Norbert regt sich auf vom 23.4.2007

 

über

Nothahn

oder

Auswärtssiegen ist schön

Vorwort

„Wenn an diesem Wochenende noch verkündet worden wäre, dass alle Verträge für den Stadionbau unterschrieben worden sind und Montag angefangen wird zu bauen, dann hätte mich jemand kneifen müssen, weil ich gedacht hätte, ich träume.“ Das ist jetzt kein wörtliches Zitat, aber sinngemäss hat das jemand ins Forum geschrieben, und dem ist nach diesem Wochenende nichts mehr hinzufügen. Sehr gut auch die Idee einer treuen Leserin, die mir bereits in Gladbach den Vorschlag machte, doch die Kolumne in „Norbert dreht durch“ umzubenennen, denn es gäbe ja nix zum Aufregen. Soweit wollen wir denn doch noch nicht gehen, denn ich alter Nörgler finde immer ein Haar in der Suppe. Und wenn es noch so klein ist. Normalerweise habe ich nebenbei immer Probleme, für diese Kolumne passende Überschriften zu finden. Diesmal habe ich beinah schon zu viele, denn es war auch ein Wochenende der Sprüche und des flachen Humors.

Ratterdazong oder „Guck mal, so sieht ein Bagger aus“

Gladbach war das erste Spiel, das zwei von Stadionverboten betroffene Leute wieder im Stadion erleben sollten. Deren Stadionverbot war nämlich ein Tag nach dem Kiel Spiel zur Bewährung ausgesetzt worden. Sie hatten das Verbot icht ganz zu Unrecht, da sie aus richtigen Motiven das (gesetzlich) Verbotene getan hatten, aber nun haben sie ihre Strafe abgesessen, und das galt es irgendwie zu feiern. Der mir mehr Bekannte der beiden war zu eigentlich jedem Spiel mitgefahren und hatte diese Spiele dann vor den Stadien sitzend verbracht. Teilweise von einem persönlichen Einsatzzug bewacht. So kam schnell die Idee auf, ihm doch seine erste „wirkliche“ Auswärtsfahrt zu bezahlen. Es wurde in den Reihen des FC 42 beim letzten Heimspiel gesammelt und dank grosszügiger Spenden war die erforderliche Summe schnell zusammen.

Der zweite wurde nebenbei mit einem Shirt unseres Ersatztorhüters begrüsst, so dass beide irgendwie ihre freudige Überraschung hatten. Und dass der Tag unvergesslich blieb hatte noch viele andere Gründe.

Morgens um 5:50 hatte sich wieder die übliche Meute der Zufrühkommer versammelt und wartete auf die Busse. Ich diesmal im Nichtraucherbus, da Moritz, der alte militante Nichtraucher, unbedingt in diesen wollte. Bevor die Busse aber eintrafen begann schon der Tag der Sprüche. Erstmal Heiko als „Schatz“ begrüsst, dann festgestellt, dass Stefan daneben steht und ihn als „Schatzi“ begrüsst. Kurze Zeit später begrüsste ihn auch noch jemand als „Steffi“, so dass unser Reiseleiter heute „Steffi Schatz(i)“ war. Da trafen die ersten beiden kurzhaarigen Freunde ein. „Wo sind denn die anderen?“ „Keine Ahnung. Ich bin Deutscher, ich bin pünktlich.“ (man bog sich vor Lachen)

Der Nichtraucherbus erwies sich als Ü 30-Bus mit starkem Veteranenanteil, einer Priese Bolzinferno und einem Ultra mit Fahne. Das ist ungefähr die perfekte Kombination für eine super entspannte Fahrt. Nur der Frauenanteil im Nichtraucherbus war etwas dürftig, da sassen gerade mal zwei Damen drin.

Der nette 32er Bus hat vorne einen Nothebel, gekennzeichnet mit „Nothahn“, und was macht unser Busbetreuer? „Also wenn du dein Essensritual von zu Hause auch mal auf eine Auswärtsfahrt ausdehnen willst: Da gibt es einen Nothahn.“ Autsch.

Es ging fröhlich in Richtung Gladbach, ohne grosse Pinkelpausen und mit einem super disziplinierten Bus. Selbst als die Leute mal auf Klo mussten und es ein bisschen bis zur Pause dauerte wurde nicht die Bustoilette belagert, sondern brav und mit zusammengekniffenen Beinen gewartet, bis man einen Parkplatz gefunden hatte. Absolut vorbildlich.

Schnell hatten wir das Rheinland erreicht und waren mal wieder auf der Suche nach einer Pinkelpause, als wir bei Düsseldorf eine Rheinbrücke überquerten. Alles musste mal, eine Raste war nicht in Sicht und so kam man auf die Idee, doch auf der Brücke zu halten und dann runter zu pinkeln. Sozusagen R(h)einschiffen. Danach wollte man dann Ruhrschiffen, Elbschiffen, Donauschiffen etc. (haben wir natürlich nicht gemacht)

Die Musikauswahl war nebenbei vollkommen gewöhnungsbedürftig, da ein Veteran mit Kassetten glänzte, die Eurodance-Musik und andere Grausamkeiten der 80 und 90er Jahre enthielten. Da waren echte Hammer bei...

Auf der letzte Halte gab es dann von der gleichen Person noch Eierlikör, weil „war Ostern, da muss man eine Eierlikörfahrt machen“. Teufelszeug, vor allem als man daraus noch Eipirina als Cocktail machen wollte.

Das Gladbacher Stadion liegt von der Autobahn gut erreichbar, sieht von weitem wie eine riesige Spinne mit ungefähr 100 Beinen aus und liegt in einem langweiligen Industriegebiet. Gegenüber eine Kaserne der Briten und ansonsten weit und breit gar nix. Alles auch noch sehr steril, und natürlich ist die Bushaltestelle für die Auswärtsbusse mit Zäunen umgrenzt und komplett abschliessbar, damit theoretisch die bösen Fussballfans nirgendwo hin können. Erstaunlicherweise blieben diese Vorrichtungen aber alle von vornherein für uns geschlossen und selbst unsere „Mit der Jacke sprechenden“ waren zu Hause geblieben, bzw. lungerten nicht vor unseren Bussen rum.

Das Stadion an sich finde ich ziemlich schön. Aus nackten Steinen gemauert, die nicht verputzt sind, wirkt es von aussen wie von innen wie ein „Stadion“ und eben nicht wie eine „Arena“. Aus meiner Sicht eines der schönsten neugebauten Stadien. Ich machte mich erstmal auf die Suche nach der Fotokarte, die schnell gefunden war, auch dank erstklassiger Organisation und sehr freundlichen Ordnern. Das hab ich auch im Pressebereich schon ganz anders erlebt. Das ist wahrscheinlich der Unterschied zwischen 1. und 3. Liga.

Danach bin ich noch ein bisschen zum Labern vor den Gästeblock gegangen, und was sich da abspielte war absolut nicht schön. Als wir ankamen lungerten da Tommy Molotow-look-a-likes rum und asselten vor sich hin (bevor das als Beleidigung gegen unseren geliebten Tommy aufgefasst wird. Es ist das reine Aussehen gemeint. Nicht die Intelligenz und die Mentalität). Nix gegen Punkrock, aber wenn die Idee dahinter ist, nur noch assozial zu sein, dann ist das irgendwie nicht meine Welt. Unsere Busbesatzung meinte bei diesem Anblick nur „Stefan, können wir nicht gleich zurück fahren?“ Ich frage mich auch, warum ich zu einem Fussballspiel fahre, wenn ich bereits weit vor Anpfiff lattenstramm bin und ich sowieso weder ein Lied noch einen Spieler der Mannschaft kenne, die ich angeblich unterstütze. Im Block soll es auch ziemlich assig zugegangen sein. So mit Schubsen und Pfandbecher klauen und allem. Mehr als peinlich ist so ein Verhalten.

Ausgeglichen wird dieses dann durch die vielen netten Südler, die sich zu einem solchen Spiel einfinden. Sei es nun unser ausgewanderter Franke, sei es der PauPi und Frau oder „die Beschreibung, in welcher Phase sich unser Stadion zur Zeit befindet“. So konnte die Zeit bis zum Anpfiff noch mit nettem Gerede verbracht werden. Nur eine Mitreisende aus Hamburg fand das alles irgendwie zum Kotzen und verzog sich erstmal aufs Klo. (Nach dem Spiel wurde sie scherzhaft nach ihrem Fazit gefragt, ob sie denn heute alles zum Kotzen fände.)

Im Presseraum gab es dann warmes Büffet. Das Gulasch war „Weltklasse“, wie unser Pressesprecher/Teambetreuer zu Recht anmerkte. Auch hier sieht man den Unterschied zwischen 1. und 3. Liga. So etwas gibt es bei keinem klassischen Drittligisten geboten. Ebenso hängen diese blöden Fotografenleibchen bei keinem Drittligisten auf einem Bügel. Hier schon.

Zum Spiel: Wenn wir mal die 20 Minuten nach dem Anschlusstreffer heraus nehmen war es ein perfektes Spiel. 70 Minuten spielte unsere Truppe hochüberlegen und abgeklärt gegen einen absolut schwachen Gegner. Klar sind die kein Gladbacher keine Messlatte, und wenn man aufsteigen will, dann muss man bei denen gewinnen. Aber guckt mal, wem die alles in letzter Zeit Punkte abgenommen haben. Man kann auch gegen einen solchen Gegner Punkte lassen.

Wasser in den Wein schenken die 20 Minuten zwischen Elfmeter und 3-1. In dieser Zeit schwamm unsere Mannschaft sehr und hätte sich in dieser Phase über einen Ausgleich nicht beschweren dürfen. Insbesondere unsere Innenverteidigung wirkte da mehrfach unsicher.

Ansonsten spielte Schultz überragend. Auch Jerry spielte in seinem Debüt sehr ansprechend und wird garantiert noch seine Chancen in der 1. Mannschaft bekommen. Es ist schon etwas gemeines Schicksal, dass Rothenbach bis zu diesem Spiel der einzige Dauerbrenner war und sich dann prompt nach einer MoPo Geschichte über diesen Fakt im Abschlusstraining verletzte. Er ging eher etwas traurig durch den Kabinengang.

Wir hätten auch noch höher gewinnen können, aber ein 5-1 ist schon absolut grossartig. So haben wir nämlich auch plötzlich das zweitbeste Torverhältnis in der Liga. Erstaunlich ist auch: Fünf Tore, fünf verschiedene Torschützen. Zwar fehlt uns die Waffe, vor der die gesamte Liga zittert, sind aber dafür sehr schwer auszurechnen und haben sehr viele verschiedene Leute, die Tore schiessen können.

Schön, das auch Kuru wieder getroffen hat, so dass man nur hoffen kann, dass nun der Knoten bei ihm geplatzt ist. Sako agierte nicht immer glücklich, aber alleine durch seine körperliche Präsenz schafft der unglaubliche Lücken für seine Nebenleute.

Noch ein Wort zu dem Elfer. Ich zweifle schon, ob der wirklich berechtigt war. Ich halte ja Elfer, wo der Spieler den sterbenden Schwan markiert und nach der angeblichen Berührung noch 10m fliegt, für unberechtigt. So wie eben hier auch.

Nun müssen wir bei Werder II aber nachlegen. Angesichts unseres Horrorrestprogrammes sind drei Punkte eigentlich Pflicht. Wenn es irgendwie geht, hätte ich vor dem Spiel in Osnabrück gerne drei bis fünf Punkte Vorsprung auf die Nichtaufstiegsplätze. Wunschdenken.

Aber immerhin könnten wir mit einem Unentschieden auf einem Aufstiegsplatz landen. Eine Sache, die wir bei gleicher Spielanzahl in der ganzen Zeit in der Regionalliga noch nicht geschafft haben. Nur mit einem Spiel mehr als die Konkurrenten standen wir letzte Saison mal kurzfristig auf einem Aufstiegsplatz.

Die Stimmung ist bei einem solchen Spiel natürlich brillant. Selbst auf der gegenüberliegenden Seite klingelten einem ständig die Ohren. Und wenn wirklich mal der gesamte Block abging, dann war die Lautstärke im Innenraum nicht mehr erträglich. Und ein Heimspiel hatte man sowieso, da von Gladbacher Seite auch beim Stand von 0-0 nicht viel kam. Nur am Ende präsentierten die ein Plakat mit „Wir stehen immer hinter euch“. Nach einem 1-5 schon beinah löblich.

Hinzuweisen ist aber leider auch auf ein paar negative Aspekte im Block. Zum einen sollen sich einige Leute ordentlich daneben benommen haben. So mit Bier werfen und rumschubsen und so. Dazu kommt noch, dass einige Leute nix anderes zu tun haben als wildfremden Leuten in die Fresse zu fotografieren. Ob die schon einmal was vom Recht am eigenen Bild gehört haben? Ich versteh schon, dass USP irgendwann keinen Bock mehr darauf hat. Denn keiner hat einen Plan, wo diese Fotos am Ende landen. Dies ist auch der Grund, warum hier auf der Seite immer nur Fotos von Leuten aus meinem Bekanntenkreis landen. Ich könnte auch den Vorsänger und alle auf dem Zaunsitzer so fotografieren, dass man sie erkennt, aber das ist nun wirklich nicht Sinn der Sache. Niemand hat etwas gegen ein „Stimmungsfoto“, aber wenn die ganze Zeit nix anderes gemacht wird, dann kann ich eine gewisse Genervtheit verstehen.

Nach dem Spiel war alles entspannt, so dass man sich ruhig in die Sonne legen konnte, die USPler ihr mitgebrachtes Essen vertilgten und wir uns die Zeit mit Labern und Freuen vertrieben.

Dann wieder in die Busse und Abfahrt. Nun ist es ja so, dass man normalerweise die erste Tankstelle ansteuert. Dies dauert aber von Gladbach aus gesehen doch einige Zeit. Nun könnte ich mir vorstellen, dass es z.B. in einem typischen Amateure Bus schon riesigen Aufschrei gegeben hätte, hier wurde das ganz entspannt ertragen. Jetzt regierte wieder der Spass, denn neben der Floskel „Jetzt geht das ratterdazong“, die bei jedem passenden und unpassenden Gesprächsthema eingestreut wurde, wurde auch eine Autobahnbaustelle wie folgt kommentiert: „Guck mal, so sehen Bagger aus.“

Unsere erste Haltestelle war dann von Schalkern ohne Ende bevölkert. Die wollten noch Veltins mit uns trinken, aber da ging es gerade weiter. Ich persönlich bin ja nun überhaupt kein Schalkesympathisant, so dass ich froh war, als ich Dammer Berge den Bus verlies, da ich eine Übernachtungsmöglichkeit im Osnabrücker Land gefunden hatte. Und was gibt es dann in der Kneipe, die wir zwecks Chill out besuchten? Veltins! Das war die Rache der Schalker. Prost!

Leider gibt es auch unschönes zu berichten. So soll in einem anderen Bus dem Busbetreuer seine Geldbörse geklaut worden sein. Und das in einem Bus, wo eigentlich nur bekannte Leute drin sitzen. Schlimm, so etwas! Und eigentlich nur peinlich. Nun bleibt zu hoffen, dass sie vielleicht nicht geklaut ist, sondern schlichtweg „aus Versehen“ eingesteckt wurde (so etwas kann ja im Suff auch mal passieren). Sollte es sich aber um eine gezielte Klauaktion handeln ist das moralisch echt die unterste Stufe.

Pöbel und Gesocks auf Tour oder Wo ist die Violet Crew?

Morgens noch das blendende Frühstück genossen und dann weiter in Richtung Osnabrück. Trotz eines Spazierzwischenhaltes im Teutoburger Wald war man viel zu früh in Osnabrück. Dort noch in der Annahme, dass eigentlich ausser meiner kleinen Reisegruppe keine St. Paulianer anwesend sind. Daher beinah alle Utensilien im Auto gelassen und sich gut 2 ½ Stunden vor Anpfiff auf einer Bank bei hervorragendem Wetter auf dem Klushügel-Gelände niedergelassen. Zu diesem Zeitpunkt sollte das ganze nebenbei noch keinen Eintritt kosten.

Irgendwann kamen dann drei Jugendliche und setzten sich direkt an den Eingang. „Oh guck mal, da kommen die Osnabrücker Ultras“. Weit gefehlt, denn als sie näher kamen, sah man das „Cupwinner 04-Shirt“. Kurze Zeit später ein Mob junger Leute „Nun kommen aber die Osnabrücker Ultras“. Bis man merkte, dass man den Gang der einen Person kennt. Schlaksiger, federnder Gang, Käppi auf, das kann nur H. sein. Grosses Hallo und man erfuhr, dass die in Münster genächtigt hatten. Nebenbei mit Bene, der von Stani die Erlaubnis bekommen hatte, dort zu übernachten und der dies wohl ausdrücklich als „Gute Idee“ bezeichnet hatte. Das dieses Vertrauen vollkommen gerechtfertigt war, sieht man daran, dass er a. überpünktlich am Platz war und b. auf die Frage, was sie denn so abends gemacht hatten, erzählt hat, dass sie sich erstmal einen richtig leckeren Obstsalat gemacht hätten, denn die in den Hotels seien immer so eintönig – immer nur Fruchtcocktail aus der Dose. Na, in diesem Fall war die gesunde Ernährung ja wohl mal gesichert.

Irgendwann traf dann auch eine Gruppe USP/Skins ein, die wirklich zum Übernachten wieder nach Hamburg gefahren war. Was für ein Wochenende, wenn man Samstag mit dem Bus nach Gladbach fährt, dann nach Hamburg und nach dem Ausschlafen wieder in den Regionalexpress steigt, um nach Osna zu fahren. Das wäre mir selbst zu viel gewesen (deswegen ja auch die Übernachtung im Osnabrücker Land). So waren zu diesem frühen Zeitpunkt gut 50 St. Paulianer und vielleicht drei Osnabrücker anwesend.

„Haake Beck 12 Einführungspreis 1 Euro“ sagte das Schild, und dies wurde auch fleissig genutzt, so dass schnell kein Bier mehr zum Einführen vorhanden war.

Da wir von Hermann Freikarten „für die Fans“ in die Hand gedrückt bekommen hatten, lungerten wir am Eingang rum, um eventuell noch kommende Leute mit Karten zu versorgen. Hat auch ganz gut geklappt, auch wenn uns der ein oder andere durch die Lappen ging und der Hauptteil schon bezahlt hat. Was da am Eingang für Gespräche liefen war echt grosses Tennis. Während sich unsere Jackentelefonierer ein freies Wochenende gegönnt hatten waren die Osnabrücker Vertreter dieser Sorte vor Ort und unterhielten sich angeregt mit dem Ordnungsdienst. Und wie der beschrieb, wo St. Paulianer im Stadion sitzen, war schon grosses Tennis. Er hätte in diesem Zeitpunkt auch sagen können: „Eigentlich alles, was du hier siehst, sind St. Paulianer“, aber er beschrieb das noch so „Ja, also die 10, die im Klubheim sitzen, dann die, hier vorne Fussball spielen, und diejenigen, die dort in der Sonne sitzen.“ Genau. Mehr waren aber eben auch nicht da.

Surreal wurde es, als der Chefmensch von Osnabrück zu den Eingangsordnern kam wegen dreier Kiddies, die umsonst rein gekommen waren und gebolzt haben, und dort anfing zu diskutieren. „Haben Sie denen gesagt, dass sie umsonst rein kommen und bleiben dürfen? Haben die mir gesagt. Wenn das nicht stimmt, schmeiß ich die raus. Und wenn das stimmt, dann muss ich Sie feuern.“ Mensch, als ob die Welt keine anderen Probleme hat als drei kleine Kiddies, die eventuell nicht bezahlt haben und in der Sonne sitzen und Fußball schauen.

Der Bus mit der Mannschaft kam viel zu spät, so dass unser Torhüter schon eine geschlagene Stunde vor Ort war, bevor überhaupt der Rest der Truppe anwesend war. Und dies alles nur, weil bei dem Betreuer (laut eigener Aussage!) „die Nudel(n) nicht hoch kam“. Details wollen wir lieber gar nicht erst wissen.

Anpfiff! Unter typischem Ultra Dauersupport gingen unsere Jungs engagiert und hochüberlegen zu Werke. Leider aber auch mit einem Schiri, der einen – sagen wir mal – nicht so guten Tag erwischt hatte und nach einer hauchzarten Berührung auf Elfmeter für Osnabrück entschied. War der Elfer am Samstag noch diskutabel, war der hier einfach ein gespielter Witz. Insbesondere da er kurz vorher einen Freistoss für braun-weiss nicht gegeben hatte, der aber so etwas von klar war. Benny hatte daher seine Nerven nicht im Griff, beklatschte eine kurze Zeit später bekommene gelbe Karte und musste daraufhin mit gelb-rot duschen gehen. Nun also in Unterzahl und ohne den Antreiber? Es schwante einem Böses. Aber bis zur Halbzeit war immerhin der Ausgleich geschafft und unsere Jungs spielten gut mit.

Halbzeit. Unsere Helden kommen wieder. Ein mir bekannter Ultra meint nur, dass er ja gedacht hat, dass die 2. die 1. toppen würde. Und nun sei er enttäuscht. KaPe, der das Gespräch mit hörte, meinte nur: „Wart ab, es ist ja noch eine Halbzeit.“ Der Schiri, der die Osnabrücker aus der Kabine holen wollte, wurde von den Biertischen erstmal ausgebuht, sammelte dann aber Pluspunkte, da er locker und lustig drauf reagierte. Die Osnabrücker wurden auch von den Biertischen mit Schmähgesängen überzogen, was zum einen derbe prollig war, aber auf der anderen Seite auch super lustig. Und dabei hatten wir doch vor Anpfiff noch die Diskussion, ob wir nun mehr Fussballfans oder mehr Studenten wären und das Pöbeln doch eigentlich in Ordnung sei (so ein Bekannter von mir. Ich bin da eher gegen, aber ich bin auch (Ex-) Student).

In der zweiten Halbzeit spielten unsere Jungs dann aber gross auf, hatten Chance um Chance und siegten verdient mit 4-1. Aber die 1. eben nicht getoppt ;-). Ebenso wie bei der 1. Mannschaft gab es auch hier keinen Doppeltorschützen, so dass wir dieses Wochenende 9 Tore unserer Mannschaft gesehen haben, aber keinen einzigen zweifachen Torschützen.

Die Stimmung dementsprechend brilliant, inklusive Mülleimer als Trommel, Polonäse und Welle, die von Benny Adrion und Bene angeführt wurde. Die Violet Crew (Osnabrück Ultras) wurden auch vermisst, wie das in der Überschrift zitierte Lied (auf „Kreuzberger Nächte sind lang“) zeigte. Insgesamt war es aber wohl eher gut, dass die nicht da sind, denn ich möchte nicht wissen, was sich bei genau fünf anwesenden Polizisten mit solchen Kinderultras entwickelt hätte. Insbesondere da auch bei uns genügend Heisssporne vor Ort waren. So aber war das ein fröhlicher Tag in der Sonne.

Ich machte mich dann entspannt mit dem Auto auf den Weg nach Hause, fuhr noch über die Köhlbrandbrücke, um die Rauten zu vermeiden, und fand mich dann auf meinem Sofa wieder. Die Bahnfahrer sollen noch Stress gehabt haben, aber Details weiss ich nicht.

Und dann war da noch…

… unser Stadionbau, der langsam aber sicher zur Witzveranstaltung wird. Wir haben bestes Bauwetter und wir bauen nicht, weil wir zu doof sind, Verträge abzuschliessen.

… die Rückkehr des Klaus R., der nun ehrenamtlicher Berater des Präsidiums für Fanfragen ist. Ich kann das nicht so wirklich beurteilen. Ist das nun ein „faules Ei“ oder ist das okay? Keine Ahnung. Ich habe mir da nicht wirklich eine Meinung gemacht. Lassen wir mal all diese alten Streitigkeiten beiseite und gucken, was draus wird.

… ein Mitarbeiter des Schalker Fanprojektes, der Konzerte mit rechten Grufti-Bands organisiert hat. Es ist schon erstaunlich, wie gespalten Menschen sein können. Nun werf ich dem nicht vor, dass er Nazi ist, aber wie kann ich auf der einen Seite wirklich vorbildliche Arbeit machen und dies in der Freizeit ausblenden und Rechte in meinen Umkreis tolerieren bzw. noch fördern? Vom Fanprojekt ist er nun entlassen worden, wobei mich da mal der arbeitsgerichtliche Prozess interessieren würde. Denn ob dies rechtlich ausreicht, um jemanden vor die Tür zu setzen, wird sehr spannend.

… Innenminister Schäuble, der die Unschuldsvermutung bei Terrorverdächtigen abschaffen will. Der Kommentar des Abendblattes, die sinngemäss schrieben „Warum soll, was bei Fussballhooligans schon gilt, nicht auch für Terrorverdächtige gelten?“ trifft den Nagel auf den Kopf. Nur leider zieht das Abendblatt genau den falschen Schluss. Es ist schon bei vermeintlichen Fussballhooligans, falsch sie in eine „Gewalttäter Sport“ Datei mit entsprechenden Auswirkungen im privaten Leben zu speichern, und es wird auch bei vermeintlich Terrorverdächtigen nicht richtiger. Mal ganz davon ab, dass man zwar Schuld, aber nicht Unschuld beweisen kann. Wie soll also jemand, der in eine solche Datei kommt, seine Unschuld beweisen? Es geht nicht. Wieder ein Schritt in die Horrorszenarien, die Filme wie „V wie Vendetta“ immer wieder zeichnen. Eine Demokratie, die sich selber abschafft un