Norbert regt sich auf vom 10.8.2006 (!!!!)
über
Hungerstreik bis zum Aufstieg
oder
Drei Punkte gegen den Abstieg
Eigentlich überflüssig, also gleich rein in die Materie
Spieltage in der Woche zeichnen sich immer wieder durch sehr verkürzte Pre- und Postmatchrituale aus. Das Prematch Ritual fand dabei noch beinah vollständig statt, denn ich hatte pünktlich Feierabend gemacht, kurz noch meine Begleitung eingeladen und war um halb fünf im Fanladen. Hier wurden die üblichen Formalitäten abgeklärt und der Lübeckbus geordert (unglaublich, man hatte mich ohne Witz vergessen auf der Busliste, aber Cathrin hatte das Problem durch Nachfrage in Richtung Wuppertal schon gelöst). Nun drängte Mathes dazu in die Kleine Pause zu gehen, was ich aufgrund etwas erhöhter Leibesfülle diese Saison eigentlich nicht tun wollte. Dies teilte ich Mathes auch mit, sagte aber, dass ich ohne irgendwas zu essen gerne mitkommen würde. Mathes meinte daraufhin, ob ich nun – wie ein Göttinger das spaßeshalber mal in den Raum geworfen hatte – tatsächlich Hungerstreik bis zum Aufstieg betreiben würde. Eigentlich eine gute Idee, aber warum soll man sich selbst bestrafen, wenn die Truppe zu blöd ist, aufzusteigen?
In der Kleinen Pause trafen wir auch die Toristenfraktion, die mit einem freundlichen „na, ihr Ruhrpottassis“ begrüsst wurde. Olespapa versuchte noch ungefähr 10 mal darauf hinzuweisen, dass Frechen nicht im Ruhrpott liegt, wurde aber geflissentlich ignoriert. Das erste halbe Hähnchen der Saison musste nun dran glauben, aber ich habe es nicht gegessen. Ich habe mich strikt daran gehalten nur ein Bier zu trinken. Das Gute daran ist: Schon ist ein neues Pre-Match Ritual entstanden, denn wir haben ja gewonnen.
Ein Blick in den Himmel verhiess nix Gutes, es wurde immer dunkler. Und obwohl ich meinte, dass meine Regenjacke im Auto liegen müsste kam ich erst nach dem Spiel durch Knuffi wieder in ihren Besitz, denn im Auto lag sie - unlogischerweise - nicht, da sie trocken das Spiel im Fanladen verbracht hatte, die doofe Jacke. Nun ja, Künstlerpech.
Mit miesem Gefühl ging es nun zum Stadion. Hinzu kam, dass ich heute im Innenraum Platz nehmen musste. Afroh hat ihre Sommerpause noch etwas verlängert, so dass das Knipsen auf mich entfiel. Bei Heimspielen nicht wirklich mein Lieblingsplatz. Auswärts treff ich alle meine Begleiter stundenlang im Bus. Zu Hause treff ich meine Freunde nur im Block. Da es aber noch früh war, ging ich erstmal in den Block zum schnacken.
Kurze Zeit später war ich dann im Innenraum und begann meine übliche Tour einmal um den Platz. Der Verein erlaubt den Fotografen nur noch auf einer Seite vor der Bande Platz zu nehmen. Das war alles noch ein bisschen ungeübt, so dass einige Fotografen ganz schon am Krabbeln waren. Ich weiss jetzt auch, dass die Plätze für Rollis bei St. Pauli nicht gerade angenehm sind. Die stehen da ganz schön gedrängelt. Oder waren das heute mehr als sonst? Ein besserer Platz in einem neuen Stadion wäre mehr als erwünschenswert für diese Gruppe von St. Paulianern.
In der Süd kurz mit einem Bekannten geschnackt, als sich ein älterer Herr dazu gesellt und uns erzählt, dass das ja alles nix werden kann, weil wir ja keinen Ersatztorhüter hätten. Ich fragte, wen er denn meine. Ja, Borger, der könne ja gar nix. Na, da fragte ich ihn, woher er das denn wisse. Ja, der patzt doch immer, von den vier Toren gegen Hertha muss er doch drei halten, bla. Ich kam ja nicht drum herum zu fragen, ob er denn schon mal an der Schanze gewesen sei und Borger habe halten sehen. Da sagt der doch wirklich: „Ich bin jedes Mal da“. Unglaublich. Ich hab den noch nie gesehen, an der Schanze ist es ziemlich übersichtlich und ich steh wegen Amateurverkaufen direkt am Eingang und alle laufen an mir vorbei. Mal ganz davon ab würde ich gerne mal wissen, wie viele Fehler Paddy letzte Saison an der Schanze gemacht hat (ich erinnere einen und da hat er vorher überragend gehalten).
Das nur mal als Beispiel, auf welchem Niveau die Torhüterdiskussion bei unserem Verein nun geführt wird.
Die Mannschaft erschien zum Warmmachen mit einer ganz niedlichen Congster Werbebotschaft, wobei mir immer noch nicht so richtig klar ist, was Congster eigentlich macht. Bieten die einfach nur DSL-Anschlüsse an oder ist da irgendwo noch das Produkt enthalten, was einem wirklich einen Mehrwert gibt? Nebenbei verteilten die auch noch Schlüsselanhänger mit Getränkegutscheinen (Getränk einen Euro billiger, ich denke, dass wird bei St. Paulianern positiv angekommen sein). Wenn das die angekündigten kreativen Aktionen sind, dann sind die zwar nicht gerade kreativ, aber doch „fanfreundlich“.
Vor dem Spiel gab es noch eine Papierschal-Plakataktion von USP, die sehr hübsch anzusehen war und deren Ergebnis auf der Fotoseite zu begutachten ist. Hier hatte ich noch Hoffnung auf einen stimmungsvollen Auftakt, aber was sich dann entwickelte war St. Pauli einfach unwürdig.
Kommen wir erstmal zum Spiel. 35 Minuten spielten unsere Jungs wirklich gut. Engagiert, lauffreudig, spritzig und teilweise auch mit schönen Pässen. Zwar fehlte der Killerpass in die Spitze, aber das liegt vielleicht auch noch an der fehlenden Abstimmung zwischen Takyi, Meggle, Bruns, Stendel und Luz. Immerhin sind drei von denen neu in der Mannschaft und waren in der Vorbereitung auch noch verletzt. Folgerichtig fiel dann auch das 1-0 durch Meggle. Insgesamt eine bis dahin absolut verbesserte Leistung unserer Mannschaft.
Dann segelt eine vollkommen harmlose Flanke in unseren Strafraum. Morena will klären, Bene will es auch. Morena behindert im Endeffekt seinen eigenen Torhüter, der lässt den Ball fallen, der Ball springt durch den Strafraum und drin ist er. So ein Mist. Das Ding muss Bene nun definitiv auf seine Kappe nehmen. Zwar wäre die Nummer von Morena jedem Angreifer als Foul angeschrieben worden, aber einen Ball im Strafraum muss ein Torhüter ohne Rücksicht auf Verluste erreichen. Und wenn da der eigene Mann im Weg steht, dann muss ich den halt umlaufen und den Ball halten. Keine Rücksicht auf Niemanden. Das ist das Rezept im Strafraum. Oder um es anders auszudrücken: Olli Kahn hätte diesen Ball bekommen und Morendabei mindestens eine Rückenprellung oder ein zwei gebrochene Rippen verpasst.
Und anstatt nun konzentriert und motiviert weiterzuspielen war plötzlich ein Bruch im Spiel. Nix ging mehr, alle standen wieder rum, kein Pass kam an. Im Spielaufbau wurden teilweise ganz üble Fehlpässe gespielt. Und als gerade jede Hoffnung verflogen war, gab es Freistoss, dieser segelt in den Strafraum, Meggle hält seine Birne rein und drin war er.
Nur leider gab auch dieses Tor keine Sicherheit für die letzten Minuten. Und so hatte Dortmund noch die Riesenchance auf den Ausgleich. Aber diesmal zeigte Bene, was er kann und kratzte den Ball von der Linie. Klar, die 10.000 Torhüter im Stadion sagten „er ist ja nur angeschossen worden“, aber a. stimmt das nicht und b. muss man sich auch dieses Anschiessen durch entsprechendes Stellungsspiel erarbeiten. Aber auch das zeigt, auf welchem Niveau sich die Torhüterdiskussion bewegt. Gute Paraden sind Glück und jedes Gegentor haltbar. Geht klar!
Kurzer Einschub: Liebe MoPo, es gibt Gründe, warum Herr Hollerieth nicht mehr bei uns spielt. Und dabei sollte es auch aus meiner Sicht bleiben. Sportlicher Natur ist dies nur bedingt. Aber was bringt ein guter Spieler, der nicht zu integrieren ist?
Abpfiff und die gesamte Mannschaft von der Bank stürmte zu Bene. Der Junge scheint zumindest Rückhalt in seiner Truppe zu haben, warum nicht auch bei den Fans?
Sonst hielt sich der Jubel eher in engen Grenzen, eher ratlos stand die Truppe auf dem Feld und liess sich erst spät zu einer Ehrenrunde hinreissen. Ja, das war ein nicht wirklich überzeugender Sieg gegen einen absoluten Abstiegskandidaten, ja, das war keine Leistung, die auf mehr als einen Abstiegskampf hoffen lässt, aber vielleicht war das jetzt der entscheidende Brustlöser. Jetzt einen Punkt in Lübeck (egal wie) und dann hat man freie Bahn, da dann erstmal eine ganze Menge „schlagbare“ Gegner kommen.
Zur Stimmung: Diese war absolut mies. Teilweise einfach einem Publikum am Millerntor unwürdig. Wenn jede Aktion des Torhüters hämisch beklatscht wird, dann finde ich das schon sehr bedenklich und eher beim Lokalrivalen zu vermuten. Wenn dann aber auch beim 1. Heimspiel zur Halbzeit beim Stand von 1-1 (!!!!) lauthals gepfiffen wird, dann kann ich all diesen Leuten nur raten: Geht zum Lokalrivalen, zu Lübeck oder am besten noch weiter weg, aber am Millerntor habt ihr mit dieser Einstellung nichts und zwar gar nichts zu suchen.
Noch viel schlimmer ist, dass die Lage im Stimmungszentrum unter Block 1 nun endlich eskaliert ist. Laut Berichten von mehreren neutralen Beobachtern ist es nun so, dass von oben grundsätzlich nix mehr mitgesungen wird, was von unten kommt und wenn unten oben übernimmt, oben wieder verstummt. Dazu gab es noch Berichte von Fuckfingergesten und Halsabschneidengesten aus Block 1 in Richtung USP. Das kann ich nicht nachprüfen, habe aber jetzt keinen Zweifel, da angelogen zu werden. Unglaublich. Insbesondere da es sich sowohl unten als auch oben um Leute handelt, die aktiv sind, die sich ständig über den Weg laufen und die eigentlich nur mal reden müssten. Schuld haben aber aus meiner Sicht beide Seiten: Unten, weil sie einfach den Rest absolut überfordern. Ich weiss nicht, ob irgendjemand gestern 90 Minuten USP aufgenommen hat, aber bei allem Einsatz vergessen sie eines: Masse ist träge. Oder anders gesagt: Wieviele der gesungenen Lieder sind älter als ein halbes Jahr? Ich behaupte mal vielleicht 20 % der Zeit. Und das überfordert die Leute. Support muss sich langsam entwickeln und viele schöne neue Lieder werden nach kürzester Zeit wieder verworfen (ich denke da nur an „hörst du unsere Kurve singen“). Hier ist Geduld gefragt und die hat dort leider keiner. Und Oben, weil eine komplette Antihaltung an den Tag gelegt wird. Und dies nicht nur oben, sondern auch seitlich. Selbst gemacht wird gar nix mehr, dafür aber fröhlich boykottiert. Ne Leute, so wird das nix. Hier sollten alle mal von ihrem Baumhaus runter kommen und einfach mal entspannter mit allem umgehen.
Noch ein paar Worten zu den Mitreisenden Dortmundern. So schön es ist auch mal bei einer 2. Mannschaft mitreisende Fans zu haben, so erschreckend ist es, was da teilweise für Pack mit war. Im Stadion wurden schon Spieler, die Ecken ausführten übelst bepöbelt und nach dem Spiel gab es auch noch ordentlich Stress mit der Polizei, als wir da vorbei gingen.
Im Fanladen wurde das alles schon einmal angerissen und dann ging es nach Hause und ins Bett, wo ich noch lange brauchte um irgendwie wieder runter zu kommen und heute dementsprec