Norbert regt sich auf vom 29.10.2007
über
Crossdressing
oder
Premiere in mehrfacher Hinsicht
Diese Woche wird diese Kolumne noch der Allgemeinheit ungefiltert zur Verfügung stehen. Danach verschwindet sie hinter einem Vorhang. Wie und unter welchen Voraussetzungen ihr ein Passwort erhaltet, wird auf dieser Seite ab dem Wochenende stehen. Die Begründung für diesen Schritt findet ihr am Beginn des AFM-Berichtes. Die Vereinspolitik habe ich ja schon im letzten Bericht abgehandelt. Daher diesmal nur der kurze Hinweis, dass ihr am 18.11. auf der JHV erscheinen solltet, dass ihr DENKEN solltet, dass ihr Versprechungen sehr kritisch nehmen solltet und das ihr sehr stark überlegen solltet, wo ihr mit „Ja“ und wo mit „Nein“ stimmt. Und ihr solltet Sitzfleisch mitnehmen, denn wenn alles so läuft wie geplant, könnte es unter „Anträge“ noch einen ganz interessanten Antrag geben.
Und wenn wir schon in „eigener Sache“ schreiben: diese Seite wird irgendwann in den nächsten Wochen umziehen müssen. Wir liegen mit dem auf dem Server von stpauli-forum.de, und wer in den letzten Tagen versucht hat, diesen Service zu erreichen, weiss, dass das Forum zur Zeit nicht funktioniert. Es ist ein Serverwechsel notwendig geworden und der wird auch uns – mit etwas Verzögerung zum Forum – treffen. Bekommt also keinen Schreck, wenn diese Seite mal ein bis zwei Tage offline ist. Wenn ich aber genauere Termine weiss, dann werde ich sie auch noch ankündigen.
Was in letzter Zeit nicht gerade Stärke dieser Kolumne war, sind die Geschichten aus der allgemeinen Welt des Fussball. Das liegt zum einen daran, dass es an der Zeit mangelt, zum anderen daran, dass man irgendwann auch keine Lust mehr hat, die 1000. absurde Geschichte aus dem Bereich der Kommerzialisierung zu kommentieren.
Wehen? Ein Dorf in der Nähe von Wiesbaden, welches allein schon durch seinen Namen zu abgedroschen Spässen einlädt. Sehr interessant auch der Blick auf die Internetseite und die Rubrik Fanclubs. Immerhin 5 nennen sie jetzt ihr eigen, wobei gerade mal einer älter ist als diese Saison. Selbst die Wehen Ultras sind Fanclub und haben sich laut Internetseite am 27.7.2007 gegründet. Sprich von einer Fanszene kann man da bisher nicht reden. Das ist alles noch im Aufbau. Immerhin soll es zum Spiel auf St. Pauli einen unglaublichen Andrang gegeben haben. Was in den Dimensionen des SV Wehen bedeutet, dass immerhin 150 bis 200 Leute in Hamburg auftauchten. Einen Fanbus gab es trotz dieser Anzahl laut deren Internetseite nebenbei nicht.
So konnte unser Verein endlich mal Einzelkarten für ein Spiel anbieten und diese gingen wohl auch schnell und ordentlich weg. Es ist schon interessant zu sehen, dass unser Verein zwischen Dienstag und Freitag 1000 zusätzliche Leute mobilisieren kann, die gerne das Spiel sehen wollen. Spricht für ein gewisses Potential an Leuten, die gerne Karten hätten.
So, sind wir nun am Spieltag? 18 Uhr am Freitag ist und bleibt eine absolut nicht akzeptable Zeit für ein Fussballspiel. Ich hatte glücklicherweise frei und konnte so noch ein paar Dinge erledigen (Amateurgeld wechseln, Amateur abholen – warum verplempert man einen freien Tag eigentlich auch noch für diesen blöden Verein?) und war dann pünktlich zur Öffnung am Fanladen.
Der diesmal ziemlich leer war, da viele Leute vor dem Spiel entweder arbeiten mussten oder sich auf der Politdemo gegen die NPD beteiligt haben. Diese meinte nämlich aufgrund des SPD Parteitages demonstrieren zu müssen. Komischer Anlass, wenn mich jemand fragt.
So konnte ich in Ruhe die Getränke und Ticketbestellungen tätigen und dann einem einsamen Ultra dabei helfen, die Gazetta zu falten. Sehr lustig dabei war, dass er wieder ein paar Kostenproben aus seinem Leben gab, was bei dieser Person immer sehr unterhaltsam ist.
Irgendwann war aber die Solidarität mit den Ultras auch aufgebraucht und ich widmete mich anderer Dinge. Immer noch sehr angenehm ist nebenbei, dass der Fanladen rauchfrei ist. Und noch angenehmer ist, dass dies nun auch Auswärtsbusse sein müssen. Das ist natürlich schon sehr positiv. Nicht so positiv gestimmt waren dafür die Celtic Fahrer, die wohl doch erhebliche Probleme mit Hin- und Rückflug hatten und dies erstmal im Fanladen zum besten gaben. Vielleicht schreiben sie ja einen eigenen Bericht zu den Details.
Ich machte mich dann auf in Richtung Stadion. Dies nebenbei schon wieder mit vielen Ultras zusammen, was aber daran lag, dass Moritz erst nicht mit wollte, dann doch mit wollte und letztendlich gleichzeitig mit seiner Gruppe los kam.
Vor dem AFM Container war auch noch nicht wirklich Partystimmung, und die paar Wehener, die vorbei zogen wurden mit vollkommenem Erstaunen aufgenommen. Nicht unerwähnt bleiben soll ein St. Paulianer, der Herrn Rotkutte mal auf so einige Gerüchte ansprach und auch deutlich machte, dass seine Repräsentation der St. Paulifans nicht nur auf Zustimmung trifft. Soll wohl ein nur bedingt erfolgreiches Gespräch gewesen sein, aber immerhin hing Rotkutte nicht mehr mit dieser absolut unterirdischen Fahne auf dem Zaun.
Dass heute nicht alles rund laufen würde wurde einem beim Aufziehen der grossen Schwenkfahne klar. Die Teleskopstange rutschte insgesamt dreimal wieder in sich zusammen, was zu einigen Verrenkungen führte, die aber mit Hilfe der Umstehenden elegant gemeistert wurden. Eine Sache, die man noch bemerkte, ist, dass das Stadion sich erst sehr spät füllte und auch erhebliche Lücken blieben. Da sieht man dann doch die Auswirkungen der Anstosszeit 18 Uhr. Mich würde mal eine Zählung der wirklich anwesenden Personen interessieren.
Bei dem Spiel gab es nebenbei im Rahmen der Fare Woche eine Aktion gegen Homophobie. Dazu wurden Aufkleber verteilt, bzw. den Leuten auf die Klamotten gepackt und die Mannschaft lief mit Spruchband ein. Weitere Spruchbänder wurden auf der Süd gezeigt und hängen (Stand Montag morgen) nach den Baukameras auch jetzt noch da. Sehr gute Aktion! Ich denke, dass es auch richtig ist, sich nicht an der „Rote Karte“-Aktion zu beteiligen, die zwar prinzipiell etwas Gutes ist, aber etwas dünn daher kommt, wenn nur die Spieler kurz und lustlos die Karten in die Höhe halten (so bei Dortmund – Bayern zu beobachten). Ich habe über die Aktion eigentlich nur positive Stimmen gehört, wenn man mal von einer Ausnahme ausgeht, der jedoch deswegen gegen diese Aktion war, weil er die Ablehnung von Homophobie für absolut selbstverständlich hält und deswegen so eine Aktion schon wieder zu traurig findet. Mit der Meinung konnte ich dann leben.
Zum Spiel: Das war schlichtweg lausig. Wehen konnte nicht und unsere wollten nicht. Es ist wirklich enttäuschend zu sehen, wie unsere Jungs mit hängenden Schultern und ohne Willen über den Platz schleichen. Wie sehr hat sie letzte Saison dieser unbändige Wille ausgezeichnet? Und wie sehr ist dieser verloren gegangen! Da ist keiner, der das Heft in die Hand nimmt, keiner der seine Mitspieler antreibt und zusammenstaucht und keiner, der wirklich mal einen gefährlichen und überraschenden Pass spielt. Das ist zur Zeit alles Stückwerk. Und der einzige, der wirklich 110 % gibt, der macht gerechterweise auch das Tor. Aber ein „Ruck“ geht zur Zeit nicht durch die Truppe. Das liegt auch daran, dass Meggle diese überragende Form der letzten Rückrunde zur Zeit nicht erreicht. Nicht, dass er wirklich schlecht spielt, aber er ragt eben als Antreiber nicht mehr so heraus. Und Takyi ist zur Zeit echt murks. Der sollte ganz schnell das Träumen von der 1. Liga einstellen und erstmal wieder vernünftig Fussball spielen. Ich denke auch, dass in nächster Zeit Schulle wieder seine Chance bekommen wird. Denn was der Truppe fehlt sind nicht Leute, die Fussball spielen können, sondern eben Antreiber. Etwas unglücklich insgesamt auch Sako, der nix dafür kann, aber irgendwie verleiten grosse auffällige Mittelstürmer unsere Truppe dazu, Bälle einfach hoch in die Mitte zu dreschen. Irgendjemand meinte, dass wir beinah schon ein neues Luz-Problem haben. Und das, obwohl er den Ausgleich echt klasse vorlegte.
Die Sangesstimmung im Stadion war eigentlich ganz okay und die drei in der Südkurve sitzenden Nasen haben auch beim Wechselgesang geantwortet. Doll war die Stimmung natürlich nicht, aber wenn man mal die Faktoren Freitag-schlechtes Spiel-kein Sangesgegner einrechnet, dann war das schon okay. Auf unserer Höhe blühte ansonsten der Spass. Da war von Crossdressing die Rede, wobei Harrys Vagabunden Peter vollkommen erstaunt war, dass ich wusste, was das ist. Auch sonst neigten wir zu flachen Spässen. Und so wurde auch darüber sinniert, dass die Bauarbeiter anscheinend immer das gleiche Teil hoch und runter fahren. Als dieses plötzlich dann zwei Löcher hatte (und nicht wie zuvor nur eines) hiess es nur, dass die nun extra ein Loch reingeflext hätten, um uns zu täuschen. Nur die ärmste Maike musste ihrer Schwangerschaft Tribut zollen und hatte nach ca. 25 Minuten Kreislaufprobleme. Warum dies so war wurde uns aber erst am nächsten Tag klar (siehe Überschrift). Schwesterherz brachte sie raus und zum Sanitäter, wobei man da mal der Gegengrade ein Kompliment machen muss. Wenn man brüllt „Notfall, lasst uns durch“ springen echt alle zur Seite.
Tja, und dann kam noch der einzige Höhepunkt des Tages, denn nachdem unser Torhüter in letzter Zeit nicht immer glücklich aussah, fischte er diesmal elegant einen Elfmeter in letzter Sekunde und rettete uns immerhin den Punkt. Dieser Punkt ist zwar eigentlich zu wenig, aber nach dem Spielverlauf und nach der Leistung ist es eher ein gewonnener Punkt, und wenn wir den mit einem Punkt in Hoffenheim bestätigen, dann sieht es vielleicht schon ganz anders aus. Und wir haben immer noch drei Punkte Abstand zu den Abstiegsplätzen und endlich auch mal ein Unentschieden auf dem Konto (Premiere Nr. 1).
Nach dem Spiel die übliche Runde, AFM Container, wo kurz ein Neumitglied geworben werden konnte, dann Fanladen, wo wir über alles offen redeten, und dann ins Jolly. Dort war Party mit Musik für das St. Pauli Mittelalter angesagt. Zwar war der DJ genervt, aber mir gefiel die Musik eigentlich ganz gut. Das einzige, was so ein bisschen zweifelhaft war, waren einige Gestalten auf der Tanzfläche, Leute, der Laden ist nun mal relativ klein und da kann man nicht erwarten, 100 m Platz zum Tanzen zu haben.
Um 0 Uhr zollte ich dann aber meiner Liebe zum Cider Tribut und ging schlafen.
Um am Samstag gegen 11:30 schon wieder im Fanladen zu sein, wo USP sich zum Spieltagbrunch versammelt hatte. Gute Eigenorganisation war das, und so gab es dort schon Getränke. Sehr lustig dabei, dass wohl auch die Zivis das mitbekommen hatten und erstmal vorbeigefahren sind zum Gucken.
Der Verein hatte bereits vor dem Spiel darauf hingewiesen (hinweisen müssen?), dass Straftaten im Umfeld dieses Spieles zu Stadionverboten auch für die 2. Liga führen könnten, aber vor dem Spiel ging eigentlich nix. Ein paar Heisssporne mussten ihre Döner zwar unbedingt hinter der Kieler Seite des Stadions einnehmen, aber das war auch schon alles, was passierte. Im Jolly war um 12 Uhr nix los, so dass die Amateurverkäufercrew die einzigen beiden Gäste blieben. Um so mehr war dann vor dem Stadion los, und bei insgesamt 1100 Zuschauern verkauften wir den Amateur locker aus. 300 Exemplare hatten wir gemacht, und diese wurden uns aus den Händen gerissen. Nebenbei auch von den Kielern, die ihre 50 Exemplare restlos ausverkauften.
Vielen Dank dabei an Ronny und Toddy, die als Aushilfsverkäufer agierten, und natürlich an alle Käufer, die mehr als die obligatorischen 10 Cent gaben. Wobei hier unser Ex-Vize Wasilewski mal herausgehoben sei, der neben einigen aufmunternden Worten auch eine ordentliche Spende bei uns abgab. Vielen Dank dafür. Schade, dass er nur so kurz unserem Verein diente. Vielen Dank auch an einen jetzt ungenannten Gönner, der unsere vergessenen Dauerkarten kostenlos ersetzte.
Nun braucht man zum Fussballspielen aber einen Gegner, und der fehlte irgendwie. Mit Klaus und Dinzey waren zwei Ex-St. Paulianer vorab anwesend, aber der Rest war irgendwie nicht auffindbar. Irgendwo im Stau hängen geblieben. So warteten wir, und mit ca. 20 Minuten Verspätung konnte das Spiel beginnen. Doof nur, dass wir Kiel dann erstmal richtig schön warm spielten, ganz langsam, ganz gemächlich, und Kiel konnte die ausgefallene Warmmachzeit richtig schön nachholen. Das Spiel ähnelte dem am Abend zuvor bewunderten doch sehr. Und so gewann diesmal der Gast vollkommen verdient 1-2, was auch daran lag, dass diesmal der Elfmeter klasse verwandelt wurde. Und dies, obwohl Bene im richtigen Eck lag. Schulle spielte zwar mit (Premiere Nr. 2), konnte dem ganzen aber nicht den Stempel aufdrücken. Ist auch logisch, wenn er anscheinend noch nicht einmal mit der Mannschaft trainiert hatte und auch die Namen seiner Mitspieler nur bedingt wusste.
Eines verwunderte dann jedoch noch: Wenn wir hier schon Hochrisikospiel haben und wegen ca. 400 Kielern ans Millerntor (Premiere Nr. 3) müssen, warum sitzen dann gut 80 Kieler auf der Gegentribüne und feiern dort beide Tore ab?
Die Stimmung war schlichtweg nicht existent. USP nutzt solche Spiele zu 90 Minuten Dauergesang, die aber absolut ohne Bezug auf das reale Geschehen auf dem Platz sind. Der Rest guckt eher ermüdet auf den Rasen. Auf Kieler Seite machte so ein kleiner Ultra-Block ein bisschen Stimmung, meinte dann aber unbedingt Pyro zünden zu müssen, was zu einer Manndeckung von ca. 40 Kieler Ultras durch die Polizei führte.
Nach dem Spiel kam es noch zu ein bisschen Gerenne, was aber aus meinem Blickwinkel so eine Kettenreaktion war, Polizei rennt, weil zwei St. Paulianer schneller weggehen, jemand sieht das aber nur noch, wie die Polizei um die Ecke biegt, rennt auch, daraufhin rennt der Rest auch los. Kieler waren im Viertel nun definitiv nicht unterwegs.
Und so ging ein irgendwie unbefriedigendes Wochenende zu Ende.
… der Verkauf von upsolut an eine französische Firma, die auch bereits Sportfive gekauft hat. Ist erstmal nicht abschliessend zu bewerten, führt aber dazu, dass der Lokalrivale und wir de facto den gleichen Vermarkter haben. Ob wir dadurch unsere Markenrechte einfacher zurück kaufen können, sei mal dahin gestellt. Insbesondere da wir bisher ja nicht wirklich glückliche Beziehungen mit unseren Zurückkaufpartnern hatten. Ich merke nur „WHolz“ an.
… der Verkauf der Fernsehrechte an Kirch. Denn nichts anderes ist der Vertrag, den die DFL mit Kirch geschlossen hat. Da kann man noch so stark von einem „Vermittler“ reden, wenn der eine Summe garantiert, die Bilder selber produziert und zur Verfügung stellt, dann sind die Rechte verkauft. Da geistern schon die irrwitzigsten Pläne wie Bundesliga Samstag 15 Uhr und um 18:30 ein Livespiel in der ARD durch die Presse. Und natürlich auch schon Sonntag 15 Uhr bei den Sonntagsspielen und eventuell auch Sonntagsvormittag und das Freitagsspiel bitte etwas früher. Und der geneigte Fan der zweiten Liga fragt sich ständig: Und wann sollen wir spielen? Wenn es bei dem Dogma 1. Liga und 2. Liga nicht parallel bleibt, dann können wir uns schon einmal auf Freitag 17:30 freuen und dies selbst eventuell als Regelspieltag, sprich nie am Sonntag, sondern 8 Spiele Freitags und eines Montags. Wie wäre es damit? Den Fernsehvermarktern würde es sehr passen. Und solange in der 2. Liga nicht ein erheblicher Zuschauerrückgang in den Stadien gemessen wird, werden die Vereine auch ruhig bleiben. Wobei mich schon interessieren würde, wie viele der Dauerkarten in den einzelnen Stadien wirklich anwese