Norbert regt sich auf vom 1.5.2007
über
Unglaublich
oder
Das ist nicht mehr Norbert sein Pauli
Liebe Leser, kann mir irgend jemand sagen, wann das letzte Mal beide Mannschaften dieses Vereines drei Wochenenden hintereinander gewonnen haben? Ich denke, das ist mindestens eine Generation her. Das ist definitiv nicht mehr mein Pauli. Und wenn man dann noch von der Gazetta gelobt wird, dann fehlen einem ja direkt die Feindbilder. Aber dazu später mehr.
Ich hatte den ganzen Tag ein schlechtes Gefühl. Wenn mich jemand gefragt hätte, dann hätte ich immer gedacht, dass das diesmal schief geht und wir nur 1-1 oder so spielen. Mit diesem Gefühl kam ich in den Fanladen, wo aufgrund der Osnabrück-Karten schon helle Aufregung herrschte.
Um es mal deutlich zu sagen: Der Verkauf ist mehr als unglücklich gelaufen und das man nun auch daran, dass viele Gästekarten bei Ebay gelandet sind. Es kann nicht sein, dass man irgendwann einfach anfängt, diese Tickets abzuverkaufen, dann auch noch ohne Begrenzung, wie viele Tickets eine einzelne Person bekommt, und ohne einen gesonderten Vorverkauf für Vereinsmitglieder zu starten. Und das bei einem solchen Spiel, bei dem klar ist, dass die Ticketnachfrage eng wird. Hier hat das Kartencenter absolut versagt, und es ist eine Schande, dass nun so viele Tickets bei Ebay zu finden sind. Und dies, obwohl das Spiel von Osnabrücker Seite immer noch nicht ausverkauft ist (ein Fakt, der absolut verwundert). Ich hoffe, dass der Verkauf gegen Magdeburg (da wird es ja noch schlimmer mit den Tickets) etwas geordneter über die Bühne geht. Hinzu kommt noch, dass viele Leute einfach nicht gesehen haben, dass dieses Spiel voll sein wird. Man ist ausverkaufte Stadien auswärts einfach nicht mehr gewohnt. Auch eine Folge von vier Jahren dritte Liga.
Habe ich nebenbei schon mal erwähnt, dass die Gazetta echte Handarbeit ist? Jedes mal vor Spielen sitzen irgendwelche USPler da rum und heften die ganzen Blättchen wirklich per Hand. Und wir dekadenten „Der Amateur“-Macher lassen uns das Ding vom Drucker heften…
Der Rest der Prämatchaktivitäten ist schnell erklärt. Hahn gegessen, zum Stadion gelaufen, AFM-Container besucht, überschüssige Karten los geworden (das letzte Mal diese Saison gingen auch zwei Karten in die Tauschbörse.) und Plätze im Stadion eingenommen. Aber nicht ohne kurz noch in der Nordkurve reinzugucken und zu merken, dass unser zweites Eigengewächs auf einem sehr guten Weg ist (Manm, ist N. schwanger…).
Dummerweise bin und bleibe ich ja ein unglaublich abergläubischer Mensch, das führt nicht nur zu diesem blöden Hähnchenfuttern vor einem Spiel, sondern auch dazu, dass ich zu diesem Spiel vollkommen unpassend in einem weissen Hemd gehen musste. Hatte ich doch schon in Gladbach und in Bremen jeweils ein Hemd an. Super Kleidung bei diesen Temperaturen.
Am USP Stand noch kurz eine Fahne gekauft, weil wir irgendwas auffälliges Sonntag für den Marathon brauchten. Meine Schwester sollte nämlich laufen, so dass auch kein „Bier trinken“ an diesem Freitag angesagt wurde. Bereits hier wurde ich gewarnt, dass ich das Vorwort der Gazetta lieber nicht lesen solle, sonst würde ich die ganze Nacht nicht schlafen können.
Also erstmal das Vorwort gelesen, auf dessen Inhalt ich aber erst später eingehen möchte.
Nun zu Stimmung, Spiel und Drumherum. Ahlen hatte ca. 700 Leute mitgebracht, was für die wahrscheinlich absoluter Auswärtsrekord ever ist. Viel Dampf oder so haben die nicht gemacht, und ich behaupte auch mal, dass davon ca. 70 % sich einen schönen Abend auf dem Kiez mit vorherigem Fussball gemacht haben. Ist ja okay und super, so hat die Stadt Hamburg da auch was von.
Etwas verwundern tat die Aufstellung. Kuru macht in Bremen sein Tor, spielt eigentlich gut und findet sich doch auf der Bank wieder. Der wiedergenese Takyi ebenso. Dafür spielt Stendel. Das hatte wahrscheinlich jeder andersherum erwartet. Auch später wurde Kuru nicht eingewechselt. Ob der nicht bei 100 % war? Keine Ahnung, erstaunt hat es schon. Lustigerweise löst sich dieses Luxusproblem ziemlich von alleine, da Schultz in Osnabrück gesperrt ist. Na ja, wenn der Ersatz dann „Takyi“ heisst, dann kann nicht wirklich von einer Schwächung sprechen.
Aber der Erfolg gibt natürlich Stani Recht. Gut 60 Minuten neutralisierten sich die Mannschaften in einem absolut intensiv geführten Spiel. Das war nicht langweilig oder so, aber eben auch mit sehr wenig Torszenen. In meinem Bereich hatten sich zu diesem Zeitpunkt eigentlich alle mit einem 0-0 abgefunden. Dann bringt Stani Takyi und Sako und plötzlich geht so ein Ruck durch die Mannschaft und durch die Zuschauer. Die Stimmung war schon vorher gut, aber nun wird sie plötzlich ekstatisch. Und unsere Mannschaft schaltet plötzlich merklich einen Gang hoch. Wie wurde Schultz unter der Woche so schön zitiert? Es sei gut, wenn man in der 70 Minute in die Augen der Gegner gucken würde und man würde sehen, dass diese nicht mehr können, während man selber noch kann. So war es hier ungefähr auch. Ahlen verliessen die Kräfte und unsere Jungs konnten eben noch zusetzen. Sako trifft den Pfosten. Ab da ist es plötzlich ein Sturmlauf. Dann Sako mit diesem Karateschritt 1-0. In Leverkusen bekommt er genau dieses Tor noch abgepfiffen, hier zählt es. Das Stadion tickt aus. Und auch jetzt lässt unsere Mannschaft nicht nach, sondern rennt weiterhin grossartig an. Und wird schnell mit dem 2-0 belohnt. Wieder Sako. Diesmal per Kopf, was bei ihm schon absolut ungewöhnlich ist, und dann auch noch nach einer Ecke, was plötzlich bei uns zu einer Waffe wird. Ebenso das 3-0 durch Meggle (der Block 1 war nach dem Spiel der Meinung, das sei eher ein Eigentor gewesen. Ich habe es nicht gesehen, daher kann ich es nicht sagen.)
Unglaublich, wie innerhalb von 20 Minuten Ahlen schlichtweg überrannt wurde. Nach dem Spiel dementsprechend eine lange Party mit Wechselgesängen Spieler zu Fans und allem. Das ist nun wirklich nicht mehr mein Pauli, wenn wir so etwas von souverän das nach Hause spielen können.
Ist Stani nun ein super Trainer oder wie ist diese Leistungsexplosion zu erklären? Warum lief es unter Bergmann nicht so? Gute Fragen. Allemal ist im Winter perfekt eingekauft worden. Und damit meine ich nicht nur Sako und Kuru, nein, damit meine ich insbesondere Pedro Gonzales. Kennt ihr nicht? Ist bei uns neu als Fitnesstrainer und damit genau dafür verantwortlich, dass unsere Truppe auch nach 70 Minuten noch einen Gang höher schalten kann. Denn genau das fehlte in der Hinrunde. Viele Punkte wurden einfach verdaddelt, weil man sich nach eigener Führung zurückzog und nicht die Kräfte hatte, weiter mitzuspielen. Das ist jetzt nicht zwingend etwas gegen Bergmann, der halt normaler Fussballtrainer ist, es ist eher ein Lob für den Fachmann, der eben die nötigen 5 % mehr herauskitzelt. Dazu kommt natürlich ein unbändiges Selbstvertrauen, welches die Truppe nach dem 5-1 in Gladbach entwickelt hat. Das hatte sie z.B. in Leverkusen noch nicht und hat deswegen dort verkrampft.
Nun ist immer noch nix wirklich erreicht. Gut ist, dass wir aus eigener Kraft aufsteigen können und mit jetzt noch vier Siegen aufgestiegen sind (ich meine immer noch, dass das zwingend ist, aber ich kann mich auch verrechnen), schlecht ist, dass wir aus fünf Spielen wahrscheinlich auch vier Siege brauchen werden. Denn Magdeburg gibt keine Punkte mehr ab (dabei bleibe ich) und Dresden, Osnabrück, Emden und vielleicht auch Ahlen werden auch nicht mehr viel verschenken. Aber dankenswerterweise spielen Emden und Osnabrück unentschieden und schenken uns damit noch einen Punkt mehr Abstand.
Unser Torverhältnis ist zwar gut, aber eben noch nicht so gut, dass es einen Extrapunkt bedeutet. Denn gerade mal drei bis acht Tore Vorsprung sind nicht viel und bei einer Niederlage auch ganz schnell wieder Geschichte. Und bei einer Niederlage in Osnabrück fallen wir wahrscheinlich sicher auf den 3. Platz zurück. Dann haben wir es zwar immer noch in der Hand, aber müssten dann am letzten Spieltag in Magdeburg gewinnen. Ein aus meiner Sicht komplett unmögliches Unterfangen.
Habe ich schon erwähnt, dass die Stimmung diesmal einfach gigantisch war? Zwar wurde teilweise komplett planlos gegeneinander gesungen, aber immer wieder kamen von allen Seiten Gesänge auf und ich war am Samstag zum ersten Mal seit langem richtig heiser. So kann es weitergehen und so wird es hoffentlich auch in Osnabrück sein.
Nach dem Spiel ging es in den AFM-Container, wo bei Bier und Aufstiegsträumen die Überschrift geboren wurde, dann ging es in den Fanladen, wo es viel zu voll und warm war (aufgrund des Kochens konnte man die Luft schneiden), wo ich aber klugerweise ein schwarzes T-Shirt hinterlegt hatte. Dann wieder zum AFM-Container, wo ein paar 42er noch tranken. Dann ins Jolly, wo man noch mit den üblichen Intergalactischen einen abfeierte und dann ins Bett.
Auf dem Rückweg sorgte dann noch eine „betriebsfremde“ Person auf den Gleisen für Verzögerung, aber da hab ich einfach die Gazetta gelesen, die nun unser Thema sein soll. Also erstmal vielen Dank für das Vorwort. Bereits mittags hatte ich mit einem USPler unterhalten, dass es zur Zeit gut zwischen den verschiedenen Gruppen läuft. Natürlich übertüncht sportlicher Erfolg viele Differenzen, aber vielleicht liegt es auch daran, dass man endlich auf allen Seiten eingesehen hat, dass man doch verschieden ist und auch mal was beim anderen kritisieren kann und das man vieles auch gemeinsam hat. Und dann kommen als Katalysator natürlich auch solche Ereignisse wie gegen Arminia Hannover hinzu.
Mehrfach wurde ich nebenbei angesprochen, was ich denn dafür bezahlt habe. Nix, glaube ich. Ausser ein paar Fotos abgegeben ;-)
Es bleibt nur zu hoffen, dass es so entspannt zwischen den Gruppen bleibt. Denn United we stand gilt ja immer noch und uneingeschränkt. Und wenn es was zu kritisieren gibt, dann wird es kritisiert, aber auf sachliche Art.
Ansonsten ist die Gazetta mal wieder gut zu lesen. Insbesondere der Bericht der Stadionverbotler macht den ganzen Frust deutlich. Und zeigt nebenbei auch, dass Stadionverbote die Leute nicht davon abhalten, sich zum Fussball zu bewegen. Man kann nur hoffen, dass die Polizei nicht nun auch noch anfängt, die Leute mit Meldeauflagen zu überziehen um sie vom Stadion wegzuhalten.
Nach einem gechillten Samstag ging es dann Sonntagmorgen bereits früh an die Strecke, um meine Schwester bei ihrem ersten Marathon zu begleiten. Erstaunlich, wie viele Leute da durch die Stadt laufen. Mein interner Wettbewerb St. Pauli Hemden – Lokalrivalen Hemden ging nebenbei mit 7-4 knapp für den FC aus. Ich gebe aber offen zu, dass es sich hier nur um einen Ausschnitt der Läufer handelt, denn ich hab aufgrund des Begleitens nur ca. 2/3 des Feldes gesehen. Die Viva con Aqua-Läufer hätte ich nicht mitgezählt, aber von acht Läufern habe ich den ganzen Tag nur einen gesehen. Auch dies eine Folge des Begleitens.
Wir hatten eine USP-Fahne mit, damit meine Schwester uns als ihre persönliche Getränke- und Energiestelle erkennt, und das hat auch super geklappt. Und viele Leute sind an uns mit „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ oder anderen ähnlichen Sprüchen vorbei gelaufen. War lustig. Nur das eine Mädel im Lokalrivalentrikot guckte jedes Mal, als sie uns sah, etwas verzweifelt.
Was war sonst noch auffällig? Typen die in Hasen oder Elchkostüm laufen (insbesondere der Elch war locker, der hatte doch echt Visitenkarten von sich dabei und fragte, ob man ihm die Bilder schickt) oder einer im St. Pauli Totenkopfpulli – bei dem Wetter (!!!!).
Ansonsten zeigte der HVV mal wieder, dass er übelste Provinz ist. Wie sonst kann man auf die Idee kommen, an einem solchen Tag auf der S 1 einen Schienenersatzverkehr einzurichten? Das ist wohlgemerkt die am stärksten frequentierte Linie während des Marathons. Und dann erdreistet sich noch irgend so ein Service Mitarbeiter, zu seinem Kollegen zu sagen: „Dann sollen die den Marathon eben an einem anderen Wochenende machen“. Geht klar.
Nach 4:36 hatten wir meine Schwester erfolgreich im Ziel bewillkommnet und konnten nun zu den Amateuren fahren. Das wurde noch ein bisschen eng, so dass der Amateurverkauf ziemlich hektisch ausfiel. 431 Zuschauer waren erneut auf den Platz gepilgert und sahen ein eher zerfahrenes Spiel, welches unsere Jungs verdient 4-1 gewannen. Bergedorf war mit einer Rumpfelf angetreten, die sich wacker schlug. Weiterhin hatten sie nur einen Einwechselspieler und der war auch noch schüchtern, denn als ich laut meinte, dass Bergedorf nun endlich einwechseln sollte, da der immer im Blickfeld rumlaufe, hat der sich nicht mehr getraut, sic