Norbert regt sich auf vom 18.10.2005
über
In Rendsburg wird wechselgeläutet
Es ist 0:22 und ich sitze im Bus, der mich von einem Spiel in Kiel nach Hause bringt. "Warum so spät?", werdet ihr euch fragen. Weil ich einen Bus als Reiseleiter betreute, der nach dem Spiel in Kiel noch ein Konzert in Rendsburg besuchen musste.
Wie kommt man zu so etwas? Naja, irgendwann sitzt man vor irgendeinem Heimspiel im AFM-Container und schnackt dort mit der angestellten Servicekraft. Diese Servicekraft hat neben dem Job bei der AFM auch noch einen künstlerischen Beruf, in welchem er Sänger in einer deutschen Schlagerkombo ist. Und wie es der Zufall so will spielte diese am Tag des Spieles in Rendsburg. Und er fragte mich, ob ich für ihn einen Bus organisieren und managen kann. Kein Problem, insbesondere da man Tommy doch mal was für seine gute Arbeit bei der AFM zurückgeben kann.
Eine Regel dieser Kolumne besagt, dass die erste Mannschaft als erstes und die zweite Mannschaft als zweites behandelt wird. Daher müsst ihr jetzt die Gründe für meine kleinen Augen Samstag morgen euch erraten oder warten, bis viel weiter unten die zweite Mannschaft Thema ist. Wenigstens klingelte mein Wecker pünktlich um 8 Uhr und ich schleppte mich unter die Dusche. Bevor ich euch jetzt mit Details meines morgendlichen Rituals langweile, springen wir lieber bis 10:30, als ich mich am Clubheim befand und auf den von mir zu betreuenden Bus wartete. Die Reste des vorherigen Abends lagen da noch, wobei die Pfandflaschen sich wundersamer Weise aus den Mülltüten verabschiedet hatten. Über die halb ausgetrunkene Aleflasche müssen wir noch mal Tigerentenintern reden, aber mehr deute ich nicht auf den Abend vorher an.
Wenigstens trudelten nach und nach meine Mitfahrer und auch mein Bus ein. Gleichzeitig trudelten auch die schlechten Nachrichten von den Bahnfahrern ein. So hatte sich wohl jemand Lebensmüdes vor den ersten Zug nach Kiel geworfen, so dass dieser auf offener Strecke stehen blieb. Der Zwischenstop dauerte ca. 2 Stunden und warf natürlich auch sämtliche Sonderzüge aus der Bahn (sic!). So wurde noch bei allen mir bekannten Mitfahrern angefragt, ob sie nicht gegen einen Unkostenbeitrag unseren Bus auffüllen wollten, aber außer den beiden Cocktailladys wollte niemand das Angebot annehmen. Leider auch nicht helfen konnte man Sandra und dem Standfussballer (was man hier wörtlich nehmen muss), die darum baten ihnen doch Bier in den Zug bei Elmshorn zu bringen. Liegt nicht wirklich auf der Strecke, wenn man mit dem Auto nach Kiel will.
Aber auch unsere Reise im Bus war nicht vollkommen ohne Staus. So mussten wir doch gut 20 Minuten bei Kaltenkirchen die Leitplanken in Zeitlupe bewundern. Kurz nach 12 waren wir dann aber doch in Kiel und erhofften uns eine schnelle und gute Anreise zum Stadion. Nur leider hatten wir die Rechnung ohne die Verkehrsverhältnisse bei Anfahrt gemacht. Rund um das Stadion herrschte heilloses Chaos. Hinzu kam eine Polizei, die überhaupt keinen Plan hatte. Glücklicherweise ignorierte unser Busfahrer gepflegt sämtliche Höflichkeits- und Verkehrsregeln, schlich sich an der gesamten Autoschlange vorbei und gelangte so zur Polizeiabsperrung vor dem Stadion. Ach ja unser Busfahrer: etwas nervig, nur damit beschäftigt über Frauen zu schimpfen und seinen ruppigen Fahrstil zu rechtfertigen. Aber diese Aktion riss viel wieder raus.
Auftritt Verkehrspolizist. Die Situation ist folgende: Halb links geht es zum Gästebereich. Davor stehen bereits die anderen Busse, die Strasse ist aber gesperrt. Zwischen Gästebereich und unserem damaligen Standort befindet sich noch die berühmte Kieler Tankstelle, Treffpunkt ungefähr aller Nasen, die Kiel so aufbieten kann. Wir wollen also mit unseren Bus in den Gästebereich fahren. Verkehrspolizist: „Sie müssen da lang“ (deutet vom Stadion weg). Ich: „Wir sind St. Paulifans“ Er: „Sie müssen da lang“ Ich: „Sie wollen uns auf dieser Seite nicht haben, wir sind St. Paulifans.“ Er: „Oh, sind Sie denn nicht von den Kollegen abgeholt worden?“ Ich: „Nein, welche Kollegen?“ Er: „Dann fahren Sie mal durch, der Kollege wird ihnen schon sagen, wo Sie stehen sollen.“ Gut, wir fahren durch, gucken uns die Tankstelle an (teilweise übelste Gestalten, dazu aber auch viel Polizei und der in Kiel übliche Gefangenenbus der Polizei) und kommen nun zu dem kleinen Grandstück, wo die anderen Busse parken. Kein Polizist, aber ein netter Ordner weist uns ein und wir haben einen schönen Platz für unseren Bus bekommen.
Die ersten Leute, die ich begrüssen konnte, waren erstmal Kollegen aus dem Finanzamt. Immerhin konnte ich da noch Eindruck schinden, da ich ja vorne neben dem Fahrer sass.
Kommen wir zur Kieler Organisation. Das erste Jahr kommen wir da mit 6.000 Leuten an und es klappt nix. Da habe ich noch gedacht „Okay, kein Problem, die sind das erste Jahr mit uns konfrontiert, die müssen noch lernen.“ Das zweite Jahr kommen wir mit 4.000 Leuten an, es herrscht wieder Chaos und ich denke „Okay, sie haben nicht gelernt, das ist ganz schön schwach, aber nun müssten sie es doch begriffen haben.“ Nein, sie hatten gar nix begriffen. Die Kieler Gästekurve besteht aus zwei halben Kurven, die durch ein Marathontor getrennt sind. Man kann nur durch einen kleinen Vorplatz von einer Kurve in die andere gelangen. Auf diesem Vorplatz war noch das fröhliche Filzen am Gange, so dass man zwischen den beiden Kurven nicht wechseln kann. Hinzu kommt, dass es nur zwei Aufgänge in der Kurve gibt, nämlich links und rechts des Marathontores. Am Ende der Kurve wird das Ganze noch dadurch verengt, dass sich dort jeweils die Bierstände befanden, die auch vollkommen überlaufen und dementsprechend drängelig waren. Nun kommt noch hinzu dass man in Kiel ausschliesslich oben in der Kurve vernünftig sehen kann. Daher bleiben natürlich alle Leute oben auf den ersten Stufen stehen. Sprich: Oben entwickelt sich ein tierisches Gedränge und unten ist alles frei. Würde man das Marathontor öffnen und so einen weiteren Eingang frei machen, würde es diese Probleme nicht geben. Aber das wäre organisatorisch wohl zu kompliziert.
So gaben bereits vor dem Spiel einige Mitreisende es auf das Spiel sehen zu wollen und gingen direkt ins Klubheim von Kiel. Ganz ehrlich: Eine Entscheidung, die ich voll und ganz verstehen kann, wenn man nur Hälse und Köpfe sieht.
Irgendwie wäre ich froh drüber gewesen genausoviel zu sehen. Wenn man jedoch ohne Torhüter und ohne Abwehr antritt, dann hat man halt keine Chance. Zumindest die Tore Nr. 1, 3 und 4 hätte jeder normale Regionaltorhüter gehalten. Alle Bälle segeln vollkommen entspannt durch den Fünfmeterraum und da sollte ein Torhüter sie haben. Dass auch die Abwehr fröhlich zuguckte ist ein anderes Thema, aber trotzdem muss man Hollerieth die Hauptschuld geben. Fakt ist: Er war überhaupt nicht fit und als so erfahrener Mann muss er dies auch selber einschätzen können. Und es absolut niemandem geholfen, wenn er sich dann trotzdem aufstellen lässt!
Zumindest in der von mir beobachteten ersten Halbzeit tat der Rest des Teams auch nix um irgendwie zumindest kämpferisch dagegen zu halten. Dies soll in der 2. Halbzeit zumindest bei Meggle besser gewesen sein, aber meinereiner hatte genug gesehen und verliess das Stadion. Ja, ich weiss, jetzt kommen wieder die Vorwürfe a la Modefan und bla, aber ganz ehrlich: 1. War das Spiel gegessen und die Mannschaft stand in den ersten 45 Minuten nicht auf dem Platz 2. War mir die Lust auf Support vollkommen vergangen 3. Standen hinter mir so junge Typen, die vollkommen voll waren, sich wunderten, dass es 4-0 steht, weil sie nicht auf das Spiel achteten, dauernd Leute anrempelten und irgendwann noch das reingeschmuggelte 5 Liter Warsteinerfass (Wie bitte geht das???) in den Innenraum warfen. Hätte ich da noch ein paar Minuten länger gestanden, dann hätte ich eine Schlägerei angefangen und hätte wahrscheinlich nun fünf Jahre Stadionverbot und hätte mir diesen schmucken Gefängnisbus von innen ansehen müssen.
Im Klubheim fanden sich nach und nach immer mehr braun-weisse ein, die bitter enttäuscht waren. Nur die „Bierfries“ (ausgesprochen mit Betonung auf dem I), die sich als ganz profane aber leckere Pommes herausstellten, und das Bier konnte den Tag noch irgendwie retten. Dabei war es interessant, dass es Bier teilweise in Plastikbechern, teilweise in Gläsern und teilweise in Flaschen gab. Letzteres, als zwischenzeitlich die Fässer gewechselt werden mussten. Mal ganz ehrlich: Ein so schönes und helles Klubheim mit einer solchen kompetenten Bedienung würde auch anderen Vereinen gut stehen. Einer davon spielt am Hamburger Millerntor.
Nun galt es wieder meinen Pflichten als Reiseleiter nachzukommen. Kurz noch Klaus und seine MB zur weiteren Mitfahrt überredet und sich dann wieder zu den Bussen aufgemacht. Die restlichen Mitfahrer waren schnell eingesammelt und unter ortskompetenter Führung von Andy (danke dafür) machten wir uns zur Kieler Ostseehalle auf. Dort parkten wir den Bus und jeder hatte Zeit, seiner eigenen Wege zu gehen. Dieser führte uns an einer Kneipe namens „Ballermann 7“ (oder so ähnlich) vorbei, welche wohl bekannter Kieler Nazitreff ist und bei unserem Vorbeigehen gerade von der Polizei auseinander genommen wurde.
Kurze Zeit später traf man sich in dem Kieler Pub für St. Paulianer. Wahrscheinlich der einzige Irish Pub, an dessen Wand ein Rangers Schal hängt. Hier traf sich eine illustre Mischung aus Passanten, Vagabunden, Punkrockern und North Side-ern. Hat Spass gemacht. Und man muss auch nicht in jedem Punkt einer Meinung sein, um einfach mal „United we drink, afterwarts we fall“ zu zelebrieren. Im Hintergrund konnte man noch genüsslich „Alle Spiele, alle Tore“ ansehen und sein Newcastle Brown Ale geniessen. Ein Vorschlag an den Besitzer: Mach aus dem Pub einen englischen Pub, pack noch ein paar mehr Ales auf die Karte und ich komme jedes Jahr vorbei.
Dann galt es den Transfer nach Rendsburg in Angriff zu nehmen. Dieser verlief kurz und schmerzlos und nach ca. 30 Minuten konnte erneut Andy unsere örtliche Planlosigkeit überwinden, so dass wir pünktlich an der Teestube ankamen. Diese liegt in einem kleinen Park in Rendsburg und äusserst idyllisch. Bereits bei unserer Ankunft war der Laden, welcher für ca. 200 Leute ausgelegt ist, schon fröhlich umlagert und insgesamt war es die ganze Nacht ziemlich voll in dem Laden. Insgesamt kam ich mir ein bisschen alt vor, aber da Schädel mit war konnte ich das alles noch gut ertragen.
Bands spielten noch nicht, so dass wir erstmal Teestube Teestube sein liessen und uns ein Restaurant suchten. Da mir der Hunger auf chinesisch stand, machten Schädel, Pauline und ich uns auf zum örtlichen Chinesen. Kurze Zeit später folgten uns noch Andy und Christine, so dass wir zu fünft eine gepflegte Mahlzeit einnehmen konnten. Während sich die zwei Vegetarier und Pauline mit kleineren Gerichten zufrieden stellten, wählten Schädel und ich das „All u can eat“-Buffet. 15 Euro mussten ergessen werden und da Schädel die Gleichung „1 Teller gleich 1 Euro“ ausgab, begann das grosse Fressen. Als Andy dann feststellte, dass verschiedenes Gemüse anscheinend nur ein paar Sojasprossen und eine Dekowurzel sind, wurde auch die Überschrift geboren, meinte doch Schädel, dass dies auch bedeuten könne, dass das Gemüse verstorben, eben verschieden, ist.
Deutlich satter ging es zurück zur Teestube, wo zwischenzeitlich die erste Band begonnen hatte zu spielen. Nicht wirklich meine Kanne Musik, so dass man sich zuerst vor dem Eingang plazierte, wo die Musik noch in einer angenehmen Lautstärke gehört werden konnte. Später begab man sich in den Park, welcher im Mondlicht sehr aufregend aussah. Zusammen mit Klaus und seiner MB suchte man sich eine Parkbank und guckte sich den Mond an und philosophierte darüber, ob dieser nun ein Gottesbeweis sei. Wobei meine Argumentation, dass mir dies zuviel Zufall sei (Mond am Himmel optisch genauso gross wie Sonne, einziger Planet nur mit einem Mond, man sieht nur die Vorderseite des Mondes) von Klaus mit einem „Das ist eine zu unkritische Argumentation“ gekontert wurde. Nur die ärmste MB wollte eigentlich ihre Ruhe haben und musste irgendwann von unseren abstrakten Themen eine Auszeit nehmen. In dieser Auszeit wurde es zehn Uhr und eine Glocke begann die Zeit anzuklingeln. Lustigerweise antwortete eine andere Glocke mit einer leichten Verzögerung und daher wissen wir nun, dass man in Stadien vielleicht Wechselgesänge anstimmt, in Rendsburg aber Wechselgeläut (wenn ihr euch wundert, was dieser Teil der Fahrt mit Fussball zu tun hat, dann hat er genauso viel mit Fussball zu tun wie die Leistung unserer Truppe in Kiel).
Molotow Soda wurde dann zum grössten Teil vor der Teestube genossen und dann begann die Rückfahrt, die einfach nur nervig war. Ganz ehrlich: Wir hatten eine CD mit und dann gibt es echt Typen, welche die ganze Zeit Musik fordern, aber nicht diese CD und nicht Radio, aber natürlich nix eigenes mithaben. Und bei jedem zweiten Lied wird entweder „Leiser“ oder „Lauter“ durch den Bus gebrüllt. Und dann wundert man sich, dass dem Reiseleiter irgendwann der Kragen platzt. Und noch mehr wundert man sich, wenn dann die Anfrage, ob man vor dem Jolly halten kann mit einem einfachen Kopfschütteln beantwortet wird. Ganz ehrlich: Wer es nicht gelernt hat, vielleicht auch mal Interessen von anderen zu respektieren, vielleicht einfach mal zu fragen, ob noch vernünftige Musik da ist und vielleicht auch mal verzichten kann und wer seine Meinung einfach diktatorisch durch den Bus brüllt, der muss sich nicht wundern, wenn man sich als Reiseleiter nicht zum Handlanger der Interessen macht.
Damit war die Fahrt dann aber endlich zu Ende und so gegen halb drei hatte mich meine Wohnung wieder. Komischerweise feierten da zwei Damen noch Party, so dass ich irgendwann um vier endlich in mein Bett fiel, welches ich bis Montag nicht wirklich verliess.
In einer völligen Verkehrung der zeitlichen Reihenfolge kommen wir nun zu Freitagabend. Bereits dort konnte ich den Reiseleiter mimen, aber ein Amateurebus ist alleine schon aufgrund des harten Kernes, der immer mit fährt, ein ziemlicher Selbstgänger. Erstaunlicherweise war dieser Bus diesmal extrem gut besucht, so dass wir mit insgesamt 42 Teilnehmern Richtung Büdelsdorf fahren sollten.
Die Tour war nicht ganz einfach zu planen. Leider musste Büdelsdorf das Spiel unbedingt auf den Freitag legen, so dass der typische Sonntagsausflug bei den Amateuren (früh los, dann Klubheim früh zu Rekordumsatz verhelfen, Spiel sehen und zurück) leider ausfallen musste. Als ich das Interesse für die Fahrt antestete, stellte ich fest, dass eine frühere Abfahrtzeit als 18 Uhr für viele Mitfahrer nicht zu machen war, so dass wir auf eine freie Autobahn und einen schnellen Busfahrer hoffen mussten. Netterweise erklärten sich zwei mitreisende Damen auch noch bereit, für den Bus Cocktails zu mixen, so dass einer netten Fahrt nix mehr im Wege stand.
So fand ich mich bereits gegen vier am Klubheim ein, damit ich noch die restlichen Zutaten für die Cocktails kaufen konnte. Bei dieser Gelegenheit traf ich den Betreuergott und versuchte ihm klar zu machen, dass er vielleicht schon einmal vorsichtshalber eine Viertelstunde beim Schiedsrichter herausschinden solle. Als ich ihm dann erzählte, dass ich jetzt Eis kaufen würde, meinte er nur, das sei gut, ich solle ihm mal welches mitbringen. Woher er dieses sonst bekommen hätte, bleibt nun sein Geheimnis. Nachdem ich nun Eis geholt hatte, fragte Michi Hempen erstmal, wofür wir dies denn bräuchten. Kurz von den Cocktails erzählt und für den Fall eines Auswärtssieges bereits einen Satz Cocktails für die Mannschaft versprochen.
Nach und nach trafen meine Mitfahrer ein, wobei als erstes der weibliche Teil des SSD eintrudelte und ich bei dieser Gelegenheit merkte, dass ich keinen Aprikosensaft gekauft hatte. So machte ich mich mit ihrem Lebensgefährten auf zum Glashütte 85, damit ich diesen kaufen kann. Kurz vor dem Laden geparkt und reingelaufen und was nun passierte ist so irreal, dass man es gar nicht beschreiben kann.
Szene: Drei Altlinke und ich, dunkler Keller voller Getränke. Zwei Typen stehen rauchend im Weg, der dritte bedient. „Habt ihr Aprikosensirup“ „Ja“ (lange Pause) „Aber nur als Saft“ (noch ne Pause) „und da nur Pfirsich“ Die beiden Typen aus dem Hintergrund fangen an zu lachen und meinen, dass dies nicht das gleiche sei. Bedientyp meint „Egal, ist doch beinah das gleiche, ist doch beides Steinobst“. Einer der Imwegstehtypen meint dann „Okay, dann kannst du also auch Pflaume nehmen, das ist auch ein Steinobst“. In Ermangelung von Alternativen kaufe ich das Zeug und verlasse diesen äusserst interessanten Laden.
Btw: Vielen Dank an meinen Fahrer :-)
Jetzt hatten wir beinah alle Mitfahrer und selbst Hasso trudelte (ACHTUNG!!!!) zwanzig Minuten (!!!!!!!!!!!) vor (!!!!!!!!!!!!!!!!!) Abfahrt des Busses ein. Die Freibeuterin wurde noch kurz per Expresstaxi von der Arbeit abgeholt und dann konnte es auch schon nahezu pünktlich los gehen. Unser Busfahrer erwies sich nicht nur als äusserst nett, nein, er wusste auch durch einen kleinen Schleichweg zur Autobahn zu gefallen. So waren wir bereits nach 20 Minuten Fahrtzeit ein gutes Stück auf der Autobahn und waren eigentlich guter Hoffnung pünktlich oder zumindest mit ein paar Minuten Verspätung anzukommen. Ja, aber dann kam sie, die Verengung auf eine Spur bei Neumünster Süd. Ca. 8 km Stau machten leider alle Hoffnungen auf ein pünktliches ankommen zunichte. Ein Umfahren durch Neumünster wurde noch geplant, aber letztendlich entschied man sich dagegen. Und das beste war, dass die Verengung genau in dem Moment aufgehoben wurde, in dem wir uns dieser näherten. So eine Scheisse. Nun wurde hektisch versucht 15 Minuten herauszuschinden, aber leider blieben diese Versuche erfolglos. Letztendlich kamen wir mit ca. 35 Minuten Verspätung an. Unsere Helden hatten bis dahin ein 0-0 gehalten und wir stürmten den Platz. Vom örtlichen Polizisten mit einem „Schön, dass ihr auch endlich da seid“ begrüsst und mit lautstarken Gesängen marschierten wir ins Stadion. Unsere SSD-Dame handelte noch kurz einen Pauschalpreis für alle aus, wobei die ärmste Kassendame eigentlich nur zwei Möglichkeiten gehabt hätte: nur einmal Eintritt zu kassieren oder sich auf diesen Pauschalpreis einzulassen. Der Rest hatte sich nämlich mangels Ordner bereits ins Stadion geschlichen.
Von nun an erschallte im neugebauten (und durch eine Laufbahn wirklich verschandelten) Eiderstadion lautstarker Amateursupport. Spielbezogen, mit viel Spass dabei und teilweise durchbrochen durch Bierholaktionen. Grossartig der – absolut missglückte – Wechselgesang-Versuch und das von Knuffi angestimmte Aux Armes. Die Ärmste musste ihre zarte Stimme erheben da es den Männern entweder an Französischkenntnissen oder aber an Mut fehlte.
Der Bierstand musste bereits zur Halbzeit (wohlgemerkt, da waren wir 10 Minuten da!!!!) Nachschub holen und mit diesem Support hielt unsere Mannschaft ein 0-0 bis in die Halbzeit. In der zweiten Halbzeit bekamen wir von Büdelsdorf noch gepflegt einen eingeschenkt, wobei Paddy Borger beim zweiten Tor nicht wirklich eine glückliche Figur machte (Lerne: „Brichst du durch meine Abwehr, dann brech ich dir die Beine“ (frei nach Olli Schulz)), insgesamt tat dies der guten Stimmung bei uns aber keinen Abbruch. Mal ganz ehrlich: Man sieht den Jungs an, dass sie wollen. Sie haben ihre Fehler, so muss Lukasz Sosnowski dringend lernen sein Temperament im Zaum zu halten, aber insgesamt kann man den Jungs kämpferisch keinen Vorwurf machen. Man kann als Freund der 2. Mannschaft nur hoffen, dass der Einsatz bald belohnt wird. Denn zur Zeit stehen wir halt auf einem Abstiegsplatz und dies nicht zu knapp.
Nach dem Spiel mussten die Journalisten noch zur Pressekonferenz und das gemeine Fussvolk machte es sich im Klubheim gemütlich. Meine journalistischen Pflichten konnte ich abwälzen, so dass ich mir in Ruhe das Bier schmecken lassen konnte und das Klubheim wahrscheinlich doch noch einen Rekordumsatz machen konnte. Irgendwann war es dann aber Zeit wieder aufzubrechen. Der Mannschaftsbus wurde noch kurz im Scherz blockiert und die von Hermann angebotenen 20 Euro wieder zurückgegeben (sollte halt nur ein Scherz sein), nur auf die Cocktails musste die Mannschaft verzichten. Die tranken wir lieber selber, wobei ich lieber meine beiden Aleflaschen mit der Freibeuterin teilte (womit wir wieder beim Anfang des Berichtes sind). Viel mehr passierte nicht mehr, ausser das eine etwas angetrunkene Dame noch lautstark „Spiel doch mal Punkrock“ forderte, dies aber am Samstag nicht mehr erinnern konnte.
Das nächste Spiel der 2. Mannschaft verspricht einfache drei Punkte, spielen wir doch gegen Nordhorn, welche immerhin Tabellenführer sind und seit dem ersten Spieltag nicht mehr verloren haben. Wird Zeit, dass sie mal wieder verlieren. Macht es, Jungs!
... die Trainerdiskussion in unserem Verein. Einige vermeintlich gut unterrichtete Stinkstiefel wollen schon etwas von Abstimmungen gegen den Trainer gehört haben, andere tippen täglich auf eine Entlassung. Fakt ist folgendes: 1. Stanislawski lässt sich zu Beginn der Saison für die tollen Neueinkäufe feiern. 2. Jetzt soll plötzlich der Trainer schuld sein und das Präsidium erweckt zumindest den Eindruck, dass man den Trainer bei Pleiten gegen Kiel und Osnabrück los werden will. Wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, wo nur vier Punkte hinter dem Zielplatz steht und dies auch daran liegt, dass Kiel und Lübeck eine bisher unglaubliche Saison von den Punkten her spielen. 3. Bereits vor dem Emdenspiel wird in der Presse gehighlightet, wie toll doch Stani mit Fascher kann und die Presse macht da schon eine kleine Trainerdiskussion raus (so nach dem Prinzip „Wenn es nicht läuft, dann nehmen wir den“) Kurz: Es wird der Mannschaft alle Möglichkeiten gegeben sich auszuruhen, denn im Notfall ist immer der Trainer schuld. Und Stani sagt jetzt nicht etwa „Da habe ich Scheisse eingekauft“, nein das lässt er schön am Trainer aus. Ganz ehrlich: Zur Zeit sehe ich absolut keinen Grund Stanislawski einen Managervertrag ab Januar anzubieten. Geld ist seine Tätigkeit zur Zeit nicht wert.
… die Zugfahrt nach Kiel, welche wohl mal wieder assigstes Verhalten bei einigen St. Paulianern hervorbrachte. Wie kann das sein und warum funktionieren unsere Selbstkontrollmechanismen überhaupt nicht mehr? Ich frage mich wie lange es noch dauert, bis wir massiv BGS in den Zügen haben. Dann soll aber keiner jaulen, denn Schuld sind wir selbst.
… das absolut begrüssenswerte Flüchtlingsprojekt von USP, welches auch zum ersten Mal Leute mit zum Auswärtsspiel mitnehmen sollte. Hat wohl aufgrund von Ausseneinwirkungen nicht so geklappt, es bleib aber zu hoffen