Norbert regt sich auf vom 17.9.2007
über
Geschlossene Mannschaft gegen Schauspieler 3-1
oder
Ist das alles, was du an Wasser auf Lager hast?
Ich werde bei Freitagsspielen grundsätzlich ab Samstag abend gefragt, wo denn Bericht und Fotos bleiben. Ich möchte daher nochmal darauf hinweisen, dass diese eigentlich nie vor Montag Abend online gehen. Ausnahmen bestätigen diese Regel. Gründe dafür gibt es viele. Einer der wichtigsten: Ich habe auch noch andere Hobbys und die gehen nach Fussball erstmal vor.
Dieses Wochenende war auch AFM-Versammlung. Ob es einen üblich langen Bericht gibt, kann ich noch nicht sagen. Der Grund dafür findet sich unter den Döntjes.
Freitag 18 Uhr ist und bleibt eine komplett bescheuerte Zeit. Es ist einfach unzumutbar, um diese Tageszeit zu spielen, und viele Leute aus meinem Umfeld schafften das Spiel schlichtweg nicht. Die ersten Auswirkungen dieses Wahnsinns konnte man in Kaiserslautern erleben, die einen absoluten Minusrekord an Zuschauern feierten. Das liegt natürlich auch an der sportlichen Talfahrt dieses Traditionsklubs, aber eben auch an diesen vollkommen bescheuerten Anstosszeiten. In der heutigen Welt ist alles vor 19 Uhr schlichtweg eine Frechheit.
Meinereiner hat da das Glück, Beamter zu sein und am Freitag eben um 12:30 gehen zu dürfen, was ich auch tat. Kurz zu Hause vom Homo Sapiens Beamtikus in den Homo Sapiens Fussballfanus verwandelt und ab zum Stadion. Das ganze mit einer leichten Regenjacke, denn die vereinzelten Schauer, die angesagt wurden, würden ja wohl nicht schlimm werden.
Der Fanladen war schon gerammelt voll, und da es nicht wirklich irgendwas zu erledigen gab, wurden nur kurz Kaltgetränke getrunken und die Zeit verlabert. Dann ging es auch schon zum Container, wo noch mit einem Alten Knochen und einer unserer werdenden Mütter geschnackt wurde und schon fand man sich im Stadion wieder.
Ausgefallen war bis dahin irgendwie das Essen, und so gönnte ich mir eine Krakauer am Wurststand. Die war ganz okay, aber so richtig doll war die auch nicht. Dann die Gazetta (übliche Qualität) und das „Striktly Oldstyle“ (Sorry, aber das ist so wirr, dass man es liest und absolut nicht versteht. Dieses Zine braucht dringend irgendjemand, der die Gedanken des Herausgebers mal ordnet und geordnet zu Papier bringt.) erstanden. Mein Gang zu Freunden in die Nord wurde leider jäh unterbunden, da man leider nicht mehr von der GG in die Nord wechseln kann. Finde ich sehr schade und hat mich auch kurzfristig sauer gemacht, aber nicht wirklich auf den Verein, sondern eher auf die Begründung, nämlich dass wohl schlichtweg im grossen Stil Leute in die Gegengrade geschmuggelt wurden. Das ist natürlich scheisse und dann muss man sich nicht wundern, wenn diese Gelegenheit irgendwann nicht mehr da ist. Trotzdem würde ich es begrüssen, wenn irgendwie ein „Umlauf“ ums Stadion wieder möglich gemacht wird. Vielleicht findet man hier ja eine Lösung (z.B. über Karten, welche die Ordner verteilen und wieder einsammeln und die man mit der Dauerkarte bei Rückkehr vorzeigen muss).
Offenbach hatte den Gästeblock vollkommen gefüllt, was bei einem Heimschnitt von irgendwas zwischen 8 und 10.000 eigentlich ganz ordentlich ist. Irgendwelche Probleme gab es zumindest für mich sichtbar nicht, so dass man sich auch nachträglich fragen muss, warum dieses Spiel nun ein Risikospiel ohne Bier war. Diese Entscheidung ist nicht wirklich nachzuvollziehen. Natürlich ist Offenbach ein relativ finsterer Verein von den Fans her gewesen, aber auch dort gibt es seit Jahren positive Tendenzen, die anscheinend jeder mitbekommen hat, nur die Polizei nicht. Am Container und auch nach dem Spiel im Jolly tranken einige Offenbacher fröhlich mit.
Das Spiel begann und bevor man eigentlich richtig auf seinem Platz stand, fiel auch schon das 1-0 durch den absolut überragenden Olaf – ääh, Alexander Ludwig. Danach fiel Fussballspielen erstmal dem Wasser von oben zum Opfer. So richtig konzentrierte sich eigentlich niemand mehr auf das Spielen und jeder versuchte, irgendwie den Regen zu überleben. Soviel zu „vereinzelten Schauern“. Der Wikinger versuchte noch, Gott herauszufordern, und prägte so die Überschrift. Nachdem der Regen dann wieder sich etwas gelichtet hatte, machte Paddy seinen leider zur Zeit üblichen Bock. Erneut muss er da nicht hin, erneut gilt: Wenn er dahin geht, dann muss er ihn auch haben. Da helfen auch zwei gute Paraden nicht, die uns nach diesem Bock im Spiel hielten, das war Murks.
Unsere Truppe schwamm nun ca. 20 Minuten, zeigte dann aber, dass sie eben ein Team und keine Ansammlung von Einzelspielern ist und kämpfte sich in das Match zurück. Und wurde kurz vor der Halbzeit belohnt, als der überragende Ludwig schoss und Braun den Abpraller über die Linie drückte.
In der 2. Halbzeit hatte man eigentlich nie das Gefühl, dass hier noch irgendwas schief geht. Spät köpfte Eger eine Freisstossflanke des – richtig geraten – überragenden Ludwig ein und der Sack war zu. Warum Wolfgang Frank die ganze Zeit noch wie Rumpelstilzchen an der Linie rumhüpfte bleibt sein Geheimnis. Offenbach präsentierte sich aber auch 90 Minuten so, wie eine Mannschaft nicht spielen sollte. Viel zu viel Show, viel zu viel Gemeckere, viel zu wenig Kampf. Daher die andere Überschrift.
Die Stimmung war eher mau, was aber auch daran lag, dass wenig Reizpunkte im Spiel waren (wir waren einfach zu überlegen) und dass alle mit der Nässe zu kämpfen hatten. Trotzdem fand ich es etwas schade, dass die Ehrenrunde vor teilweise halbleeren Rängen stattfand. Hier ist – glaube ich – nicht nur das Wetter schuld, sondern auch eine komplett überzogene Erwartungshaltung. 2. Liga ist eben nur bedingt schönes Spielen, sondern auch viel Kampf und Krampf. Und dafür war das von unseren Jungs klasse gemacht.
Nach dem Spiel noch kurz in den Container, dann zum Fanladen, wo die Zwiebelsuppe geknickt wurde und dann ins Jolly, wo sich noch eine heisse Nacht entwickelte. Glücklicherweise bin ich nicht auf allen Fotos zu erkennen ;-)
Sonntag dann unsere 2. Mannschaft, die in einem eher mauen Oberligaspiel 2-0 gegen Lurup gewann. Viel zu berichten gibt es eigentlich nicht, ausser das nur ca. 100 bis 150 St. Paulianer anwesend waren und USP-Midschool-Tag hatte und Lieder aus ihrer Anfangszeit zum Besten gab. Hier wäre der Bericht nicht zu Ende, wenn es nicht nach dem Abpfiff noch zu unschönen Szenen gekommen wäre.
Auf der Bank der Luruper sass noch Eugen H. (ehemaliger Spieler unserer 2. nebenbei) und wurde von abziehenden St. Paulianern mit Sprüchen wie „Du warst schlecht“ oder „Mann, warst du scheisse“ geneckt. Finde ich nun wirklich nicht schlimm und gehört auch mal dazu (hat wahrscheinlich auch jeder schon mal im Stadion gerufen). Nur leider meinte Eugen H diese zu nutzen und eine halbvolle Flasche aus dem Papierkorb nehmen zu müssen und diese auf die ca. 4 m entfernten St. Paulianer zu werfen. Das Ganze nebenbei gepaart mit einigen sehr unfreundlichen Schimpfwörtern. Glücklicherweise blieb die Flasche am Zaun hängen und prallte zurück auf Spielfeld/Tartanbahn. Nun war natürlich ziemlich die Kacke am dampfen und man bepöbelte sich durch den Zaun. Wobei von St. Pauli Seite keine Anstalten gemacht wurden über diesen Zaun zu klettern. Die Luruper Spieler kam zum Pöbeln dazu und auch zwei Zuschauer liefen über den Platz, einer stieg über den Zaun und meinte nun auf alles einzuschlagen, was sich bewegte. Das man sich dann natürlich gewehrt hat, ist doch nur zu verständlich, insbesondere da der ein Zurückweichen nur für einen neuen Angriff nutzte.
Unser anwesender Zivibulle hatte mal direkt was zu tun und pflückte ihn vom Zaun (als er zurückstieg) und nahm ihn fest. Danach war die Show vorbei und ausser Eugen H. hatten sich auch alle wieder beruhigt. Was dann folgte lässt sich nur mit Police Squad oder Police Academy beschreiben. Es kamen insgesamt sechs Streifenwagen mit Blaulicht und vollkommen überhöhtem Tempo vorgefahren, obwohl nichts, rein gar nichts mehr los war.
So konnten wir dann entspannt und mit sechs Punkten nach Hause fahren.
… unsere 2. Senioren, die einen Mitspieler viel zu jung verloren haben. Unser Beileid an alle Angehörigen, Freunde und Spielkameraden.
… unser Urspieler Walter Frosch, bei dem laut Zeitungen erneut der Krebs ausgebrochen ist. Wir drücken alle Daumen, dass er auch diesen Ausbruch übersteht. Gleichzeitig auch eine Warnung an jeden, das Rauchen am besten nicht aufzuhören bzw. schnellstens aufzuhören.
… unser Stadionbau, der laut Welt (online) nächsten Montag einen grossen Schritt nach vorne machen soll, weil Betonteile geliefert werden sollen. Diese sollen laut Welt dann bis Mitte November aufgestellt werden. Das wäre natürlich erstmal – auch im Hinblick auf eine Fertigstellung bis Februar 2008 – ein grosser Schritt nach vorne. Bleibt nur zu hoffen, dass dies auch so eintritt (Kolumne ist insoweit am Wochenende verfasst worden).
Für viel Aufregung haben die Designentwürfe gesorgt, welche der Verein auf seine Homepage gestellt hat. Viel Aufregung, die ich – ehrlich gesagt – nicht verstehen kann. Denn wie das Stadion aussieht ist doch eher zweitrangig. Mir kann doch niemand sagen, dass ihn das irgendwie in der Frage beeinflusst, ob er zu einem Spiel geht oder nicht. Das halte ich für absurd. Viel wichtiger als die Frage, wie denn die Getränkestände und die Klos aussehen, ist doch die Frage, ob es vernünftige, bezahlbare Plätze gibt und was die Getränke kosten, die ausgeschenkt werden. Ich persönlich kann mit irgendwelchen Comicentwürfen immer noch besser leben als mit grauem Beton, wie er z.B. im Volkspark oder in der Allianz Arena zu bewundern ist. Natürlich – und das sei hier auch mal gesagt – treffen diese viel zu verspielten Entwürfe auch nicht meinen persönlichen Geschmack. Geschweige denn treffen irgendwelche Grafitties auf den Aussenwänden meinen Geschmack, aber ich bleib dabei: Das ist ein absolutes Randproblem. Und über Geschmack lässt sich sowieso trefflich streiten. Und lieber habe ich letztendlich etwas, was zwar meinen Geschmack nicht trifft, aber doch einzigartiger ist als die nächste graue Betonwüste. Nochwas: Bei so etwas gilt auch, dass es im Laufe der Jahre passend gemacht wird.
Hinzu kommt noch folgendes: Alle wollen zwar ein neues Stadion, aber keiner will eine Änderung des bisherigen Zustandes. Und das ist nun definitiv Träumerei. Auch unser Stadion wird aus Beton sein, auch unser Stadion wird einen überdachten, innen liegenden Umlauf haben. So baut man nun mal heute, und ich finde das nicht schlimm. Nehmen wir doch mal das Beispiel Düsseldorf (wurde als Vergleich herangezogen), da ärgern mich vielmehr die Aussenhaut und die viel zu schmalen Eingänge in den Block als der überdachte Innengang. Mal ganz davon ab, dass der halt gesichtsloses Beton ist.
Viel wichtiger als die Bausubstanz eines Stadions sind doch die Menschen, die es bevölkern. Und das ist unsere Aufgabe, hier für eine gute Mischung zwischen Bankern und Punkern zu sorgen (uuaaaahh…. gez. die Lektorin).
… unsere Abteilung fördernde Mitglieder, die Abteilungsversammlung hatte. Normalerweise würde ich jetzt freudig einen langen Bericht über die Abteilungsversammlung ankündigen, aber ich bin mir nicht wirklich sicher, ob ich diesen schreiben will. Grund? Es waren gerade mal 68 stimmberechtigte und 10 nicht stimmberechtigte Mitglieder anwesend. Das ist einfach traurig. Vor der ausserordentlichen JHV wurde noch Dampf ohne Ende gemacht und im Internet (hallo, Forum) alles mögliche gepöbelt, aber zu so einer Versammlung kommt beinah keiner. So blieben auch kritische Nachfragen aus und es ist enttäuschend, dass bei einer aoMV zwar alle Leute – teilweise auf dem Informationsniveau Bild-Zeitung – aus den Löchern kommen, aber bei einer solchen Versammlung, wo Informationen gesammelt werden könnten und wo man auch das Abteilungsleben mitbestimmen hätte können, da bleibt man zu Hause. Oder ist schon in die Fussballherren gewechselt, wo es ja viel bequemer ist, passiv zu sein. Insofern mal Respekt an einen gewissen Tonny B. Der war nämlich vor Ort.
… unser Lokalrivale, der mit seinem Sportchef verlängert hat. Das ist prinzipiell kein Thema dieser Kolumne, aber ganz interessant war die Aufstellung im Abendblatt, dass Beiersdorfer in seiner Zeit als Manager (seit Ende 2002) 117 Wechsel (davon 57 Zugänge) abgewickelt hat. Sprich im Schnitt des Jahres hat der Lokalrivale ca. 11 Leute gekauft und 12 verkauft. Krasse Zahl, oder? Das heisst, man hat eigentlich pro Jahr den halben Kader ausgewechselt. Nun soll das keine Kritik an dem Lokalrivalen sein, aber es zeigt doch, wie wenig Spieler bei Vereinen verweilen und wie wenig Kontinuität im modernen Fussball herrscht. Da wundert sich auch keiner, dass wir keinen Spieler mehr im Kader haben, der mit uns aus der 2. Liga abgestiegen ist. Und dies obwohl wir gerade mal vier Jahre in der 3. Liga waren (ja, es kam einem wie eine Ewigkeit vor). Mal so eine interessante Frage: Ist das eigentlich durchschnittlich, überdurchschnittlich oder unterdurchschnittlich, wie der Durchlauf beim Lokalrivalen ist? Eine solche Statistik würde mich mal interessieren. Mein Gefühl (!!!) sagt mir: Guter Durchschnitt.
… unsere geliebte Hansestadt, in der ein Volksentscheid durchzuführen ist. Nun habe ich mich auch noch nicht abschliessend mit der Materie befasst, aber ich tendiere doch sehr stark, diesem Volksentscheid zuzustimmen. Grob geht es darum, Volksentscheide für verbindlich zu erklären. Unsere Regierungspartei stemmt sich mit aller Macht dagegen. Ihre Argumentation geht dahin, dass dann ja eine Minderheit der Bevölkerung die Verfassung ändern kann. Was für ein gepflegter Schwachsinn. Zur Zeit ändern gut 100 Leute die Verfassung. Das ist auch eine Minderheit. Und selbst wenn man vom System einer repräsentativen Demokratie ausgeht, repräsentieren 2/3 der Abgeordneten schon lange nicht mehr 50 % der Bevölkerung. Ich sag nur: Nichtwähler.
… einige unserer Politiker, die am liebsten ein Konvertiten-Register einführen würden. Was für eine absurde Idee. Da werden Menschen, die nichts gemacht haben, nur aufgrund ihrer Religion unter einen Generalverdacht gestellt. Das ist doch absurd. Denn welchen anderen Sinn soll ein solches Register haben? Nur weil ein Terrorist mal Konvertit war, sind noch lange nicht alle Konvertiten Terroristen. Und selbst wenn sie angeblich eine höhere Gefahr böten, zu Terroristen zu werden (rein hypothetische Arbeitsthese, keine Ahnung, ob das stimmt), wäre so ein Register doch nur gerechtfertigt, wenn nun z.B. jeder zweite Terrorist wird. Aber hier liegt das Problem im Promille-Bereich. Ich habe irgendwas von 200.000 deutschen Konvertiten in den Islam gelesen, potentielle Attentäter waren nun gerade mal zwei. Da wäre es ja schon beinah sinnvoller, alle Fussballfans zu registrieren, weil einige von ihnen Hooligans oder Nazis sind (Oh, höre ich da was von der Datei Gewalttäter Sport? gez. die Lektorin)! Die prozentuelle Quote ist wahrscheinlich no