Norbert regt sich auf vom 23.2.2007

 

über

Humba

oder

Uffta

Geplärre vor dem Geplärre

Rezept für einen gelungenen Donnerstag: Frei; drei Punkte; Sofa; drei Punkte; fünf Stunden Schlaf; drei Punkte; leckeres Mittagessen; drei Punkte. Da stört auch nicht der Untergang unseres Vereines, den die Zeitungen beschwören. Denn das ist alles anders als der geneigte Bildzeitungsleser denkt. Aber siehe später mehr.

Der wird nun reindiskutiert

… ist das schöne Fazit des Users Faxe zu der Frage von gestern abend „Kein Tor oder Tor?“

Dienstag hatte ich zwar das Okay vom meinem Arzt bekommen „vorsichtig voll zu belasten“, aber das klang für mich nicht wie „Machen Sie ihre Auswärtsfahrt mal ohne Krücken“. Insofern hab ich die Krücken eingepackt, auch wenn einzelne Schritte ohne sie ganz gut gehen. Kurz noch bei Globetrottel (Zitat Psycho) ein Dreibein (nein, zum Sitzen, hat nix mit den Dingern zu tun, die die Welt beherrschen) gekauft und schon war man perfekt vorbereitet.

Natürlich war ich so früh wie immer am Busabfahrtplatz, wo sich diesmal jedoch andere Gestalten als sonst eingefunden hatten, waren doch auch schon einige Leute aus dem Ultrabus anwesend. Eine ganze Zeit Geschnacke später waren die Busse anwesend und man verteilte sich auf diese. Meinereiner im Nichtraucherbus, zu dem mich mein langjähriger Mitfahrer kurzfristig überredet hatte. Zwar mussten so gewisse Damen alleine gelassen werden, aber die befanden sich in bester chaotikischer Begleitung.

Selbst die hinter mir sitzende Rotkutte konnte die Tour nicht mehr stören, es war ein absolut perfekter Bus. Eineinhalb kleinere Ausfälle, aber sonst 23 Mitfahrer, die absolut nicht störten, eine perfekte Reisebegleitung (Stefan) und ein netter Busfahrer (Achim) komplettierten eine perfekte Tour.

In Hollenstedt nicht mal eine Pinkelpause gemacht, sondern wirklich nur Moritz eingeworfen und dann sind wir ohne Witz bis hinter Bremen gekommen ohne Pinkelpause. Das ist schon ein Novum. In der Zwischenzeit vertrieben wir uns vorne die Zeit mit der Frage, wie man Busse für Minderheiten machen könnte. Nichtraucherbus? Kein Problem. Frauenbus? Kamen wir auch schnell drauf, aber das wurde dann immer schlimmer, etwa schwule Nichtraucher, die Mitglied bei USP sind-Bus. Ihr merkt: Es regierte der gepflegte Schwachsinn.

Sonst kamen wir ohne nennenswerte Vorkommnisse in Dortmund an, wurden von der Polizei noch 100 mal auf andere Parkplätze gewiesen und durften dann unserer Wege gehen. War sowieso erstaunlich: Natürlich waren morgens wieder unsere Zivis an den Busabfahrtplätzen, haben durchgezählt und wurden freundlich bewunken. Und als wir in Dortmund ankommen, da stehen wir vor dem Busparkplatz und der Ordner guckt auf unser Kennzeichen, wiederholt es laut und schickt uns woanders hin. Sprich: Unsere Zivis hatten brav unser Kennzeichen durchgegeben, so dass wir nun bei der Polizei stehen durften. Die Polizei machte erst Andeutungen eines Kessels (so mit Pferden auf dem Weg), liess das ganze dann aber sein, wobei mir nicht klar ist, ob dies auch passiert wäre, wenn wir die „Problemfans/Ultras“ (das ist jetzt nicht meine Bezeichnung, sondern die Bezeichnung der Polizei aus Osnabrück) gewesen wären. Wahrscheinlich muss man die Busse bald mal mehr durchmischen. In jeden Bus 15 Ultras, 15 Kutten und 15 Normalos. Dann verzichtet alles auf seine typische Uniformierung und die Polizei dreht komplett am Rad. Okay, Zukunftsmusik. Mit meinem treuen Begleiter umrundete ich das Stadion, um auf meine Fotokarte zu warten. Dortmunder waren noch nicht anwesend, ausser dem beinah schon typischen „ich guck mal böse in die Runde und hab eine Militärjacke an“- Jugendlichen. So stellte man sich erstmal unter und harrte der Dinge, die da kommen mögen. Irgendwann machte sich Moritz auf den Weg und ich wartete weiter auf meine Fotokarte, die nämlich mit unserem Pressemenschen kommen sollte.

Der hatte aber noch zu tun und so ganz einfach war das wohl auch nicht an die Dame ranzukommen, die diese Karten hat (da hatten einige Leute Probleme, Griska Schulz (so hieß die Dame) zu finden). Daher stand ich da nun und hatte Zeit für folgende Beobachtungen: 1. der Ticker war mal wieder fest in millerntoristischer Hand. 2. Die AFM lässt sich für keinen Preis der Welt kutschieren 3. Die Hamburger Journalisten kommen zusammen mit einem Auto. Nun wird letzteres ihre Redaktionen freuen, denn es spart Geld, aber man sollte auch mal – als fieser Verschwörungstheoretiker – überlegen, was für Absprachen dabei möglich sind. So nach dem Prinzip „Ihr bringt jetzt die Story und wir die Story“ oder unterhalten die sich fünf Stunden lang über das Wetter?

Wetter ist nebenbei ein gutes Stichwort. Es regnete gar heftig, und wer mir erzählen will, dass am Tag der Absage der Platz schlechter war als heute, der will mir auch erzählen, dass Saddam Massenvernichtungswaffen hatte und sich täglich um fünf Uhr mit Osama zum Tee getroffen hat. Und ich untertreibe noch, was die Lüge zu der Absage beinhaltet. Aber wie heisst es immer so schön? Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort, fussballerische nach 90 Minuten.

Sehr schön auch ein Gespräch der Ordner, die da mit mir rumstanden. „Samstag 10 Uhr treffen, wir müssen den Zaun wieder abbauen“. „Aber da kommt doch Kiel?“ „Ja, aber keine Fantrennung, die kommen mit 30 Leuten“. Noch Fragen?

Nun da kam dann meine Karte und so konnte ich meiner Berufung nachgehen. (Nebenbei gibt es das Ergebnis jetzt in epischer Breite nicht nur hier sehen, sondern auch die offizielle Homepage fcstpauli.de hat nun eine wirklich hübsch gestaltete Bildergalerie. Nur zum Empfehlen ;-)) Hurra, es gab endlich mal wieder formschöne Leibchen und einen Pfand musste ich auch lange für das Leibchen nicht mehr abgeben (als würde man das klauen). In der Stadiongaststätte erstmal den Ticker und die AFM getroffen und ein Wasser geordert. Da ich immer noch etwas gehbehindert war, gab ich das Geld über Phil an den Tresen, nur um das Wechselgeld nicht etwa in die ausgestreckte Hand zu bekommen, nein, er legte es – für mich offensichtlich nicht erreichbar – auf den Tresen. Das ist anscheinend Dortmunder Herzlichkeit.

Gerade als ich den Innenraum betreten hatte, rockte es auch schon im Gästeblock. Die Ordner waren in den Block gestürmt, da ein Transparent einen Fluchtweg angeblich blockierte (wohlgemerkt ein Fluchtweg, wo unter dem Transparent niemand stand und nach unten sowieso eine Sackgasse war aufgrund eines provisorischen Zaunes). Nun ist das ja alles noch im Rahmen, aber das „wie“ war schon aus einer gewissen Entfernung nur krass. Die sind da echt reingesprungen wie die Irren. So kam es zur etwas ungewöhnlichen Situation, dass die Polizei sich dazwischen stellte und so Fussballfans vor Ordnern schütze. Waren die meisten Ordner korrekt, so fiel vor dem Gästeblock eben ein Typ mit Thor Steinar-Jacke auf. Und der war eben dann auch einer von denen, die da sofort reinsprangen. Noch Fragen?

So ist nebenbei das kuriose Foto mit den Polizisten als Vorsänger entstanden.

Das Stadion atmet nebenbei nur so die Tradition. Noch mit Stadiongaststätte und allem drum und dran. Die sanitären Bereiche aber aind frisch renoviert und auch sonst alles gut im Schuß. Da hat irgendjemand wirklich auf die alte Spielstätte aufgepasst. Zur „Fantrennung“ wurde ein provisorischer Zaun eingebaut, so dass sich St. Pauli auf der Gegengrade ausbreiten konnte. Ansonsten statt niemand freiwillig, da das Wetter doch entsprechend war. Leider hat der Ground eine Laufbahn, aber auch das tut der Schönheit aus meiner Sicht keinen Abbruch. Sehr lustig nebenbei auch die Fantrennung auf der Haupttribüne, da war mit Flatterband ein Bereich gesperrt, links davon St. Pauli, rechts davon Bvb.

Zum Spiel: Ganz übler Kick, aber mein Lebensmotto ist „Win ugly“. Schöner Fussball gewinnt einem gar nix. Wenn man aufsteigen will, dann muß man auch mal eine solch verbissene Regenschlacht aus dem Feuer holen. Und Siege schmecken umso süsser, wenn man mal ein zweifelhaftes Tor gegeben bekommt und einen nicht zweifelhaften Elfer gegen sich nicht gepfiffen bekommt. Das ist Fussball mit Emotionen und Action. Herausragend war Borger, der einige Bälle wirklich klasse entschärfte. Sonst war alles sehr von Kampf geprägt und spielerisch lief gar nix. Aus einer geschlossenen Mannschaftsleistung muss ich negativ jedoch Scharping herausheben. Das war gar nix. Er wirkte komplett lustlos und einfach träge. So ist er keine Bereicherung für die Truppe. Wäre Arifi nach 45 Minuten ausgewechselt worden, dann hätte ich das gleiche geschrieben, aber er steigerte sich doch etwas und war in der 2. Halbzeit einer der besseren. Sako bekam auch seine Grenzen aufgezeigt, auch wenn er echt eine Joker-Waffe ist, man sieht immer die Verzweiflung in den Gesichtern der Abwehrspieler.

Wer mir nach seiner Einwechselung gut gefallen hat ist Stendel, der sich wirklich viel bewegte und echt eine Belebung war. Gut gefallen hat mir auch, dass die Mannschaft in den letzten Minuten wieder stärker wurde, was endlich für eine gute Kondition spricht.

Und war er nun drin? Ich kann es euch nicht sagen. Auch auf den Bildern ist das absolut nicht zu erkennen. Und da vertrauen wir mal dem Linienrichter, der wird es schon wissen. :-). Deutlich klarer war da schon das Handspiel von Lechner in der 2. Halbzeit, was wahrscheinlich jeder gesehen hat, nur nicht der Schiri. Egal. Gewonnen ist gewonnen. Und einen eventuell fälligen Elfer hätte Paddy sowieso von der Linie geholt.

Stimmung? USP forderte die Leute auf, sich verstärkt in die Mitte zu stellen, was diese auch taten (wobei dann einige rumhupten, dass trotzdem die Fahne geschwenkt wurde, Leute, wenn ihr solchen Anweisungen folgt, dann ist das die zwingende Konsequenz. Dann folgt dieser Anweisung erst gar nicht). Sonst merkte man wieder folgendes: Es war Winterpause und damit war mal wieder ein zu 100 % neues Liedgut am Start. Wie hier schon häufig geschrieben: Komplette Überforderung aller Leute, die nicht UltraS leben (Achtung, kleiner Insider aus unserem Bus). Die Halbwertzeit der Lieder ist einfach zu kurz. Und so werden sich die vielen schönen Erfindungen, die aus USP Reihen kommen, wahrscheinlich nie durchsetzen, auch nicht in der neuen Süd. Bei vielen Liedern echt schade. So machte eigentlich auch immer nur ca. 30 % des Blocks bei den Gesängen mit, während der Rest rumstand und nur bei gelegentlichen Klassikern eingriff (sprich eigentlich zum Gesang bereit war). Auf Dortmunder Seite regierte der UltraS ( ;-)) Pöbel, der wirklich mal ein paar andere Lieder als der normale deutsche UltraS (;-)) kennt. „Scheiss St. Pauli“ wird auch beim 1000Millionsten singen nicht mehr kreativ (immerhin wurden auf unsere Seite vereinzelte „Schalke“-Rufe ignoriert), dafür war das „Endlich mal duschen, jetzt könnt ihr endlich mal duschen“ während eines Regengusses ja schon ein echtes Highlight auf der nach unten offenen Geschmacksskala.

Nach dem Spiel begann der lange Marsch zurück zum Bus. Und erneut etwas Erstaunliches: verständige Polizisten, die nicht nur brutal auf ihrem Standpunkt beharren. Zwar wurde der Weg zum Bus abgesperrt, aber als ich sagte, dass ich zu St. Pauli gehörte und gerne zu meinem Bus wollte, da wurde mir a. geglaubt und b. ich wurde wirklich durchgelassen. Unglaublich! Lag es an meinen Krücken? Oder waren die wirklich mal verständig?

So konnte das ganze Westvolk noch begrüsst werden und an den Bussen entwickelte sich eine kurze Freudesfeier, bevor es auf die lange Rückfahrt ging. Diese verlief vollkommen entspannt. Wir vorne diskutierten, was eigentlich eine Humba und was eine Uffta ist und von hinten kam (ACHTUNG!) der Wunsch, doch bitte die Musik leiser zu machen, man wolle schlafen. Unglaublich, dass ich das noch erleben durfte...

Sonst lieferte sich der andere Bus hinter uns noch ein ziemlich langes Wettrennen mit dem Mannschaftsbus und ließ dafür selbst eine Pinkelpause (!!!) spontan ausfallen. Daraufhin wurde erstmal das Klo bei denen 20 Minuten gesperrt, was aber auch niemanden störte. Bekommen haben sie ihn trotzdem nicht und kurze Zeit später brausten die Spieler auch an uns vorbei. Da merkt man, wie schnell 3 Punkte machen. Aufgrund der Innenbeleuchtung konnte man in den Bus sehen und was machen Spieler so, wenn sie da rumsitzen? Irgendwie fernsehen gucken oder Kartenspielen. Letzteres ist anscheinend in Fussballkader eingebaut. Hinten müssen immer irgendwelche Leute Karten spielen.

In Hollenstedt noch kurz meinen Mitfahrer vor die Tür gesetzt, am Hauptbahnhof festgestellt, dass irgendwann in der Nacht in der Woche a. der Hauptbahnhof ein verdammt unwirtlicher Ort ist und b. keine Bahn fährt. Kurios dabei nur die genau sieben Personen, die auf meinem Weg zum Taxistand getroffen habe. Mutter mit Kind und Koffern, die anscheinend auf der Durchreise waren (und das obwohl kein Zug ein- oder ausfuhr, kein Plan wo die herkamen) und ein junges Pärchen, welches keinen besseren Platz zum knutschen gefunden hatte als den Eingang zur Wandelhalle. Da kann ich mir bequemere Plätze vorstellen.

Noch kurz die Bilder weitergeleitet und dann hatte mich mein Bett wieder.

Huhn oder Ei?

Leider führt unsere Siegesserie (immerhin 10 Punkte aus den letzten vier Spielen) nicht dazu, dass man in der Führungsetage dieses Vereines die Nerven behält. Das Match der letzten Wochen heisst Sonnenkönig vs. Inkompetente Bauverhinderer. Was ist aber nun die wirkliche Faktenlage hinter diesem Streit und who’s to blame?

Die Fakten!

Fakt ist, wir haben eine auslaufende Präsidentschaft und keinen neuen Kandidaten. Das ist definitiv ein Fehler des Aufsichtsrates, denn der ist für diese Tätigkeit zuständig (es ist selbst eine seiner wichtigsten) und er hat es nicht geschafft, pünktlich zum 28.02. einen neuen/alten Kandidaten zu benennen. Ob er vielleicht mildernde Umstände geltend machen kann, sei mal jetzt hier dahin gestellt, denn wir sammeln ja erstmal Fakten.

Fakt ist auch, dass wir einen Präsidenten haben, der für eine weitere Amtszeit inklusive Team zur Verfügung stehen würde und gerne weiter machen würde.

Soweit die Ausgangslage. Nun wird die Faktenlage schwieriger bis teilweise undurchschaubar.

Fakt ist, dass der Präsident viel Scheisse gebaut hat (Wegnahme der Abteilungsgelder, gebrochene Versprechen gegenüber den Abteilungen, Verleugnung der Fans, fehlende Solidarität mit dem Fanladen), der aber auch die Entschuldung (wenn auch mit Glück, aber das hat bekanntlich nur der tüchtige) begonnen hat und den Stadionneubau begonnen hat.

Die Fakten?

Und hier nun beginnt die Faktenlage dünn zu werden, da es unterschiedliche Wahrnehmungen und wahrscheinlich auch unterschiedliche Wahrheiten gibt (ja, so etwas gibt es. Außer Gott (und der ist laut Nitsche bekanntlich tot bzw. hat sich laut den Einstürzenden Neubauten erschossen und selbst wenn er noch lebt, ist er eben gerade nicht da) ist niemand im Besitz der heilbringenden gesamten Wahrheit (wenn sich diese Erkenntnis nebenbei in der Welt durchsetzen würde, dann wäre sie ein verdammt guter Platz zum drauf leben)). Daher – um diesen zugegebenermaßen wirren Teil abzuschliessen - Hinweis vorweg: Es folgt die Faktenlage, wie ich sie sehe. Ob das auch wirklich Fakt ist, steht auf einem anderen Blatt.

Wir haben die Südkurve abgerissen (Dies ist übrigens ein Fakt den ICH wiederum nicht der Lage, wie Du sie siehst, zuordnen würde, sondern der einzig wahren Wahrheit… die Redakteurin). Fakt ist auch, wir hatten zu diesem Zeitpunkt folgende Verträge nicht abgeschlossen: Nutzungsvertrag mit der Stadt, Cateringvertrag, Holstenvertrag (ich nenn den jetzt mal vereinfacht so), Bankvertrag und auch keinen Generalunternehmervertrag. (Zumindest ist davon nix öffentlich verkündet worden und was nicht verkündet wird, existiert nicht, denn sonst wird jeder Kleinstsponsor fröhlich verkündet). Fakt ist, dass wir uns mit dem Abriss der Südtribüne und dem gleichzeitigen Beginn des Verkaufs von VIP-Plätzen (müssen die eigentlich sofort bezahlt werden?) unter einen absolut zeitlichen Druck gesetzt haben. Fakt ist, dass eine solche Situation natürlich super günstig für die potentiellen Vertragspartner ist. Aus einer Drucksituation verhandelt es sich immer schlecht. Sprich: Die hatten alle Gelegenheit sich zurückzulehnen und zu sagen „ich will da und da bessere Konditionen, und viel Zeit zu verhandeln habt ihr nicht“. Wenn man bedenkt, dass unser ganzer Zeitplan sowieso schon sehr eng gesteckt ist, dann konnten die sich sehr weit zurücklehnen. Ob die Stadt und Carlsberg diese Möglichkeit genutzt haben, entzieht sich meiner Kenntnis, ob dies eventuell auch der Grund für den Rückzug der Banken ist, entzieht sich auch meiner Kenntnis (wenn es denn diese Banken überhaupt gegeben hat).

Who’s to blame? Teil 1

Und hier stellt sich zum ersten mal die Frage: Who’s to blame? Und da – sorry liebe Littmannjünger – kann man nur mit einem langen Finger auf das Präsidium zeigen. Denn dass die Verträge ausgehandelt sind und beim Aufsichtsrat versackt sind, wird von niemanden (nicht mal von Littmann) behauptet. Das ist ein eklatanter Fehler im operativen Geschäft und der ist primär dem Präsidium anzuhängen. Das ist blind, blöd und blauäugig. Leider – und das sei hier auch mal gesagt – hat dort auch die Kontrollinstanz versagt, weil sie nicht „Stop“ gerufen hat und den Abriss verhindert hat. Selbst wenn wir erst nach dem Lübeckspiel (und das hätte ja bei einer Abrisszeit von ca. 10 Tagen locker gereicht) begonnen hätten, hätten wir nun ca. 20.000 Euro mehr in der Kasse.

Märchen oder Wahrheit?

Und nun kommen wir ins spekulieren. Aufsichtsrat wurde Ende Oktober gewählt. Aufsichtsrat musste sich erstmal finden -„Hallo, ich bin der Holger“-, dann konnte die Arbeit losgehen. Sagen wir mal, da war es Mitte November. Dann hatte man ein paar Dinger aufzuarbeiten (Bergmann Entlassung, Neuverpflichtung, neuer Trainer etc.) und dann kam man zum neuen Präsidenten. Jetzt mal ganz hypothetisch gesprochen: Ich sag mal, der AR ist nicht gerade mit Jüngern des Littmanns durchsetzt (keine Ahnung, daher noch mal ausdrücklich: diese und alles folgenden sind Arbeitshypothesen!), ich sag mal, dass die wiedergewählten Mitglieder aufgrund der ständigen Satzungsverstösse doch deutlich genervt waren. Ich behaupte mal, als man zum Thema neuer Präsident kam, sagte man sich folgendes: „Okay, Freunde werden wir nicht mehr, aber er hat ja mit dem Stadionbau eine grosse Idee umgesetzt, lass uns ihn wiederwählen“. Ich sag mal, daraufhin nickten alle. Dann sagte ein kritischer (und vielleicht vorsichtiger Geist) „Jungs, gute Idee, aber wir haben hier noch nicht einen Vertrag über das neue Stadion, wollen wir nicht lieber eine Arbeitsagenda unserem Präsidenten geben und wenn die abgearbeitet ist, dann nominieren wir ihn mit Kusshand?“ Wieder freudiges Nicken, man machte eine Agenda, schrieb viel drauf, gab sie dem Präsidium und war zufrieden.

Bis hierhin vollkommen okay, oder? (wie schon gesagt, rein fiktiv, aber ich denke, so oder so ähnlich könnte es abgelaufen sein). Nun kennen wir den Inhalt dieser Agenda nicht, aber wir können ihn uns vorstellen. Da wird ungefähr folgendes drinstehen: 1. Regelung Privatdarlehen (soweit klar, hat Littmann ja selber gesagt) 2. Generalunternehmervertrag, Baugenehmigung, Holstenvertrag, Catervertrag, Bankfinanzierung 3. Versprechen, nie wieder Satzungsverstöße zu begehen (ist natürlich erneut absolute Spekulation). Wenn dem so ist, dann finde ich das a. komplett okay und b. sollte kein Präsident der Welt damit ein Problem haben, sollte kein Präsident der Welt sich angegriffen fühlen und sollte kein Präsident der Welt zur Presse gehen und die beleidigte Leberwurst spielen. Ob da noch mehr drin steht? Ebenso keine Ahnung, aber dann wäre es ja kein Problem für Littmann, loszugehen und zu sagen „Ich habe die Punkte 1. bis 3. - okay, aber die wollen auch noch 4. bis 10. und das ist zuviel.“ Oder er hat 1. bis 3. erfüllt und nun sperrt sich der AR? Genauso kein Problem, dies deutlich zu sagen. Ein berechtigter Sturm der Entrüstung wäre die Folge. Aber davon lese ich in der Presse nix (da lohnt es sich doch mal zwischen den Zeilen zu lesen).

Who’s to blame? Teil 2

Nun die Frage an euch: Ist diese fiktive Agenda zu viel? Ist das „Eitelkeit des ARs“? Ist das „Inkompetenz des ARs“? Sind das Leute, welche die Interessen der Mitglieder, des Vereines ignorieren und aufgrund von Machtgeilheit das grosse Ganze gefährden? Antwort mag jeder selber finden. Ich werte das hier bewusst nicht (und nehme damit natürlich eine Wertung vor, da die Fragen natürlich rhetorischer Art sind. Dann aber anders gefragt: Wo ist mein Denkfehler?).

Who’s to blame? Auch die Mitglieder. Denn dieser Konflikt (skeptischer Aufsichtsrat gegen Littmann) war offen erkennbar und dass der Aufsichtsrat nicht alles so abnickt und Littmann ohne eine Vorbedingung erneut kandidieren lässt, sollte jedem aufmerksamen Zuhörer auf den JHVs klar gewesen sein. Hinzu kommt einfach, dass er seinen Vertrauensvorschuss einfach mit den oben benannten Satzungsverstössen und Informationsdefiziten aufgebraucht hatte. Wenn nun beide beklatscht werden, der AR entspannt wiedergewählt wird, während nicht einmal diese Frage erörtert wird, dann ist die Mitgliedschaft selber schuld, wenn sie sich nun – hypothetisch, denn bisher sind die Mitglieder ja nicht gefragt worden – nicht mehr vertreten fühlt. Spätestens dem aufmerksamen Leser des JHV-NRSA (und soviel Eigenlob sei erlaubt) hätte dieser Konflikt auffallen müssen.

Und nun?

Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen. Und zu Recht weist Markus Schulz (der gleich noch einen Extraabsatz bekommt) darauf hin, dass fehlende Kontinuität zu Problemen führt und das nun deswegen Banken abspringen. Aber: Soll deswegen nun der AR all seine Ideen über den Haufen werfen und Littmann plus Team neu nominieren? Dann – um es ganz klar zu sagen – können wir den Aufsichtsrat auch wieder aus der Satzung streichen und den jeweiligen Präsidenten komplett unkontrolliert lassen.

Nochwas: Littmann ist kein guter Taktiker. Viele Präsidenten versuchen Kandidaten in den Aufsichtsrat zu bekommen, die ihn gewogen sind, und machen offenen Wahlkampf. Dies hat Littmann nicht gemacht. Auf den ersten Blick clever, da das natürlich nach hinten losgegangen wäre, auf den zweiten Blick unclever, denn er hätte nun in seiner Pressearbeit folgenden Killer einbauen können „Mit meinen Leuten im AR wäre das nicht passiert“.

Kommen wir zu Markus Schulz. Der hat in diesem Verein immer noch einen ungehörigen Vertrauensvorschuss und würde wahrscheinlich mit 99,9 % der Stimmen zum Präsidenten gewählt, wenn er denn antreten würde. Eigentlich komisch, denn er gehört zum System Littmann, hat sich mehrfach solidarisch bekundet und viele der Eigenartigkeiten des System Littmanns (Abteilungsgelder, fehlende Verträge) gehören in sein Arbeitsgebiet. Diese Lösung ist aber sowieso verbaut, denn er hat ja schon erklärt, dass er nur mit Littmann weiter machen wolle.

Mein Vater meinte heute, naja Littmann müsse ja recht haben, denn wenn es konkrete Vorwürfe gebe, dann könne man damit ja an die Presse. So z.B. wird ja von Schulz behauptet, dass er nicht wisse, was der AR wolle, während der AR sagt, dass sei mehrfach mitgeteilt worden. Es ist wahrscheinlich schon sehr ehrenwert alles intern klären zu wollen, aber in einer Mitgliederdemokratie muss man wohl irgendwann auch öffentlich werden. Auch wenn es dann wie eine Schlammschlacht aussieht. Dies ist hier nicht passiert, was auch dazu führt, dass die anscheinende öffentliche Meinung pro Littmann ist. Aus meiner Sicht ein schwerer taktischer Fehler des AR.

Heute kommt noch eine Erklärung des Präsidiums, die mir jetzt noch nicht bekannt ist, die aber direkt nach dem folgenden Doppelpunkt diskutiert wird. Etwas ändern wird sie an dem oben gesagten nicht.

Doppelpunkt

Nun ja, jetzt sind sie zurückgetreten, ein nicht ganz unerwarteter Schritt. Fakt ist: Damit können wir uns den Neubau in die Haare schmieren. Gewöhnt euch an die fehlende Süd. Ich gebe der Verwirklichung der Stadionpläne hiermit nur noch eine Chance von 1 %. Daran ändert auch das gönnerhafte Statement von Littmann, dass er St. Pauli nicht im Regen stehen lassen wird nix. Denn auch bisher stehen wir ja elegant im Regen (siehe oben).

Ob das die Zukunft des Vereines gefährdet, wage ich zu bezweifeln, denn es gilt immer noch „Präsidenten kommen, Aufsichtsräte gehen, nur St. Pauli bleibt bestehen.“ Ob wir jedoch nächstes Jahr Profifussball am Millerntor erleben, das wage ich zur Zeit nicht zu sagen. Gewisse Chancen, dass dem nicht so ist, bestehen schon. Zeit endlich die Kreisklasse zu rocken? Wir werden es sehen.

Natürlich bietet dieser Schritt auch die Möglichkeit des Neuanfanges, denn die meisten Kandidaten werden erst bereit sein, wenn der Amtsinhaber weg ist. Aber ob das die Stadionpläne rettet? Ich wage es zu bezweifeln.

Weitere Gedanken dann im Arminia Hannover Bericht, dann hab ich drüber geschlafen. Dorthin nebenbei eine