tagen auf dem Weg zum Spiel gegen Erfurt gehört habe. Am Fanladen angekommen wird die alte traditionelle Getränkereihenfolge angewandt. Premiumcola zuerst, dann ein Astra im Fanladen, dann ein Beck’s Gold in der Kleinen Pause.

Hähnchen um 11:30? Fürchterlich! Und nicht wirklich lecker, aber was macht man nicht alles, um dem Aberglauben gerecht zu werden? Selbst unseren Jungultra hatten wir mitgenommen und damit hatten wir eigentlich alles getan, was wir tun können.

Ab zum Stadion. Als kleine Unterhaltung zählten wir bei den entgegenkommenden Lübeckern Nazis. Naja, unser – bitte nicht ernst zu nehmendes Ergebnis – lag zwischen 0 und „alle“, weil doch auch Handgelenksschalträger Nazis sind, zumindest, wenn sie den Schal am rechten Handgelenk tragen. Ihr merkt: Das Niveau war unten, aber die Stimmung sehr gut. Etwas schlechter wurde sie bei mir, als weder die Karte noch der Kartenabnehmer anwesend waren. Die Karte unterhielt mich erstmal mit einem „Ich geh von zu Hause zum Stadion“ Ticker. Der war spannender als jeder Spielticker. Grosses Tennis.

Der Eingang ins Stadion war mal wieder nervig. Kann mal endlich jemand den Ordnern sagen, dass Kameras in Stadien nicht verboten sind? Es nervt einfach tierisch, alle naslang mit Ordnern darüber zu diskutieren, ob nun Kameras verboten sind oder nicht. Sorry, ein Verbot wäre auch einfach lächerlich. Auch bei uns kann man von den Rängen aus keine kommerziell verwertbaren Fotos machen. Und es handelt sich hier auch nicht um ein hochgeheimes Projekt, sondern um ein Spiel in der dritten Liga.

Zum Spiel: Ne, das war nix. Aber was soll man auch machen, wenn man gegen 12 Leute spielt? Ich habe lange nicht einen so parteiischen und absolut gekauften Schiedsrichter gesehen. Bärwolf durfte in jeden Zweikampf wie eine wilde Sau gehen. Lübeck bekam nicht einmal für Tätlichkeiten Gelbe Karten und bei St. Pauli wurde alles abgepfiffen.

Shubi spielte heute definitiv schwach, viel zu eigensinnig und viel zu kompliziert. Gerade seine schönen Pässe in den ersten Spielen haben mich von ihm überzeugt, aber heute klappte das alles nicht. Und nachdem Meggle raus war, reduzierte sich die Leistung des Mittelfeldes doch sehr. Schulz spielte die erste Halbzeit grossartig, musste aber leider durch eine lächerliche gelbe Karte und ein dummes Foul zur Halbzeit raus.

Insgesamt hätte die durchwachsene Leistung gegen ebenfalls durchwachsene Lübecker mit etwas Glück zu einem Sieg, aber auch mit etwas Pech zur Niederlage führen können.

Die Stimmung wurde von vielen Leuten als schlecht bezeichnet, aber das fand ich heute nicht. Es kam eigentlich relativ viel aus allen Ecken und mehrfach war es ziemlich laut. Die „Wurfrollen“-Choreo sah grossartig aus, der Spruch dazu war gut und daher alles äusserst gelungen.

Peinlich nebenbei die Lübecker. 350 Karten zurückgehen zu lassen bei einem Spitzenspiel und einer Entfernung von ca. 90 km ist schon mehr als schwach. Dann aber auch noch soviel Rauch zu zünden der keinen anderen Effekt mehr hat als allen die Sicht zu nehmen ist schon mehr als dämlich. Und zu hören war von denen gar nix.

Warum bin ich trotzdem unzufrieden bin? Weil ich ein grosses Anspruchsdenken habe und immer noch Angst habe, dass Lübeck und Essen so überlegen sind, dass wir am Ende nur glorreicher Dritter werden. Und das wäre halt zu wenig. Und insofern hätte ich mir einen Sieg gewünscht. Aber eigentlich – seien wir ehrlich – muss man absolut zufrieden mit den ersten vier Spielen sein. 10 Punkte nach vier Spielen wären 90 Punkte nach 36 Spielen und damit absolut ausreichend für einen Aufstieg ;-) Problem ist natürlich nun das Spiel in Düsseldorf. Die stehen nun schon mit dem Rücken zur Wand und werden gegen uns kämpfen wie die Tiere. Und wir sind in solchen Situationen schon immer der perfekte Aufbaugegner gewesen. Aber eigentlich müssen wir auch dort gewinnen. Doofe Situation…

Nach dem Spiel gab es irgendwie Polizeishow. Erst stand ich mit Toni an der Budapester Strasse und spielte mit dem Polizeizug gegenüber „Wer zuerst blinzelt, verliert“, zumindest haben die so eindringlich uns angeguckt. Dann stehen am Fanladen doch wirklich vier Zivis, der Marke „superauffällig“ und wundern sich, dass der Paupi und ich sie fotografieren. Natürlich wurden wir gezwungen, die Bilder rauszugeben, aber allein dass dieser Typ mir vor versammelter Mannschaft seinen Dienstausweis hervorholen und damit vor allen versammelten „wir beobachten euch“-Gruppen seine Identität Preis geben musste, war die Mühe wert. Nur ganz ehrlich: Diese Nasen müssen sich nicht wundern, wenn sie keinen Fuss auf den Boden bekommen und jeder nur Verachtung für sie über hat. Das mehr als lächerliche Auftreten beim Fanladen sprach schon wieder Bände. Und nebenbei: Ich finde für einen Zivilpolizisten eine Militärjacke vollkommen unangebracht und peinlich. Das sind nicht gerade Klamotten, welche für mich Ruhe und Ordnung ausstrahlen. Und warum nun der Fanladen nach jedem Spiel von einem Zug Polizei und vier Zivilbeamten beschützt werden muss, erschliesst sich mir auch nicht. Insbesondere, da die Gruppen aus Lübeck, welche relevant sind, ohne Begleitung in Kleingruppen auf den Kiez gehen konnten. Die Polizeitaktik ist nur noch peinlich. Passiert ist natürlich gar nix und irgendwann zogen die dann auch ab. Aber wenn das so weiter geht, teilen wir uns irgendwann wirklich mal in ca. 20 Kleingruppen, rennen einmal durchs Viertel und gehen dann wieder zum Fanladen. Nur um die zu unterhalten.

Der Rest des Tages ist schnell abgehandelt. Im Fanladen gab es lecker Grillzeug mit Knoblauch. I. stellte zu Recht fest, dass ich ordentlich davon hatte. Danach noch kurz N3 geguckt und mich von Familie Frida nach Hause fahren lassen.

Wer spontan morgen zur 2. Mannschaft will, kann gerne morgen um neun zum