Norbert regt sich auf vom 29.5.2007
über
Nie mehr Regionalliga
oder
Von Aufstiegseuphorie keine Spur
Mit diesem Bericht geht diese Kolumne in eine verfrühte Sommerpause. Ein Bericht aus Magdeburg wird es aus meiner Feder nicht geben, aber ich habe schon einen kompetenten Gastschreiber in Mathes gefunden. Der Grund ist simpel: Ich fahre nicht nach Magdeburg. „Was? Zum tollen Finale nicht?“ „Kein richtiger Fan!“ werden die Reaktionen sein, aber dies ist mir egal. Ich hatte mir schon vor gut einem halben Jahr (da waren wir noch ungefähr 10.) eine „Rock im Park“-Karte gekauft, und da will ich immer noch hin. Natürlich wäre ich aus Nürnberg nach Magdeburg gefahren, wenn es um alles gegangen wäre, aber für ein Quasifreundschaftsspiel ist mir das dann doch ein bisschen zu teuer (der erste Blick bei Bahn.de sprach von gut 250 Euro). Insofern müsst ihr ohne mich fahren. Immerhin das 2 Spiel, was ich diese Saison nicht vor Ort sehe. Ich glaube, die Leute mit einer ähnlichen Quote kann man an zwei Händen abzählen.
Was findet ihr dieses Mal: Natürlich einen Bericht über das Spiel gegen Dresden, dann einen längeren Rückblick, einen Ausblick, viel Gemotze und sehr wenig Aufstiegseuphorie. Die könnt ihr Euch ja in den Tageszeitungen anlesen.
BTW: Das ist der NRSA Nr. 300
In irgendeiner unüberlegten Idee kam Vor-Spiel darauf, am letzten Heimspieltag den AFM-Container zu bedienen. So wurden alle Rituale nach vorne verlegt. Das war auch gut so, denn bereits morgens konnte ich nicht wirklich arbeiten, da meine Gedanken einfach ganz woanders waren. Wenn man an einem solchen Tag Blutdruck und Puls gemessen bekommt, dann würde man wahrscheinlich sofort mit Beta-Blockern vollgepumpt werden.
Am Fanladen war schon gespannte Vorfreude zu vernehmen, und auch die Dresdener sorgten für erste Unruhe. So wurde wohl vorm AFM-Container ziemlich geasselt und in der Schanze meinten einige Leute wohl irgendwas von „Nationale Anarchisten“ und anderem Schwachsinn brüllen zu müssen. Dies waren nebenbei auch die Gründe für die Ausschreitungen nach dem Spiel, da sich wohl das nebulöse „Flora-Umfeld“ (wer auch immer dazu gehört) provoziert fühlte und einen – vollkommen blödsinnigen – Angriff auf die abrückenden Dresdener startete. Deutlich festzustellen ist aber, dass an dieser Nummer keine oder vielleicht nur einzelne Leute aus dem aktiven St. Paulifanumfeld beteiligt waren. Und das ist auch gut so. Denn diese Nummer war nun wirklich nur dämlich.
Um dieses Thema gleich abzuschliessen: Ansonsten benahmen sich die Dresdener für eine Ostmannschaft vorbildlich, lieferten einen der besten Auswärtssupports ever am Millerntor ab (das Lied ist nebenbei eher bei St. Pauli geklaut als dass St. Pauli bei Dresden geklaut hat - bzw. wahrscheinlich haben beide letztendlich in Italien geklaut) und klatschten nach dem Aufstieg brav Beifall. Damit werden sie mir jedoch kein Stück sympathischer. Jeder, der mal das Vergnügen hatte, an einem Spieltag durch Dresden zu gehen, weiss warum. Mehr sage ich dazu nicht, es gab ja auch keinen Bericht vom Hinspiel in Dresden und dies sehr bewusst. Ich verweise auf die von Fahelor geprägte Überschrift.
Als wir dann den Container-Ausschank übernahmen, lief das eher ruhig an, da noch die Kartenschlange vor dem Fenster und dem Eingang stand. Erst später wurde das echt hektisch und das Umfüllen von Flaschen in Becher dauert echt lange und ist super anstrengend. Weiterhin waren wir nur drei Leute, was aber irgendwie mit vollem Einsatz machbar war. Immerhin hat das ganze für die Vor-Spiel-Kasse ca. 200 Euro gebracht, so dass die Kosten für die Choreo gegen Düsseldorf wieder drin sind.
Auch wenige Minuten vor dem Anpfiff standen immer noch unzählige Leute vor dem Stadion und wollten dementsprechend auch Bier kaufen. So kam ich erst mit dem Anpfiff auf meinen Platz, aber da ich vorbildlich durchgelassen wurde und man mir netterweise einen Platz freigehalten hatte, konnte ich das Spiel doch noch gut verfolgen. Nur fragt mich nicht nach Intros oder so.
Vor dem Spiel hatte der Fanclub „G.A.S.“ sich noch was einfallen lassen und hat Schwarzmarkthändler an ihrem Geschäft gehindert, indem sie sich bei denen lautstark über die Preise beschwerten und sie mit Schildern outeten. Sehr gute, friedliche, kreative und echt anerkennenswerte Aktion, die wohl auch stellenweise Erfolg hatte. Es bleibt nur zu hoffen, dass nun die Schwarzmarkthändler nicht das nächste Mal mit irgendwelchen Muskeltypen im Gepäck wieder kommen. Das Beste wäre sie würden endlich vollständig verschwinden.
Zum Spiel: Dynamo rannte um sein Leben und bei unseren Jungs schlotterten doch in einigen Szenen gehörig die Knie. Bis zum 1-0 war das Spiel eigentlich ausgeglichen, nach dem Tor spielte eigentlich nur noch Dynamo und unsere Jungs verliessen sich etwas sehr doll auf ihre Abwehrqualitäten. Hinzu kam, dass das Mittelfeld viel zu weit weg von seinen Gegenspielern stand. Aber ein Tor von Rothenbach machte alles klar und das 2-2 war nur noch dafür da, das man wie bei St. Pauli üblich einen Herzkasper in den letzten Sekunden bekommt. Ohne so ein bisschen Herzrasen wäre es ja auch nicht mehr unser Verein. Leider machte Dinzey nicht das 3-2, ein Tor, was ihm wahrscheinlich jeder im Stadion von vollem Herzen gegönnt hätte. Selbst meine Wenigkeit, die ihn doch sehr kritisch sieht.
Zur Stimmung: Dass die nun nicht so ist, wie man sich das vorstellt, ist doch klar. Wenn man auf den Fingernägeln kaut, dann kann man nicht singen. Ich finde das nun auch wirklich halb so schlimm. Und insgesamt war die Stimmung immer noch besser als bei vielen Spielen im November oder März. Insbesondere die Haupttribüne rockte ja richtig die Heide. Bei uns wurde auch ordentlich gemotzt, eine Sache, die ich immer noch vollkommen normal und okay finde. Immer nur positiv denken ist Blödsinn. Irgendwo muss die Anspannung ja hin.
Bei uns auf der Ecke hat sich nebenbei langsam ein kleiner Supportblock gebildet, der hoffentlich auch nächste Saison zusammenbleibt. Zwar nur ein paar Vagabunden, ein schönster Mann der Welt und ich, aber immerhin. Aber alle wollen wohl in der Gegengrade stehen bleiben. USP, zieht euch warm an ;-)
Kommen wir zum Drumherum. Ich fand es komplett scheisse, dass keine Spieler verabschiedet wurden. So wurde u.a. einem echten Urgestein wie Hauke Brückner kein würdiger Abschied gegeben. Das ist traurig und sehr schade. Gerade Hauke, der es vielleicht diese Saison nicht mehr in den Kader geschafft hat, aber auch lange genug die Knochen für 1. und 2. Mannschaft hingehalten hat und zu den Pokalhelden der letzten Saison gehört, hätte würdig verabschiedet werden müssen. Ich hoffe man holt dies am ersten Spieltag der neuen Saison nach!
Nicht schlimm fand ich dagegen den Ausruf von Wulff „Noch drei Minuten bis zum Aufstieg“. Ich weiss, da kommen wieder genug, die sagen, dass man das Fell nicht vor dem Erlegen verteilen soll, aber das war reine Euphorie und selbst ein so tiefer Pessimist wie ich ging davon aus, dass nix mehr schief geht (naja, gesagt habe ich „Nun sag ich mal, dass unsere Chance bei 5 % liegt.“ Antwort von Harrys Vagabunden: „Aber vergiss nicht eventuelle Punktabzüge.“)
Ein Griff ins Klo war sowohl das Lied der „Millerntor-Brigade“ wie auch der Zeitpunkt des Abspielens. Okay, da es sich um wirkliche Hardcore Fans unseres Vereines handelt, die auch schon sehr viel schöne Lieder gemacht haben, sei ihnen der eine Griff ins Klo erlaubt. Das passiert. Und ein Aufspringen auf einen kommerziellen Zug lag hier nun definitiv nicht vor. Und ich werde auch nie begreifen, warum St. Paulianer sofort jede Musik auspfeifen, die ihnen nicht gefällt. Gelebte Toleranz sieht anders aus. Zur Kenntnis nehmen und nicht klatschen hätte hier vollkommen gereicht.
So ging es in die zweite Schicht des AFM-Containers, wo wir wahrscheinlich Rekordumsatz gemacht haben. Leider standen die Leute irgendwann nicht mehr diszipliniert an, sondern begannen zu drängeln. Komischerweise zu einem Zeitpunkt, wo die Schlange gar nicht mehr so lang war. Um dann irgendwann auch selber was vom Aufstieg zu haben, machten wir den Container zu und es begann eine lange Nacht.
Die mich nicht zum Spielbudenplatz führte. Ich muss ganz ehrlich sagen: Nix für mich. Wer so etwas mag, der kann da gerne hingehen, ich feiere lieber mit meinen Leuten. Und so kam es im Fanladen zu Umarmungen, bei einem Italiener zu kleinen Sticheleien gegen einen Neudrittligisten, im Knust zu viel Gelaber (die Bands habe ich nicht eine Sekunde gesehen) und im Jolly noch zum Abtanzen und purer Freude. Aufstiegsfeiern sind ansonsten ein bisschen wie Sylvester, man denkt immer es muss die Party des Jahrhunderts werden, aber dies wird es eigentlich nie.
Die kurzfristige Übernachtung musste noch was essen, so dass die Nacht morgens um sechs im Schachcafe endete.
Am Spielbudenplatz soll ordentlich Glas zu Bruch gegangen sein. Ein Fakt, den ich mir ohne weiteres vorstellen kann, da wir dort mit dem Taxi vorbei gefahren sind und die Pfandsammler einen unglaublich grossen Berg an Flaschen gebaut hatten. Wenn man bedenkt, dass eine Flasche im Gewühl verdammt schnell kaputt geht, dann kann ich mir ungefähr vorstellen, wie es da aussah.
Ich denke, jeder von euch wird irgendein Bild im Kopf haben, das er mit diesem Tag verbindet. Dies ist bei mir auf ewig ein lächelnder Vorsänger von USP (und wer die Person kennt, weiss, dass der sonst beinah nie nach Spielen lächelt), der alle freudig umarmt, und unser Beinbruchpatient, der in der Süd nur schwer in seinem Rollstuhl zu halten ist. Diese Bilder werden den anderen Aufstiegsbildern und Rettungsbildern hinzugepackt. In zeitlicher Reihenfolge sind dieses: Leo’s Kopfball gegen Hannover, Stani, der 1995 Bier auf dem Flughafenparkplatz unter die Leute bringt, nachdem wir durch ein 2-2 in der 1. Liga verbleiben, unser Kasten Bier vor dem Lehmitz nach der Rettung gegen Oberhausen, Reiners weinen in Nürnberg und nun eben diese Bilder.
Leider musste auch unsere Polizei mal wieder negativ an diesem Tag auffallen. Bereits im Vorfeld hatten Stadionverbotler einen Platzverweis für das gesamte Viertel St. Pauli bekommen. Ein aus meiner Sicht vollkommen übertriebene Massnahme. Aus diesem Grund hatten sich einige Leute nach dem Spiel von den „offiziellen“ Feiern irgendwann abgesetzt und waren in Richtung Schanze gegangen, wo die Stadionverbotler warteten und wo man gemeinsam feiern wollte. Die Polizei liess es sich nicht nehmen, diese Gruppe mit Wasserwerfer und allem zu begleiten und mit massiver Gewaltanwendung nach dem zünden von Pyrozeug einzuschreiten. Was für ein Blödsinn. Da gehen die vermeintlich gewaltbereiten Leute schon weg vom Stadion und von eventuellen Dresdenern und was macht die Polizei? Sie versaut ihnen immer noch den Abend. Und dies ohne wirklichen Grund. Da muss man sich über einen gewissen Hass auf die Polizei nicht mehr wundern.
Viel mehr gibt es eigentlich nicht von diesem Tag zu berichten. Viele Fotos gibt es noch auf der Fotoseite.
Eine kranke Saison in definitiv der schwächsten dritten Liga, die jemals gespielt hat, geht zu Ende. Nein, diese Liga war nicht nur ausgeglichen, sie war auch schwach. Wenn man bedenkt, dass Mannschaften wie Erfurt, die es nicht schaffen, den Ball drei Meter geradeaus zu kicken, noch drei Spieltage vor Schluss um den Aufstieg mitspielen, dann ist das schon sehr bedenklich.
Uns soll es egal sein, denn nur so konnten wir unseren Durchmarsch in der Rückrunde beginnen. Diese Leistungssteigerung hätten wohl die wenigsten für möglich gehalten. Und daher gilt es Danke zu sagen: Erstmal Danke an Stani, der diese Mannschaft eben zu den letzten 10 Prozent gekitzelt hat, die ihnen unter Bergmann gefehlt haben. Danke auch an Andreas Bergmann, der schon die richtige Mannschaft zusammengestellt hatte (was für ihn spricht), diese dann aber nicht entsprechend trainieren konnte (was gegen ihn spricht). Danke auch an alle Cotrainer. Insbesondere die Verpflichtung von Pedro Gonzales als Fitmacher erwies sich als absoluter Glücksgriff. Hoffentlich bleibt er.
Höhepunkt der Saison? Allemal das 5-1 in Gladbach. Emotional einfach eine klasse Tour, lest den Bericht hier und ihr wisst, warum.
Tiefpunkt der Saison? Das 0-3 in Dresden und das 0-2 bei Union Berlin. Nach beiden Spielen hätte ich einen Aufstieg nicht mehr für möglich gehalten. Ganz mal davon ab, dass beide Touren sehr ätzende Aspekte hatten.
Nun soll auch eine Einzelbewertung der meisten Spieler folgen, die wir haben bzw. hatten. Die ist wie immer sehr subjektiv und auch ein bisschen gegen den Strich, aber so seid ihr es gewöhnt.
Paddy Borger: Er hat allen Kritikern Lügen gestraft, die bei St. Pauli ein massives Torhüterproblem sahen. Ja, dann seine Meinung zu ändern ist einfach und bequem. Ein bisschen auf den Knien rutschen vor den Leuten, die gesagt haben: „Wir haben kein Torhüterproblem“ sei eher angebracht.
Bene Pliquett: Nicht nur ist er ein super netter Kerl, sondern er wird auch von Woche zu Woche sicherer bei der 2. Mannschaft. Wird vielleicht noch ein bis zwei Jahre brauchen, muss noch an der Strafraumbeherrschung arbeiten, aber dann hat er auch das Format für die 2. Liga.
Timo Reuss: Noteinkauf, den man lieber hätte sein lassen. Sorry, aber das war gar nix.
Flo Lechner: An guten Tagen Weltklasse, die Kampfsau schlechthin. An schlechten Tagen (sind eher selten) zum Verzweifeln. Wird in der 2. Liga, wo er in seinem Element (Kampf) ist, seinen Weg gehen.
Fabio Morena: Ruhig und sicher. Ich habe aber bei unserer insgesamt etwas ruhigen Abwehr ein bisschen Angst in der 2. Liga, wenn die teilweise ständig unter Druck kommen. Wenn er mal schlecht war, dann glichen es seine Nebenleute aus.
Carsten Rothenbach: Einige vermeintliche Fussballexperten sprechen ihm die Tauglichkeit für die 2. Liga ab. Vollkommener Blödsinn. Ich behaupte mal, dass der in der Abwehr die ganze Saison vielleicht zwei Zweikämpfe verloren hat. Offensiv nicht immer effektiv, aber in den beiden letzten Spielen (Flanke in Erfurt und Tor gegen Dresden) auch dort explodiert. Definitiv ein Mann für nächste Saison.
Marcel Eger: Siehe Morena. Die bilden von der Leistung her echt ein Zwillingspaar.
Ian Joy: Ach wenn er doch mal fit wäre! Und wer bringt seiner Frau schnell Deutsch bei? Schade, dass dieser echt sympathische Mensch uns wohl verlässt.
Sall: Hat genau einmal in braun-weiss gespielt und dies war ein 1-7 der 2. in Wolfsburg. Insofern nicht zu bewerten.
Hauke Brückner: Siehe oben. Schade, dass er es nicht mehr sportlich packt. Wird bei uns vermisst werden. Echt ein feiner Kerl.
Fabian Boll: Der wahrscheinlich beliebteste Polizist auf St. Pauli. Wie bescheuert die Hamburger Polizeiführung ist, zeigt sich alleine daran, dass dies nicht vermarktet wird, sondern er wahrscheinlich nun seinen bürgerlichen Job aufgeben muss. Mister perfekte Grätsche.
Timo Schultz: Kampfsau, gelbe Karten-König, unglaublich wichtig für die Truppe. Kommt in eine Liga, in der es um Kampf geht. Da kann er mit jedem mithalten.
Thomas Meggle: Was habe ich ihn verflucht? Wie häufig hat man ihn abgeschrieben? Erlebte im letzten Drittel seine Wiederauferstehung als Antreiber, Kopf und Herz dieser Mannschaft. Etwas konstanter und er hat locker noch zwei bis drei Jahre 2. Liga vor sich.
Jeton Arifi: Nein! Nein! Nein! Talent für 1. Liga, Konzentration und Willen für die Kreisklasse. Muss sich fragen, warum er nicht mehr schafft.
Jonathan Bourgault: Hat den Durchbruch nicht gepackt. Talent hat er, aber irgendwie fehlt der letzte Kick.
Michel Mazingu-Dinzey: Ach ja, Himmel und Hölle, kein Spieler schwankt zwischen solchen Extremen wie MMD. An guten Tagen ein echter Traumspieler, an schlechten Tagen ein Albtraumspieler. Vertrag läuft aus, er ist eigentlich auch am Ende der Karriere. Wenn er sich unterordnet, würde ich ihn als Joker behalten. Ein Jahr 2. Liga geht noch.
Florian Bruns: „Wer hat eigentlich den Bruns aufgestellt?“ schrieb der Übersteiger-Comic letztens im Comic. Das ist eigentlich ein bisschen gemein, denn seine Leistung war zwar durchwachsen, aber doch solide. Wird sich noch steigern und ist einer der wenigen, die schon in der 2. Liga gespielt haben.
Charles Takyi: Absolutes fussballerisches Talent. In der 2. Liga wird es trotzdem brutal hart für ihn. Denn da werden Spielmacher noch aggressiver angegangen als in der Regionalliga. Da muss er sich drauf einstellen und sein Spiel insofern auch ändern. Allemal ein Spieler, bei dem ich Angst habe, dass er den Sprung nicht packt.
Dirk Prediger: Erst ganz am Ende der Saison, wo er einen Platz bei der 2. Mannschaft gefunden hatte, da kam von ihm Leistung. Und die war wirklich hervorragend. Vorher einfach schlichtweg eine Katastrophe. Wird wohl nicht verlängert. Als Perspektivspieler hätte ich ihn gehalten.
Ahmet Kuru: War eine gute Verstärkung, hat viele wichtige Tore gemacht. Noch nicht ganz den Durchbruch geschafft und muss nun seine Zweitligatauglichkeit beweisen. Ist aber der einzige Stürmer, der bei uns mal 90 Minuten nicht wie blöde läuft und dann aus dem Nichts Tore macht. Auch eine Qualität.
Daniel Stendel: Der Junge wird hoffentlich nach Kilometern bezahlt. Sehr wichtig für die 2. Liga, da wir bei Auswärtsspielen in Lautern und in Köln jemanden brauchen, der als Stürmer den ersten Verteidiger mimt. Und für so etwas ist sich Stendel nie zu schade. Kann eine Abwehr auch 60 Minuten müde laufen, dann komm Sako und der macht die dann platt.
Morike Sako: Der Joker schlechthin. Versetzt immer wieder eine Abwehr in Angst und Schrecken. Wird mit mehr Kraft und Fitness auch in der 2. Liga so einsetzbar sein. 15 Tore finde ich aber eine gewagte Prognose.
Clemens Lange: Noch so ein Noteinkauf. Wird bei uns nix mehr.
Marvin Braun: Er hat nicht nur den beinah perfekten Nachnamen (jetzt bitte eine Frau Weiss heiraten und dann Doppelnamen), er ist meines Erachtens auch zusammen mit Takyi Rekordtorschütze unserer Truppe. Und dies obwohl er in der Öffentlichkeit sehr wenig Beachtung findet. Wird in der 2. Liga seinen Weg machen.
Jens Scharping: Ne, packt nicht einmal mehr dritte Liga. Leider ein Fehleinkauf.
Normalerweise folgt jetzt hier noch ein Spieler der Saison. Das wird schwierig diesmal. Da schwanke ich zwischen vielen. Ich denke aber, dass es über die gesamte Saison Carsten Rothenbach ist. Einer der wenigen, die wirklich über die ganze Saison abgerufen haben. Nur ganz knapp dahinter folgen auf dem zweiten Platz Meggle, Braun, Takyi, Eger und Borger.
Was brachte die Saison noch? Leider keine Ruhe in diesen Verein und das leidige Thema „Präsident“ ist mal wieder aktueller denn je. Dazu aber im Ausblick. Endlich gibt es aber wieder so etwas wie Zusammenhalt in der St. Paulifanszene. Dazu haben natürlich die unzähligen albernen Aktionen der Hamburger Polizei geführt. Der Protestmarsch zum Fanladen nach dem Angriff auf den Fanladen sei hier mal als leuchtendes Beispiel genannt. Wie wurde so schön im Forum geschrieben: „Das ist wie bei meiner Schwiegermutter. Wir werden nie einer Meinung sein, aber wenn jemand was von aussen gegen sie sagt, dann bin ich da.“ Es bleibt zu hoffen, dass diese Haltung als Minimalkonsens anhält und man eventuell zu einer sachlichen Diskussionskultur, so wohl online, wie auch offline findet.
Sportlich:
Das wichtigste an diesem Aufstieg ist, dass wir damit die Qualifikation für die 3. Bundesliga fest in der Tasche haben. Uns bleibt eine Horrorsaison in einer Liga, wo mindestens 15 Vereine in diese Liga wollen, erspart. Uns bleiben auch Touren zu Wolfsburg II und Cottbus II erspart.
Sportlich werden wir ein sehr kleines Licht in der 2. Liga sein. Da spielen Mannschaften mit, die Etats in der Höhe von 30 bis 40 Millionen haben werden, sprich ungefähr das vier- bis fünffache von uns. Ich denke wir werden die Mannschaft mit dem kleinsten Etat sein (der Nordmitaufsteiger und Jena werden ähnliche Etats haben). Alle anderen werden mehr Geld als wir zur Verfügung haben. Sprich: Wir werden als Absteiger Nr. 1 in die Saison gehen. Keine schlechte Ausgangslage, wenn man sich diese absolut bewusst macht. Und wir werden nur über mannschaftliche Geschlossenheit agieren können.
Was bisher als Neuverpflichtungen geplant ist, ist allemal der richtige Fingerzeig. Wir brauchen zwei Abwehrspieler (einen Innen, einen Aussen), einen Mann für den Flügel im Mittelfeld, eventuell noch einen zentral defensiven und wir brauchen einen Stürmer (am besten einen Kopfballstarken). Und da sind Namen wie Müller, Hennings, Feilhaber, Schweinsteiger genau die richtigen. Insbesondere sind die alle auch noch jung und Entwicklungsfähig. Hoffentlich bleibt es dabei, dass Spieler wie Patschinski (wo er ist, ist der Abstieg) und Addo (toller Fussballer, aber seit Jahren nicht fit) „kein Thema“ sind. Lieber junge hungrige Spieler. Und gerade bei Lokalrivalen II sehe ich doch so einige Leute, die man mal ansprechen könnte. Den einzigen älteren, den ich mir vorstellen könnte, wäre nebenbei auch ein Ex-Lokalrivale-Spieler. Aber den Namen behalte ich für mich ;-)
Wirtschaftlich:
Die neue Südtribüne kommt natürlich jetzt erst zur vollen Geltung, denn so werden wir alle ihre Plätze verkaufen können. Das wäre in der Regionalliga schwieriger geworden. Ein grosser Schritt in Richtung „neues Stadion“ ist damit getan. Und zur endlich vollständigen Entschuldung unseres Vereines. Damit wir wirklich einer der gesündesten Vereine des Profifussballes werden und dies nicht nur in der – ziemlich falschen – Wahrnehmung unseres Präsidenten sind.
Vereinspolitisch:
„Wenn man mich nicht haben will...“ Ich könnte ihn schon wieder erschlagen. Wie kann man so einen Artikel in der Aufstiegseuphorie lancieren? Wenn er Unterstützung will, dann soll er dem AR intern eine Frist zur Nominierung setzen, dann müssen die sich entscheiden und dann kann er in die Öffentlichkeit gehen. Aber warum wird jetzt schon (nebenbei 6 Monate, bevor das akut wird) schon wieder die Öffentlichkeitskarte gezogen und dann auch noch mit so einem nebulösen „Wenn man mich denn nicht haben will.“ Ich werde diesen Menschen nie verstehen. Ich wünsche mir, dass er a. Präsident bleibt, denn an den Ergebnissen kann man wenig aussetzen, dass er aber b. dringend lernt, ein Teamplayer zu sein und dringend Gremienarbeit lernt. Ich will ihn also haben, aber nur mit Vorbehalten.
Ach ja: Es ging um unseren Präsidenten
Fantechnisch:
So schön der Aufstieg ist, wir kommen in eine absolute Horrorliga. Anstosszeiten? Freitag 18 Uhr, Sonntag 14 Uhr und Montag 20:15 sind nicht gerade fanfreundlich. Dazu werden nun wieder die Spiele kurzfristig durch das Fernsehen verlegt. Insbesondere die Freitagsanstosszeit wird vielen Leuten Probleme machen. Das ist einfach bitter. Hinzu kommt noch, dass wir keine Auswärtsfahrt unter 250 km haben werden. Diese kurzen Touren zu Kiel und Lübeck werde ich vermissen.
Aber dafür werden wir wieder lange Touren haben, wo nur die Härtesten der Harten mitfahren. Darauf freu ich mich denn doch schon. Immer wieder eine Möglichkeit, sich neu und anders kennen zu lernen. Freiburg Montagsabends mit dem Bus. Ich freu mich.
Dazu noch die Süd, die sich hoffentlich prächtig entwickeln wird und mit einer neuformierten Gegengrade hoffentlich ein stimmungsvolles Duo bilden wird. Ich freu mich schon auf den ersten „magisches St. Pauli“ Wechselgesang.
Medientechnisch:
Endlich und auch leider wieder die volle Medienaufmerksamkeit. Wieder jeden Tag einen fetten Artikel in der Blöd, jeden Tag Fernsehen und damit endlich wieder alle Infos, die Fan sich wünscht. Aber leider auch alle Klischees, die Fan sich nicht wünscht.
FC 42 technisch:
Ob es weiter in diesem Umfang Bilder geben wird, weiss ich noch nicht. Das hängt auch sehr davon ab, ob der Deal mit dem Verein verlängert wird oder ob die nächste Saison auf andere professioneller agierende Fotografen zurückgreifen. Das bleibt abzuwarten. NRSA gibt es allemal weiter und Bilder von Heimspielen auch, aber ob auswärts noch Bilder geschossen werden können, werden wir sehen. Fakt ist, dass z.B. ein pensionierter Fotograf im Vereinsumfeld knipst und noch eine Ausrüstung beisammen hat, die gut 30.000 Euro kostet. Dass der bessere Bilder macht, ist nicht zu bestreiten.
… die Hamburger Polizei, die endlich komplett durchknallt. Nicht nur, dass die Bewachung einer Demo von 4000 Leuten mit 4000 Polizisten auch dann lächerlich ist, wenn gut ¼ davon gewaltbereit ist. Nein, die Redaktionspost einer Zeitung nach Absendern und Absendeorten zu durchsuchen ist schon ein starkes Stück. Man stelle sich nur vor in dieser Post wäre das Schreiben eines Informanten zu dem noch nicht veröffentlichten Polizeiskandal (der jetzt rein fiktiv ist) gewesen. Einen schlimmeren Eingriff in die Pressefreiheit gibt es beinah nicht. Und dies gilt auch, wenn die Briefe nicht geöffnet werden.
Bei den Demonstrationen ist mir sowieso teilweise nicht wirklich klar, wogegen demonstriert wird. Un