Norbert regt sich auf vom 23.7.2007
über
Erleuchtung?
oder
Ein kurzes Zwischenfazit
Ich habe die meiste Zeit des Wochenendes damit verbracht, einer der beiden Personen, die auf diesem Erdball „seine Heiligkeit“ genannt werden, zuzuhören. Ein wirklich religiöser Mensch werde ich nicht mehr, aber einer Person zuzuhören, die Gewaltlosigkeit predigt und auch praktiziert, ist schon sehr spannend. Darüber wirklich berichten mag ich nun nicht, aber zwei kleine Anekdoten möchte ich schon weiter geben. Zum einen ein sehr interessanter Satz (kein wörtliches Zitat) „Durch Gewalt ändert man keine Meinung, diese ändert man nur durch Argumente.“ Ich habe die ganze Zeit darauf rumgekaut und mich gefragt, ob das nicht auch das Problem bei der Auseinandersetzung mit Faschoidioten ist. Zum anderen, dass ich nicht abgetastet wurde (und dies obwohl die Sicherheitskontrollen sehr streng waren und nicht mit Fussball zu vergleichen). Zitat des Abschnittsleiters: „Der ist in Ordnung, der ist St. Pauli.“ Was nebenbei – wie sich gleich zeigt – eine gute Überleitung zum Spiel in Lübeck ist.
Freitagabend ging es also nach Lübeck. Eigentlich wollte ich nicht, aber Donnerstag erreichte mich dann doch wieder die Fussballwut und ich suchte per Forum nach Mitfahrern. Diese waren in Form von zwei Personen, die ich bisher nicht kannte, schnell gefunden, und zu dritt machte man sich auf den Weg nach Lübeck. Meine Mitfahrer bestanden aus einer Dame, bei der ich vorher schlichtweg nicht den Namen einem Gesicht zuordnen konnte, und einem Poppenbüttler, den ich a. noch nie gesehen hatte und der b. auch keine Dauerkarte sein eigen nannte. In dieser ungewöhnlichen, aber netten Besatzung ging es problemlos nach Lübeck, wenn man mal von einem kleinen Stau kurz hinter Hamburg absah, der dadurch verursacht wurde, dass auf der Gegenseite eine Stretchlimo auf dem Standstreifen stand.
Bei einem solchen Testspiel kann man auch ganz entspannt auf dem offiziellen Parkplatz parken, wo sich zu unserer Ankunftszeit nicht viel tat. Meine Schätzung, dass sich nur wenige Leute nach Lübeck bewegen würden, musste ich schnell korrigieren, fanden sich vor dem Gästeblock doch schnell viele Leute ein.
Erstmal galt es aber die Kontrollen zu überwinden, und die waren wirklich lustig. Aufgrund meines Arbeitsoutfits wurde ich erstmal gefragt, ob ich St. Paulifan sei. Dann wurde man von irgendwelchen finster einblickenden Mutantenordnern abgetastet, die aber mit ein bisschen gespielter Freundlichkeit milde gestimmt werden konnten. Da hatten es andere Leute schon schwerer, denn sie wurden ohne Witz so intensiv untersucht, dass sie selbst die Schuhe ausziehen mussten.
Im Block fanden sich dann ungefähr 300 bis 400 St. Paulianer ein, darunter auch viele bekannte Gesichter. So geht mein Mitfotograf schon ganz flüssig mit seinen Krücken und auch der Rennelefant hatte sich eingefunden. Die mitgefahrenen USPler zwangen dann zweimal zum Kopfschütteln. Nein, nicht wegen ihrer eigenen Handlungen, sondern wegen ihrer Erzählungen. So hatte die Lübecker Polizei u.a. zwei USP-Gruppen durch den Einsatz von Diensthunden und gezogenen Schlagstöcken voneinander ferngehalten. Zitat: „Dies obwohl alle ausser mir braun-weiss trugen.“. Dieser Umstand führte dann noch dazu, dass zwei ältere St. Paulianer, die sich über diese lächerliche Show aufregten, aus der Kassenschlange heraus eingesackt wurden. Und als man sich gerade vom Kopfschütteln erholt hatte, da erzählten die Jungs einem auch noch, dass sie ihre Stadionverbotler zwar mit hatten, diese aber nicht ins Stadion durften. Ein Umstand, der mich doch irgendwie wundert. Dies war kein Ligaspiel, die Jungs sind eigentlich prinzipiell immer besser im Stadion aufgehoben (Hallo, liebe Polizei, da kann man sie doch viel besser „kontrollieren“) und wirklich unübersichtlich war es im Block nun auch nicht.
So hatte man mal Stimmung im Block, wobei meine Stimme noch Sommerpause hat und ich auch nicht verstehen kann, wie man sich bei einem Testspiel teilweise übertrieben aufregen kann. Leute, das ist doch nur ein Testspiel. Die Lübecker haben sich nun auch auf die Sitzplätze unters Dach zurückgezogen, sangen dort ganz annehmbar (ich sprech jetzt von Lautstärke und Konstanz, nicht von Textkreativität), aber irgendwie kommt einem so ein vollkommen abgeschiedener Block wie eine Zooveranstaltung vor.
Zum Spiel: In der ersten Halbzeit gute Ansätze, teilweise schöne Spielzüge und ein Tor, was im Ligaspiel selten fallen wird (da der Torhüter sich schlichtweg komplett verschätzt) und ein Tor, wo Lübecks Abseitsfalle sehr elegant ausgespielt wird und dann sehr schön mit Übersicht gespielt wird. In den letzten 20 Minuten ging dann die Kraft aus, man merkte, dass Lübeck schon einen anderen Vorbereitungsstand hat (für die war das die Generalprobe für nächste Woche) und es fielen zwei Gegentore, die auch so in einem Ligaspiel nicht gefallen wären, denn zweimal wurde unsere Verteidigung überlaufen.
Nach dem Abpfiff wurde noch ein bisschen mit ca. 4 Althools von Lübeck über den Zaun geprollt, wobei ich mich auch hier frage, warum man so auf solche - offensichtlich ihre besten Jahre schon hinter sich habenden - Typen reagieren muss.
Nicht unerwähnt bleiben soll auch, dass die örtliche NPD mal wieder sämtliche Autos mit Flugblättern verhässlichte. Warum der VfB Lübeck diese wiederholte Nutzung seines offiziellen Parkplatzes zu Nazipropagandazwecken a. nicht unterbindet und b. nicht mal kommentiert. Peinlich.
Samstag dann das Spiel in Bramfeld. Diese spielen mitten in Steilshoop und der Platz zeichnete sich durch folgende Besonderheiten aus: moderne Beschallungsanlage (siehe Fotos), moderne Umkleiden (in der nahegelegenen Turnhalle) und versteckte Klos.
Eintrittspreise von sechs Euro und Bierpreise von 2 Euro kann man auch nur als „gelungen“ bezeichnen. Diese Preisklasse würde sich der geneigte Testspielgeher immer wünschen.
Es entwickelte sich ein für den Trainingsstand normales Testspiel, welches mit bleiernen Beinen 6-0 gewonnen wurde. Doll war es nicht, aber schlimm auch nicht. Immerhin konnte man das ganze Spiel gepflegt rumalbern und dazu passte auch, dass Bene die letzten 20 Minuten sich als Stürmer versuchte.
Gestört wurde dieses Idyll nur von ca. 10 Personen, die definitiv rechten Verbindungen der gewalttätigen Art angehörten. Darunter u.a. Typen, die von szenekundigen Leuten als „Worchs Leibgarde“ bezeichnet wurden und irgendwelche Althools in „Die Löwen“-Kutten. Eine Kutte, mit der man heutzutage beim Lokalrivalen wahrscheinlich unangenehme Fragen beantworten müsste.
Die hatten wohl schon eine Boxerei angeboten, ob es zu dieser dann auch gekommen ist, wage ich dann doch zu bezweifeln, denn auf jeden kam ungefähr ein Dorfpolizist, der die im Auge hatte.
Ich finde es immer noch schwierig ein Fazit aus Testspielen zu ziehen, aber trotzdem sei eine erste Einschätzung versucht:
Die Torhüter
Ich denke hier gibt es keine Veränderungen. Insgesamt konnte sich keiner in seinen Einsätzen wirklich auszeichnen. Daher gehe ich davon aus, dass man die Nr. 1 der letzten Saison einfach fortschreibt. Wirkliche Fehler unterliefen nämlich auch keinem unserer drei Torhüter.
Die Abwehr
Leider sind Ralle und Joy angeschlagen, krank bzw. verletzt. Gerade Ralle nun schon eine ganze Zeit. Sollte er fit sein, wäre er eigentlich für irgendeine Position in der Abwehr gesetzt. Ob er dies auch mit Trainingsrückstand ist, entscheidet der Trainer. Hier könnte sich noch eine Änderung ergeben. Die restlichen drei Leute in der Viererkette (die scheint ja wohl gesetzt) werden dann zwischen Joy, Lechner, Rothenbach, Eger und Morena ausgespielt. Da sehe ich bisher Morena am weitesten, der Rest hat schon jeder seinen Bock gehabt und auch jeder seine guten Szenen. Von hinten drückt dann Karikari, der auch schon einige nette Ansätze gezeigt hat. Bei Sall bleibt abzuwarten, ob er a. jemals fit wird und b. was er dann spielt.
Das Mittelfeld
Sowohl von der Besetzung wie auch von der Aufstellung bisher die grosse Unbekannte. Takyi zeigte seine alte gute Form, Boll ist immer noch Mr. Grätsche. Aber zwischen Schulle, Meggle, Braun, Bruns und Brunnemann ist noch nix entschieden. Und davon können nur noch zwei bis drei spielen. Gesetzt wäre wohl auch Trojan, wenn er denn fit wird. Hinten anstellen wird sich wohl Jonathan, insbesondere da er auch die halbe Vorbereitung gefehlt hat. Brunnemann hat mir von den ganzen Neuzugängen bisher am besten gefallen. Der ist nicht nur aufgrund seiner Frisur (die sollte er dringend ändern), sondern auch aufgrund von klugen Pässen und vielen Kilometern sehr auffällig.
Der Sturm
Hier sind die meisten Leute verletzt und die Aufstellung ist bisher sehr unklar. Braun kann auch hier spielen. Dann haben wir noch Kuru, der doch einige Tore gemacht hat. Schnitzler und Ludwig (letzterer ist doch eher Mittelfeldspieler, oder? Ich bin mir da gar nicht so sicher geworden…) sind bisher ziemlich unauffällig und haben mich noch nicht überzeugt. Sako steht erstmal aufgrund der Verletzung hinten an. Aufgedrängt hat sich Prokoph, der doch einige Tore in der Vorbereitung gemacht hat. Ich denke, dass er zwischen 1. und 2. wandern wird, was einem Spieler nicht zwingend gut tut.
… unser Stadionbau. Dieser geht im Zeitlupentempo voran und so haben sich dann auch schon mal Kräne auf der Baustelle eingefunden. Das Abendblatt berichtet nun von einer Schadensersatzpflicht des Präsidiums und des Aufsichtsrates. Was soll man davon halten? A. es handelt sich nicht um eine Kampagne des Abendblattes. Das ist aus meiner Sicht Blödsinn. B. Eine Aufarbeitung der Fehler beim Stadionbau halte ich für dringend notwendig. Wie hier schon erwähnt: dies ist ¼ des Stadions, und es gibt ziemlich kritische Teile in dieser Planung und sinnvoll wäre das nicht, wenn wir plötzlich ein halbes Jahr ohne Gegengrade dastehen. Daher ist eine Aufarbeitung und auch eventuell eine Regressnahme der Verantwortlichen natürlich zu prüfen (insbesondere, da wir viel Geld verlieren und insbesondere, wenn einer der Beauftragten dort Fehler gemacht hat (so etwas deutet das Abendblatt an), dann sollte dieser auch haftbar gemacht werden) C: eine Inhaftungnahme der ehrenamtlichen Gremien halte ich jedoch für so gut wie ausgeschlossen. Man erinnere sich da an die nicht erfolgte Inanspruchnahme eines Hr. Koch.
:.. unsere Rollstuhlfahrer: Die laut Abendblatt mal wieder um ihren Platz bangen müssen. Das als Kampagne des Abendblattes abzutun ist erneut kompletter Blödsinn. Man kann nur hoffen, dass der DFB sich hier wenigstens kompromissbereit zeigt, denn eine wirkliche Gefahr geht von Rollstuhlfahre